Schweigend im Wald sein und den dortigen Geräuschen lauschen, das Moos riechen, die Farben der Jahreszeit sehen, ist das Sinnlichkeit?
Ja! Nichtsdestotrotz erschüttern mich die Nachrichten von dem us-israelischen Angriff auf den Iran, ebenso die Ahnungslosigkeit unserer Zivilisation in Bezug auf KI, die inzwischen das Wettrüsten befeuert, mit wieder einmal dem Pentagon als dem größten Auftraggeber ‚der Wissenschaft‘. Inmitten von alledem habe ich mich jedoch von einer Tantrikerin zum Thema Sinnlichkeit interviewen lassen und mache das jetzt auch hier zum Einstiegs-Thema. Als ein Aufruf, auf dem Deck der Titanic einfach weiter zu musizieren, sinnlich dem Untergang entgegen? Nicht ganz so.
Der sinnliche Weg zu Gott
Sondern so: Unsere Sinne verbinden uns mit der Welt. Durch sie nehmen wir wahr, was ist und verorten uns darin. Insofern das (selbst)bewusst geschieht, geschieht dabei auch Selbsterkenntnis. Jedenfalls katapultieren die Sinne uns in die Gegenwart, ins legendäre Hier&Jetzt. Beim Saunabesuch ist es der Wärme/Kältesinn, beim Musikhören das Ohr, beim sich Umschauen das Auge, beim Essen das Riechen & Schmecken und im Sex alles das zusammen.
Deshalb habe ich in diesem Interview von Christine Janson in Tantra To Go behauptet, die Sinne seien der Weg zurück zur Natürlichkeit, zu unserer Herkunft, zu Gott. Während das Christentum im Sinnlichen die Verführungskraft des Teufels wähnte und fürchtete. (Ab 6.3. um 14 h ist das Interview öffentlich.)
Der Wert des Narrativen
Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Sinne führen uns in die Hingabe, das Einswerden mit dem Wahrgenommen, die mystische Erfahrung. Bei tiefer Hingabe machen sie uns sprachlos und können uns nicht nur im Sex in den ‚kleinen Tod‘ führen, le petit mort, das Vergehen im Du, im Gegenüber, im Ganzen.
Während ich diese direkte Gotteserfahrung anpreise, will ich jedoch nicht das Narrative geringschätzen, das unsere Ich- und Wir-Strukturen erschafft. Es macht unsere Individuation und Persönlichkeitsentwicklung überhaupt erst möglich und – hier lauert die Gefahr – lässt uns an Geld, Kultur, Recht & Ordnung glauben. Es führt uns vom Natürlichen, Göttlichen, Zeitlosen weg. Dennoch brauchen wir es. Mensch sein bedeutet immer, auch ein Jemand zu sein, ein Individuum, von der Masse verschieden. Eine Persönlichkeit. Die jedoch bindungsfähig sein und sich eingebunden wissen sollte ins Große Ganze. Mit dem wir uns heute leichter über unsere Sinne verbinden können als unsere Traditionen es empfahlen: über ‚Gotteshäuser‘ oder Heilige Schriften.
Jüdische Pazifisten
Während dieser Tage die Regierung von Israel wieder einmal ein anderes Land militärisch angreift ohne selbst angegriffen zu sein und weiterhin für Großisrael die Palästinenser auf ihrem angestammten Land vertreibt, möchte ich hier nicht vergessen lassen, dass es auch jüdische Pazifisten und Antimilitaristen gibt. Es gibt in Israel die regierungskritische Zeitung Haaretz und – viel weniger bekannt – im Internet die Schalom-Biobliothek von und über Pazifisten und Antimilitaristen aus jüdischen Familien. Gerade angesichts der weltweiten Aufrüstung und Militarisierung, die viele Menschen verzweifeln lässt, sollten wir uns auch über kleinste pazifistische Initiativen freuen und sie unterstützen.
Polykrise
Am 28.2., dem Tag des Angriffs auf den Iran, sprach Jeffrey Sachs über den Iran-Krieg (32 min). Nichts für empfindliche Gemüter und noch ganz frisch, der Krieg hat ja gerade erst angefangen, doch Jeffrey Sachs ist ein Kenner der Situation, mit einem weiten Blick auf die geopolitische Situation. Wer hier den Einwand bringen möchte, der Interviewer, der ein Russlandkenner ist, sei ‚ein langer Arm Putins‘, schaue sich mal diese 12 min Rede von Jonas Tögel an, auch er ein Politikwissenschaftler, über kognitive Kriegführung, d.h. die Manipulation der Menschen, auf der eigenen Seite ebenso wie auf der des Feindes. Nicht nur in der militärischen Hardware, auch in der kognitiven Kriegführung beansprucht die NATO Hegemonie.
Wer mehr Zeit hat für ein die gesamte Polykrise einordnendes Interview höre sich das von Ben mit Urlike Guerot vom 18.2. an. Es ist mehr als 3 h lang, hilft aber sehr, die Ereignisse insbesondere seit und auch schon vor der Corona-Krise besser zu verstehen.
I have a dream
Einen Text von mir über meine Vision, die über die aktuellen Krisen hinauszublicken versucht, findet ihr in der März/April-Ausgabe der Zeitschrift KGS-Berlin. Hier das Angebot meiner Jurte, das schönste Bauwerk, das ich je gekauft habe und nun wieder verkaufen muss. Außerdem in meinem Blog auch drei Kurzberichte von und über Seminare mit mir wie Sauna & Meditation, Humorvoll altern und Auszeiten auf dem Deich. Auch das Thema der »interreligiösen Theologie« beschäftigt mich, ihr werdet hier in meinem Blog bald dazu etwas finden. Meine öffentlichen Auftritte findet ihr auch, wie immer, in unserem Eventkalender.
Problemwölfe
Nochmal zurück zu mir persönlich. »Der Abschuss von Problemwölfen soll in Deutschland durch geplante Änderungen im Bundesjagdrecht erleichtert werden, um Weidetiere besser zu schützen« las ich kürzlich in den Nachrichten und erschrak! Bin ich ein Problemwolf? Mache ich den Herdentieren Angst, die auf den Wiesen der Amtsmedien weiden und deren Informationen fressen, anstatt sich gesund zu ernähren mit Informationen, die nicht wiedergekäut werden müssen und bei ausreichender Verdauung Weisheit erzeugen?
Entscheidet selbst. Wenn ihr den Problemwolf weiterhin unterstützen wollt, empfiehlt diesen Newsletter gerne weiter. In einer Premium-Version enthält der Newsletter sogar einen wöchentlichen Podcast, was beweist, dass Wölfe nicht nur heulen können, sondern auch sprechen.