Bild: Grynkewich auf der Luftfahrshow in Berlin am 11. Juni 26. Quelle: Times of India

Russland will die NATO gar nicht angreifen, sagte der höchste Befehlshaber der der NATO am 11. Juni auf der Luftfahrtkonferenz in Berlin. Nach einer gründlichen Prüfung der Geheimdienstquellen sei der zu diesem Schluss gekommen. Woraufhin die Financial Times am nächsten Tag titelte, Russland wolle keinen Konflikt, Auch die Times of India griff diese Nachricht in einem 8 min langen Videobericht auf, präzisierte sie und sprach dabei auch über die Erschütterungen, die sie in den NATO-Ländern ausgelöst hat, die ja die massive Erhörung ihrer Militärausgaben mit eben dieser Bedrohung rechtfertigen. Allen voran Deutschland begründet seine Aufrüstung und die sie begleitenden Sozialkürzungen mit dieser Bedrohung.

Grynkewich ist seit dem 1. Juli 2025 Kommandeur des United States European Command, schreibt die deutsche Wikipedia und damit in Personalunion auch Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa. Für Ansichten abseits des militärisch-politischen Mainstreams ist er nicht bekannt. Auch hätte ihn eine großzügige Haltung gegenüber Russland niemals in diese Position gebracht. 

Für Empfänger der Analysen von Quellen wie Germain Foreign Affairs und Globalbridge, welche den Ukraine-Konflikt seit langem nüchtern und kenntnisreich beobachten, ist die von Grynkewich geäußerte Einschätzung eine Bestätigung. Verwundert sind ‚wir Beobachter‘ abseits der Hauptpropagandaströme eher darüber, warum Grynchewich es gerade jetzt wagt zu sagen, was Kennern der Lage längst bekannt ist.

Wenn Grynkewich Recht hat, warum behaupten die Regierungen und Medien dann so massiv und standfest, das es eine solche Bedrohung gäbe?

Auffallend ist auch, dass die größte englischsprachige Tageszeitung Indiens dem Thema so viel Raum gibt, obwohl es doch in erster Linie ein europäisches ist. Die Times of India, abgekürzt TOI, ist von der Auflage her die zweigrößte englische Tageszeitung der Welt, mit mehr als vier Millionen verkauften Exemplaren täglich und mehr als 13 Millionen Lesern, sie gilt als konservativ und „große alte Lady“ des indischen Journalismus (Quelle: u.a. Wikipedia). Für Spiegel, SZ, FAZ taz und die Öffentlich-Rechtlichen müsste die Aussage von Grynkewich eigentlich DIE Top-Nachricht dieser Tage sein, denn es ist doch hier Deutschland, das hier zusammen mit den NATO-Ländern Europas angeblich von Russland bedroht ist – oder eben doch nicht bedroht ist.

Die Kriegstreiber in Europa werden Grynchewich nun einen langen Arm von Putin nennen und den Verdacht schüren, er sei von Russland bestochen. Das wäre das Übliche bei uns in Deutschland und Europa. Denn wenn die Angst vor Russland sich als irrational herausstellt, wer glaubt dann noch der Regierung, und den Medien und will Aktien von Militärunternehmen kaufen?

Danke, Grynkewich, für den Mut, den Elefanten im Raum zu benennen und das Offensichtliche auszusprechen. Auch wenn diese Wahrheit den Politikern und Militärs, denen du deine Karriere zu verdanken hast, nicht gefällt.