Womit verbringen wir unser Leben? Was machen wir eigentlich so den ganzen Tag lang? Geld verdienen, Kinder versorgen, Einkaufen gehen, Haushalt. Zwischendurch mal eben die wichtigsten Nachrichten abchecken – politische (oje, ich will’s gar nicht wissen) – und private (wer wann was mit wem gemacht hat). 

Am Handy scrollen viele Stunden lang – 10 h pro Tag verbringt ein Deutscher durchschnittlich online. Oft noch abends im Bett; man will ja nichts verpassen. Dann einschlafen mit dem Gefühl: Was hab ich heute eigentlich geschafft? Bin nicht so richtig zu irgendwas gekommen, und schon war der Tag vorbei.

Wann beginnt das Leben?

Wann geht es endlich los mit dem realen Leben? Wenn wir erwachsen sind. Wenn die Kinder ausm Haus sind. Oder erst im Rentenalter? Die Frage nach dem Sinn des Lebens – nach dem: Was soll ich hier eigentlich? – taucht oft erst dann in aller Wucht auf, wenn die Kräfte nachlassen. Nun sind die Optionen, was jetzt noch möglich ist, eingeschränkt. 

Wer hat uns nur die Jahre davor die Zeit gestohlen? So viele Stunden verbringen wir am Schreibtisch mit Erledigungen diverser Art, die entweder überflüssig sind, kaum relevant oder deren Erledigung von den Behörden auf ein Fünftel der Zeit reduziert werden könnten. 

Werbung für Unnötiges

Und dann auch noch die Werbung! An so vielen Orten werden wir mit Werbung belästigt für Produkte, die wir gar nicht brauchen. Sie stehlen uns Lebenszeit. Zuerst lenkt uns das Angebot von dem ab, was uns wirklich wichtig ist im Leben. Wenn wir dann gekauft haben, was wir gar nicht brauchen, stiehlt uns die Beschäftigung mit dem ‚Produkt’ (das ja ‚produziert‘ werden muss) weitere Zeit. Schließlich müssen wir es auch noch entsorgen. Das ist manchmal gar nicht so leicht, der Wertstoffhof nimmt ja nicht alles, manches muss in den Restmüll, und der kostet was, oder sogar zum Sondermüll. 

Wachstum der Wirtschaft

Zwischendurch belästigen uns zudem die politischen Nachrichten mit der Forderung, die heimische Wirtschaft müsse dringend wieder wachsen, auch der Umsatz der Konsumgüter. Alarm! Wenn die Wirtschaft unter die 3% Marke Zuwachs pro Jahr fällt, sinkt unser Wohlstand, sagen die »Wirtschaftsweisen«, eine diese Institutionen kollektiver Dummheit. Minimalismus? Ist nur was für Außenseiter. Verzicht? Man wird das Leben doch wohl noch genießen dürfen!

Schmerzensgeld für das Ertragene

Leider vertritt keine einzige der aktuellen Parteien in Deutschland das Gesundschrumpfen der Wirtschaft auf das, was wir wirklich brauchen. Wachsen sollte besser das ‚Glücksprodukt‘ als der nominelle Umsatz der Wirtschaft, die ja sowohl die Natur zerstört, wie als Stressfaktor die Psyche der darin Arbeitenden, die dabei nur selten im Flow sind, viel häufiger sind sie nahe dem Burnout, mit einem Gehalt, das sie als Schmerzensgeld empfinden. 

Das Numinose

»Oh, mein Gott, wie soll ich das ertragen?« ist trotz der wenig erbaulichen gesellschaftlicher Zustände noch kein Ausdruck tiefer Religiosität. Die ist in unserer Zeit, jedenfalls in Deutschland, kaum mehr anzutreffen. »Oh mein Gott« stöhnen wir allenfalls noch im Orgasmus oder in sonst einem berauschten Zustand. Der Bezug zum Numinosen geht verloren, weil wir mit den alten Religionen offenbar auch deren Essenz entsorgt haben. 

Gott erfahren

Mein Versuch, dem etwas entgegen zu setzen, trifft bisher noch nicht auf große Resonanz. Wo seid ihr, die das auch versuchen? Ohne Gott, ohne das Numinose, Unaussprechliche, empfände ich mein Leben als sinnlos. Bald spreche ich im Gemeindehaus vor unserer großen alten Kirche über meinen mystischen Alltag und darüber, wie wir jederzeit Gott erfahren können. Nicht nur im Gebet, in der Meditation, in der Ekstase, Eucharistie oder im Nahtoderlebnis.