Was ist wesentlich? Worauf kommt es wirklich an? Das frage ich mich, seit ich denken kann, heute umso mehr in diesen wilden Zeiten der Corona-Krise. Meine aktuelle Antwort darauf ist: Wir müssen Fakt und Fiktion unterscheiden lernen, und dabei meine ich nicht eine Imitation der Faktenchecker, die überall hervorsprießen, so löblich ihre Arbeit auch ist. Und auch nicht die Klamotte »Alles ist Illusion« – für Spiris: »Ist doch alles Maya« – hilft mir dabei nicht. Die ist nur ein billiges Passepartout, das kein einziges ethisches oder politisches Problem löst.

Fiktiv sind nicht nur alle Gestalten unserer Literaturen und Künste, Mythen und Fantasien, sondern auch unsere sozialen Ich- und Wir-Identitäten. Faktisch wahr ist, dass sich das Kontinuum dessen, was tatsächlich der Fall ist, durch Sprache kaum wiedergeben lässt. Wir teilen das Kontinuum unserer Erfahrung in Stücke und bekleben diese Stücke mit sprachlichen Etiketten – »dies ist ein Baum« und »hier bin ich« – die wir dann narrativ miteinander verknüpfen. Diese Narrative sind die Basis aller unserer sozialen Einheiten, all der Ichs, Wirs, Institutionen und Kulturen. Sie sind so fiktiv wie die bunt gefärbten Länder auf einer Weltkarte – Deutschland ist in Wirklichkeit ja nicht blau oder grün – aber faktisch höchst wirksam. Wir wissen um die Freiheit sie gestalten zu können jedoch erst, wenn wir ihre Fiktivität erkannt haben, und erst dann verteidigen wir nicht mehr Fiktionen mit Argumenten, die nur für Faktenchecks geeignet sind. 

Zu Corona diesmal nur das: Vom Beginn einer Skepsis, auf heise.de. Der Artikel fasst die aktuelle Diskussion zusammen, beschreibt, inwieweit sie die Gesellschaft spaltet und mahnt immer wieder »die Datenbasis« an. Ja, die Datenbasis, die ist riesig. Je nachdem, was für Statistiken auch aufgrund valider Fakten jemand aus dieser schier endlosen Basis heraus auswählt und dann in Bezug zu anderen Daten setzt, entsteht ein uns ‚bezaubernder‘, uns überzeugender Narrativ, und dieser Narrativ ist, was uns bewegt und handeln lässt. Nicht Fakten bewegen und motivieren uns, sondern die daraus Kraft unserer kreativen Phantasie gezauberten Narrative, welche die Fakten zu erklären beanspruchen. Was uns ticken lässt, sind Fiktionen.

Buddha verständlich machen

Das ist mir zu schwierig, werden nun vielleicht einige sagen, oder, das musst du genauer erklären. Mag sein. Es ist aber jedem Meditierer klar, dass das, was sich sagen lässt, nicht das ist, was der Fall ist. Außerdem bin ich überzeugt, dass die Fähigkeit zum Ausstieg aus der personalen Identität und dem Einstieg in den Raum der grenzenlosen Empathie die Lösung ist für das Beenden des Leidens, was ja schon der Anspruch von Buddhas Lehre war. Seine Lehre muss aber für unsere Zeit adaptiert und verständlich gemacht werden. Einer, der das gut kann, ist der systemische Psychologe Siegfried Essen. Aber auch Charles Eisenstein und Yuval Harari sind in der Hinsicht lesenswert. Auch Eckhart Tolle würde ich gerne empfehlen, aber er verwendet den Begriff des Egos so, als sei das ein zu überwindender Gegner. Dadurch haftet er sich an etwas, das als Ganzes gar nicht überwunden werden sollte und auch kaum überwunden werden kann – wer es dennoch versucht, landet in der Heuchelei oder Psychiatrie. Wenn wir das Ich hingegen als Fiktion erkennen, die zudem von so vielem abhängt – sie ist eingebunden, connected – können wir es in dem, was es ist und kann, gut behandeln, liebevoll pflegen und das Licht des grenzenlosen Ganzen hindurch scheinen lassen, ohne uns vor der Unendlichkeit zu ängstigen. Dann (und vielleicht erst dann) wird es keine Kriege mehr geben, und die persönlichen Konflikte, die wir im Nahbereich haben, erscheinen uns nur noch als Theater.

Wettrüsten

A propos Kriege – an diesem Punkt bin ich in meiner politischen Haltung unflexibel und sage seit je: Die Kriege müssen aufhören! Alle. Das Militär muss abgeschafft werden, weltweit. Der Handel mit Waffen gehört verboten. Das Stockholmer Friedensforschungsinstut macht in der Hinsicht seit 1966 gute Arbeit und veröffentlicht jedes Jahr u.a. die Zahlen über die Militärausgaben in der Welt. Sie sind von 2018 zu 2019 um 3,6% angestiegen auf 1.917 Milliarden. Das ist der größte Anstieg in einem Jahrzehnt. Haben wir denn sonst keine Probleme als die Nationen gegeneinander aufzurüsten? Während Corona gezeigt hat, dass die Gesundheitssysteme kaputtgespart wurden und weltweit noch immer jeder neunte Mensch hungert.

Die persönliche Erlösung

Seit vielen Jahren schreibe ich in diesem Blog auch über tantrische Themen. Die nur politisch-ökologisch Interessierten mag das befremden, aber ich bleibe dabei: Tantra ist politisch höchst relevant, und die Befreiung von persönlichen Einschränkungen, z.B. in der Empathie-Fähigkeit, liegt immer auch im Bereich von Liebe, Sexualität und der Beziehung zur Herkunftsfamilie. Speziell die Beziehung zu unserer Mutter (manchmal ist es nicht die leibliche Mutter) hat enorme Wirkung auf unsere späteren Beziehungen und unseren beruflichen Werdegang, wie Regina Heckert in ihren drei gratis Online-Kursen so dicht und aufs Wesentliche fokussiert beschreibt: 

1. Warum die Partnerwahl kein Zufall ist. 

2. Wie finde ich einen Partner?

3. Wie werde ich beruflich erfolgreich?

Alles das hat mit der Mutterbeziehung zu tun. Das sagt die Mehrheit der Therapeuten nun schon seit ein paar Generationen (nach Freud), aber wie heilt man diese Beziehung? Da wird die Luft schon dünner, man will ja nicht zwölf Jahre auf der Couch liegen, um dann nur »mit dem Problem umgehen zu können« anstatt es gelöst zu haben.

Ich bin nach meiner Connection-Verlagszeit, die 2015 zu Ende ging, von Regina in ihr Team geholt worden, als Gastdozent mit meinen eigenen kleinen Seminaren, aber auch als Co-Therapeut. Ich habe dabei auch drei Mal selbst das Mutterritual mitgemacht, das für mich trotz meiner reichlichen therapeutischen Erfahrung (Urschrei, Bonding, Rebirthing, Bioenergetik, Yoga, Tantra u.a.) und vielen systemischen Aufstellungen immer noch überwältigend stark war, einsichtsvoll und erlösend.

Im BeFree Jahresablauf gibt es das Mutterritual traditionell immer zu Ostern. Das fiel heuer wegen Corona aus. Regina hat deshalb die oben verlinkten Online-Kurse entwickelt und ein darauf aufbauendes Online-Mutterritual kreiert, in drei Varianten. Wir alle hätten es lieber offline, body to body, eh klar. Aber da es um die Lösung von einer einschränkenden Bindung geht, verbunden mit der Anerkennung an unsere Mutter, dass sie uns das Leben geschenkt hat, geht es auch online, denn es ist ein geistiger Akt, der da zu vollziehen ist, ein Akt der Einsicht und Demut. Regina bietet das Ritual in drei Varianten an: Light, Standard und Premium, für 59 €, 199 € und 479 €, so dass du dir aussuchen kannst, was für dich richtig ist. Diese Preise gelten bei Anmeldung bis 15. Mai, danach sind sie deutlich teurer.

(Übrigens bekomme ich für diese Empfehlung, und das gilt auch für alle sonstigen Links und Empfehlungen, die ich in diesem Blog gebe und gegeben habe, keine Provision.)

Veranstaltungen mit mir  

Einige meiner Seminare sind wegen Corona ausgefallen, andere wurden verschoben. Hier ist der aktuelle Stand, der sich wegen der Pandemie noch ändern kann.

• Anlässlich des Erleuchtungskongresses von Ludmilla und Roland im März in Berlin haben die beiden mich zur Praxis des Erwachens befragt. Der Online-Kongress zu diesem Thema findet im Mai statt. Wer sich dort anmeldet, findet dort das ganze Interview mit mir.

• Das Pfingst-Seminar von BeFree, vom 28.5. bis 1.6., ist bislang noch angekündigt. Wir hoffen, dass es stattfinden kann. Auf www.befree-tantra.de findet ihr jedoch auch Online-Seminare und viele nützliche Infos über Tantra.

• Ob das Event Himmel auf Erden wird stattfinden können, vom 5. bis 7. Juli im Gästehaus Schwanenwerder am Berliner Wannsee, ist noch nicht sicher. Wenn, dann nur unter Einhaltung strenger Richtlinien. Mehr zu diesem Even in diesem Blogeintrag (von vor Corona-Zeiten) von mir.

• Den für Anfang Mai geplanten Orgasmus-Workshop mit Stefanie Rinke und mir haben wir auf 7./8. November verschieben müssen. Standort: Berlin-Schöneberg, Preis: 135 € / 160 €. 

• Den nächsten öffentlichen Humorworkshop mit mir gibt es in der Academy of Stage Arts am WE 21.-23. August. 

• Am WE 18.-20. September findet der Workshop Beziehungsweise – wie Beziehung gelingt von Pea Krämer und mir in der Nature Community bei Schönsee in der Oberpfalz statt. Von Fr 20 h bis So 15 h. Für Singles kostet er 180-220 €, für Paare 300-400 € ,beides nach Selbsteinschätzung und zzgl.U/Verpfl.

Wahrscheinlich gibt es im Mai noch einen weiteren Rundbrief von mir.

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