Am liebsten würde ich über Zensur sprechen. Nein, nicht über die Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Namen der Meinungsfreizeit, auch nicht über die Unterdrückung der Presse- und Wissenschaftsfreiheit. Das ist Old-School-Zensur im Vorfeld von Autoritarismus und Totalitarismus. Ich spreche von der Schere im Kopf, die mir nahelegt, doch lieber nicht über „Zensur“ zu sprechen, weil die doch gar nicht stattfinde; wir hätten doch dafür keine offiziellen Stellen mehr wie die „Abteilung Agitation beim Zentralkomitee der SED“, die Stasi oder die „Hauptverwaltung für den Schutz von Staatsgeheimnissen in der Presse der UdSSR“.  

Stimmt auffallend. Auch Goebbels‘ „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ wurde abgeschafft. Also alles gut.

Alles gut?

Natürlich. Wir haben den Artikel 5 im Grundgesetz. Den muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Einfach klasse!

Wer da was dagegen hat, hat sie nicht mehr alle. Drum steh ich ja geradezu radikal (voll radikal ist nämlich verboten) auf dem Boden der FDGO (wer die Abkürzung nicht kennt: freiheitlich demokratische Grundordnung). Und ich verbiete mir, das anders zu sehen.

Was anders?

Na ja, dass das vielleicht irgendwann mal ernst gemeint war, so kurz nach dem Krieg und Goebbels. Aber heute ist der Typ doch tot, da brauchen wir so was nicht mehr. Wir haben auch keine Konzentrationslager in Deutschland wie in der guten alten Zeit. Also alles gut. Eine Zensur findet nicht statt. Es wird doch keiner gleich umgebracht, weil er was gegen Kriegsminister und so einzuwenden hat. Mal ehrlich.

Worüber wollte ich hier eigentlich reden? Ich weiß es nicht mehr. Du vielleicht?

[Foto: Image by jacqueline macou, Pixabay]