In einem Gespräch mit meiner Mutter in den 1970er Jahren sagte sie ohne groß nachzudenken, so wie man über den letzten Einkauf oder das Wetter spricht: »Nachdem wir bei Stalingrad verloren hatten ….« – ich ließ sie den Satz nicht zu Ende sagen, sondern antwortete in meinem aufkeimenden politischen Bewusstsein leicht angenervt: »Wir??? Wen meinst du damit?« – »Ist es nicht ein Glück für uns, dass dieses Regime im Zweiten Weltkrieg vernichtend geschlagen wurde, und Stalingrad vielleicht der Anfang vom Untergang dieses Scheiß-Regimes war?« Gutmöglich, dass ich noch hinzufügte: »Dieses Wir ist nicht meins!« 

Meine Mutter war geschockt. Zu Recht, würde ich heute sagen, wegen meiner aggressiven Antwort. Sie hatte damit doch nur ihre Zugehörigkeit zu Deutschland ausdrücken wollen. Zu Unrecht, würde ich heute sagen, denn Anfang der 70er hätte meine Mutter längst ihre Wir-Gefühle bezüglich Deutschland differenzieren können müssen. Jedenfalls verlangte ich das, in meiner Wut über den Erfolg der Propaganda von Goebbels & Co, die es geschafft hatte, die Politik von Hitlers Regierung, das Vorgehen der Wehrmacht in Osteuropa und noch so einiges andere in einem Gefühl von »Wir Deutschen« zu einer Einheit zu vermanschen. 

Im naiven Wir-Gefühl ertappt

So gesehen war die Niederlage von Stalingrad natürlich »unser Verlust«. Obwohl dort mehr Sowjetsoldaten starben als Deutsche. Eine Identifizierung mit »Wir Menschen«, die sich von Kräften, denen wir uns ausgeliefert fühlen, immer wieder in Kriege reinziehen lassen, war bei meiner Mutter nur ansatzweise vorhanden, und wegen der Gräuel von Wehrmacht und SS, die ihr durchaus bewusst waren, schämte sie sich, in ihrem unreflektierten Wir-Gefühl von mir ertappt worden zu sein. 

Als ich 1969 im Alter von 16 als Tramper begann, eigenmächtig die Welt zu erkunden, weitete sich mein Bewusstsein allmählich. Bald wurde es durch meinen Kontakt mit u.a. der indischen Kultur so weit, dass ich das Ich oder Selbst (im Sanskrit Atman) und damit auch alle Wir-Konstruktionen als bewegliche Größen verstand.

Ich, du, wir und das Ego

Nenn es Gehirnwäsche oder Bildung – je nach biografischer Prägung haben wir Menschen sehr verschiedene Wir-Gefühle. Wir als das Wort, unsere Zugehörigkeit bezeichnen. Philosophisch Interessierte finden dazu mehr in meinem Blogeintrag über das Ego. Oder auch, wenn du’s lieber live hast und in Bewegung: Komm in meine Performance Ich/Du/Wir am 16.8. in unserer Jurte.

P.S. am 13.8.25: »Nicht mit uns!« – dieser Chor von Kriegsverweigerern flog mir gerade zu. Was für eine schöne Art von Männlichkeit zeigt sich hier! Was für eine starke Antwort auf den Stereotyp Pazifisten seien Weicheier!

Wer macht mit?

In unserem Anwesen Aldruper Brink 75 in 48268 Greven tut sich was. Das braucht mehr als nur zwei bis vier Hände. Schon jetzt, mehr noch ab September, können wir hier zurzeit bis zu sechs zusätzliche Leute unterbringen. Mithelfer, Gäste, Menschen zum Probewohnen oder für eine Auszeit. Wer schon so früh in unser Projekt mit einsteigt, hat mehr Möglichkeiten es wesentlich mitzugestalten. Später werden die Strukturen fester sein. Für Halt Suchende ist das Feste besser. Für Initiatoren und Menschen mit Pioniergeist eher das noch Frische, leichter Gestaltbare. Deshalb suchen wir schon jetzt Menschen, die hier mitmachen wollen. 

Wir suchen nun kooperativ gesonnene Menschen, die Lust und Energie haben, bei uns in Aldrup bei Greven im Münsterland ein Gemeinschaftsprojekt mit aufzubauen.

Wenn du handwerklich geschickt bist, einen Garten zum Blühen bringen kannst, gestalterisch kreativ bist oder dich gerne um Gästebetreuung und Orga kümmerst, dann schreib mir eine Mail an schneider@connection.de.

Je nach Art und Umfang der Mitarbeit ist mietfreies Wohnen, ggf. inkl. Verpflegung bis hin zu einem Mini- oder sozialversicherungspflichtigen Midijob möglich.

Mehr zum Thema Gemeinschaft im Allgemeinen und unserem Aldruper Jurtengarten im Speziellen findest du hier.

Den roten Faden finden

Der Newsletter »Roter Faden« von Hermann Häfele gibt immer wieder gute Impulse. Ich lese ihn seit langem und schätze ihn sehr. Hermann kenne ich auch persönlich als Coach und Unternehmensberater. Den Roten Faden finden im Leben, das ist unser beider Thema. In der Augustausgabe seines Newsletters findet ihr seine Empfehlung meines »Roter Faden« Seminars im Upleven, das am 22.8. beginnt. (Ein weiteres gibt’s dort am 21.-23. November.) Dort könnt ihr an einem WE das Wesentliche in eurem Leben wiederfinden – oder, wer es schon gefunden hat, kann den Bezug dazu stärken. Bei Hermann Häfele könnt ihr das im Einzelcoaching oder Consulting. Die in Berlin Wohnenden können ihm dabei face to face gegenüber sitzen, die anderen machen es online.

Massenmord durch Sanktionen

Nicht nur in Kriegen sterben Menschen, auch durch Sanktionen kommen Menschen massenhaft zu Tode und zwar zurzeit ebenso viele wie durch Kriege, berichtet die renommierte medizinische Fachzeitschrift The Lancet. Das widerspricht dem von den hiesigen Medien verbreiteten Image der Sanktionen als freundliche Maßnahme, ein ausländisches Regime in die von uns erwünschte Richtung zu schubsen, ohne dabei Gewalt anzuwenden. 

Wenig bekannt ist auch, dass die von den westlichen Staaten verhängten Sanktionen gegenüber Afghanistan die dortige Bevölkerung zu 97 % unter dem Armutsniveau verharren lassen, ohne die dortige Regierung auch nur minimal in Richtung auf unsere westlichen Wünsche zu beeinflussen. Die Sanktionen gegenüber Russland hingegen stören Russland kaum, sie schaden vor allem Deutschland. 

Das Gedächtnis der Menschheit …

»Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.« So beginnt das Gedicht »Das Gedächtnis der Menschheit« von Bertold Brecht, das er selbst auf dem internationalen »Kongress der Völker für den Frieden« 1952 in Wien vortrug. Damals war der Zweite Weltkrieg gerade gut sieben Jahre vorbei. Heute liegt er 80 Jahre zurück, und wieder will Deutschland die stärkste Armee Europas bereitstellen, als hätte es die Schrecken von 1939-45 nie gegeben.  

Dialog statt Monolog

Ich freu mich über Kommentare unter diesem Blogeintrag oder auch anderen, die ihr hier findet. Unterstützende wie kritische, jubelnde wie mich ‚auseinander nehmende‘ Stimmen. Dialog ist nötig, heute mehr denn je. Außerdem langweilen Monologe. Meist beantworte ich die Kommentare selbst, oft noch am selben Tag. Oder, noch besser, kommt auf meine Veranstaltungen!