»Du kannst ein Problem niemals auf der Ebene lösen, auf der es zustande kam«, sagte Albert Einstein. Das würde bedeuten, dass wir immer unseren Horizont verlassen müssten, unsere Bubble, um nur irgendein Problem lösen zu können. Wenn ich mich in unserer Polykrise so umschaue, im Nah- wie im Fernraum, fehlt es uns ja nicht an Problemen.
Das oben angeführte Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben. Egal, ob es tatsächlich von ihm ist oder nur ihm zugeschrieben wird, es ist eines meiner Lieblingszitate. Und das nicht nur, weil ich Einstein mag, sondern auch, weil es nach meinem Verständnis die einfachste Definition von Transzendenz ist und so gar nichts mit Religion zu tun hat. Transzendenz ohne Religion! Das wäre doch der Himmel auf Erden! Freude, schöner Götterfunken / wir betreten feuertrunken / Himmlische, dein Heiligtum.
Wenn der Geist heilig wird
Nicht nur profane Wissenschaftler wie Einstein, auch Seelsorger brauchen Transzendenz. Wir alle brauchen das. Auch die unter uns, die so wie ich, sich das Heilige nicht über ein Buch, eine Person oder Institution vermitteln lassen wollen, sondern lieber eine direkte Beziehung zu Gott eingehen, zum Ganzen. Die das erfahren wollen, was Jesus und Buddha, Laotse und Rumi erfahren haben und es dann nicht bei sich halten können, denn, »wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.«
Wer sein Leben nicht nur in Konflikten verbringen will, braucht die Fähigkeit, über seinen eigenen kleinen Horizont hinausschauen zu können. Und wer braucht das am meisten? Die Verwalter des Diesseitigen, die Bürokraten. Denn so wie auch schon die von Jesus als »Schriftgelehrte« gebrandmarkten Pharisäer erstarren auch die Menschen in den Behörden und der Verwaltung großer Firmen viel zu leicht in der Interpretation von Dokumenten und vergessen dabei das reale Leben. Für Juristen ist das Schriftgelehrtentum in dieser Hinsicht sogar ihr Beruf.
Stirb und werde
Nir Barzilai, einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Alternsforschung, sagte kürzlich im Interview mit der Zeit, das kurz darauf auch im Wissenschaftsmagazin Spektrum erschien: »Wenn wir für die Unsterblichkeit unsere Identität verlieren müssen, dann lasst uns doch lieber stattdessen Kinder bekommen.« Das ist nicht Wissenschaft, sondern Bullshit. Versöhnlicher gesagt: Es basiert auf dem üblichen Glauben, unsere menschliche Identität sei etwas Festes und ihr Verlust das Schlimmste, was einem zustoßen kann. Identität verloren, Psychose, ab in die Psychiatrie?
Nein, unsere Identität ist etwas Lebendiges. Sie bewegt sich und wandelt sich und tut das nicht nur täglich, sondern minütlich. Goethe wusste das besser als Nir Barzilai: »Eh du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast / auf der dunklen Erde«, dichtete er nach einer Begegnung mit Schriften des Sufi-Dichters Hafiz.
Gut war’s – nun aber weiter …
Ich mag es, wie auch Ken Wilber über dem Wandel spricht. In seinen beiden neuen Büchern Finding Radical Wholeness und Die Religion von Morgen wiederholt er unermüdlich die Formel transcend & include: Integriere das Bisherige, indem du es dir aneignest, dann geh weiter. Wie auf einer Leiter erklimmen wir in unserer Entwicklung Stufen, so wie Hesse es in seinem Gedicht »Stufen« beschreibt. Wo auch immer wir gerade stehen, halten wir inne, erfüllt von Dankbarkeit gegenüber dem, was wir uns schon angeeignet haben; dann steigen wir auf die nächste Stufe, wir transzendieren. So wie Einstein mit der Relativitätstheorie über die Newtonsche Physik hinausging ohne sie zu leugnen oder zu verdammen; er ging einfach weiter zu etwas Neuem, welches das Alte in sich trägt.
Forever young?
Gegensätze aushalten können, sie integrieren und dann weitergehen, das empfiehlt auch Richard David Precht in seinen Büchern »Die vierte Gewalt« (zusammen mit Harald Welzer) und »Angststillstand«, wo er unsere Gesellschaft als nicht-erwachsen-werden-wollend beschreibt. Forever young, so wie das Axolotl, das zum Titelbild dieses Buchs wurde: der Lurch, der das Larvenstadium nie verlässt und es dennoch schafft, sich fortzupflanzen. Er altert und stirbt ohne je die amphibische Metamorphose durchlaufen zu haben, den Schritt über die Schwelle in das neue Leben als ‚Erwachsener‘.
Unserer Gesellschaft als Ganzes und allen Personen darin, die das Erwachsenwerden bisher noch vor sich herschieben, wünsche ich solche Metamorphosen. Erst dann werden wir souverän sein, können ohne Triggerwarnungen durchs Leben gehen und selbstverantwortlich Entscheidungen treffen, was für eine Freiheit! Die Individuation vollziehen, so wie C.G. Jung sie beschrieben hat. Ein Jivanmukti werden, ein zu Lebzeiten Befreiter.
Events
Lust auf Freiheit, Bindungsweisheit, Reifung und Transzendenz? Dann schau in meinen Eventkalender. Zwischen Nordsee und Süddeutschland gebe ich 2026 an mehr als zehn Orten Seminare. Während sich auf unserem Gelände in Greven bei Münster ein Retreat-Platz für Auszeiten entwickelt, der noch kreative Mithelfer sucht. Wir haben ihn »Aldruper Jurtengarten« genannt, obwohl unsere dortige Jurte vorerst nicht genutzt werden darf aufgrund von Vorschriften, die viele, auch Juristen, für absurd halten. Mehr dazu demnächst.
Bevor jetzt aber wieder einer auf die Bürokraten oder Juristen schimpft – sie machen doch nur ihren verdammten Job – hier noch ein extra Hinweis auf die drei nächsten überregional interessanten Events: das Roter Faden Seminar im Upleven an der Nordsee, das »Ekstatisch Leben« Wochenende im März in Berlin, für das es bis 25.12. einen Early Bird Tarif gibt und das sehr preisgünstige, auf 12 Tn begrenzte Sauna und Meditation Retreat im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg.
Heilung
Wer ohne einen Humorworkshop wie meine »Ekstatisch leben« Seminare im Alltag so leidlich zurecht kommt, darf sich gesegnet fühlen. Oder sich die moderne instant healing Methode dieses nur gut 2 min dauernden Online-Trigger-Workshops antun.
