Seltsam, aber ich bin Zweifler und Vertrauender zugleich. Wie ist das möglich?
Ich fange lieber mit dem Zweifeln an, weil das Vertrauen wichtiger ist. Meine Zweifel sind radikal; sie beginnen bei mir, denn ich kann’s nicht verhindern, dass ich jeden Tag zum Mittäter in einem Gesellschaftssystem und einer Zivilisation werde, für die der Satz im Grundgesetz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ nur ein willkommenes Feigenblatt ist.
Womit ich zum Vertrauen komme. Eigentlich ist es mehr als Vertrauen, ich glaube zu wissen, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Kein Vater, der sein Kind mit offenem Herzen in den Armen gewiegt hat, kann das bezweifeln. Bei aller Wildheit, die die Natur entfalten kann, vertraue ich auf ihren wichtigsten, Jahrmilliarden-alten Impuls: Leben zu fördern. Und eine Ebene tiefer spüre ich, dass mich etwas Größeres in ähnlichere Weise hält und wiegt, wie ich meine Kinder gehalten habe.
Dafür offen zu sein, dies an Leib und Seele zu erfahren und gleichzeitig tief zu zweifeln, erzeugt Reibungen in mir, die ich immer wieder neu versuche, in Worte zu kleiden.
Über und auf Fragen und Nachfragen freue ich mich.
Dieser Beitrag erschien in Bobby’s Corner. Weitere Texte von Bobby Langer findest du hier.