Zu diesem Ein-Tages-Kurs am 31. Januar im Bildungs- und Gesundheitszentrum des Grevener Krankenhauses kamen sechs Frauen zwischen 60 und 85. Die Älteste wurde noch im Zweiten Weltkrieg geboren, erlitt die Not der frühen Jahre der Bundesrepublik und dann den Aufstieg des »Wirtschaftswunders«.

Warum kamen nur Frauen? Männer beschäftigen sich weniger mit spirituellen Themen und sie verdrängen das Älterwerden leichter, sagten die Frauen. Eine betonte, wie sehr Frauen ab 50 »unsichtbar« würden. Junge Frauen fallen durch ihre Schönheit auf und werden nach Schönheit beurteilt; in dem Maße wie sie älter werden, fallen sie weniger auf, man übersieht sie, während für Männer mehr der gesellschaftliche Status zählt, das ist eine oft gehört Klage. 

Hier im Seminar fiel uns allen der Fokus aufs Altern leicht. Das Thema stand ja schon in der Seminarbeschreibung, wie hätten wir es da verdrängen können – und durch das »humorvoll« war der Rahmen gesetzt, das Beste draus zu machen. Dass das Altern etwas Tragisches hat, eh klar. Wir aber wollten auf eine andere Art drauf schauen, durch die Tragik hindurch, auf das dort hindurch scheinende stille Glück.

Der Kurs war nicht nur für Menschen ab 60 gedacht. Das Altern beginnt ja schon mit der Geburt, und es endet nie. Vielmehr ging es uns hier um die Vergänglichkeit. »Eh du dies nicht hast, dieses Stirb und werde, bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde«, so hat Goethe es einst formuliert. Wir sind Werdende, Alternde, Entstehende und Vergehende. Das ist die conditio humana, die menschliche Bedingung, in die wir mit der Geburt hinein geworfen werden. 

Am frühen Nachmittag kam kurz der Wunsch auf, »jetzt was Leichtes« zu machen, »was zum Lachen«. Ich antwortete, dass bei mir der Weg von hinten durch die Brust ins Auge zur Leichtigkeit führe: Das Schwere betrachten wir so lange, bis es leicht wird. Die Tragik des menschlichen Lebens und des älter Werdens schauen wir uns so lange an, bis sich die Komik darin zeigt. Denn nach Karl Valentin hat alles drei Seiten: eine gute, eine schlechte – und eine komische.

Oder wie die Sufis es fordern, die Mystiker im islamischen Kulturraum: Stirb, bevor du stirbst! Wirf dein Ego ab, bevor der Sensenmann es holt oder langes Leid dir die letzten Monate, manchmal Jahre, noch zur Hölle macht. Glücklich sein, die Lebendigkeit genießen, die Beweglichkeit von Geist und Körper, so lange sie da ist, dann wird uns der Abschied leichter fallen – er kommt doch sowieso, wir wissen nur noch nicht wann.