Ich bin derzeit noch, wie jeden Winter, auf einer spanischen Insel. Wie es mir mit dem Hausarrest geht, habe in einem eigenen Blogeintrag untergebracht. In einem anderen steht, was eine Freundin mir zu Corona und die Angst vor dem Tod geschrieben hat.

Natürlich beschäftigt mich auch die Lage der Menschen um mich herum. Inzwischen ist circa ein Drittel der Weltbevölkerung im Lockdown. Soeben ist mit Boris Johnson der erste Regierungschef corona-positiv getestet worden, und die Angst geht um, die Pandemie könne sich in Richtung einer Fatalität wie die der Spanischen Grippe von 1918/19 entwickeln.

Sicherlich seid ihr alle schon überfüttert von Corona-Nachrichten. Weil mich so viele hierzu befragen, sage ich trotzdem etwas dazu, aber nur kurz. Wie bei so vielem steht meine Überzeugung auch diesmal überwiegend auf der Seite der Naturwissenschaft und sogar der sogenannten Schulmedizin recht nahe, hierzulande verkörpert v.a. von dem Virologen Dorsten von der Berliner Charité. Auch ich meide den körperlichen Kontakt mit Menschen, die nicht zu meinem intimsten Kreis gehören und rate das auch jedem anderen. 

Es gibt jedoch auch Gegenmeinungen hierzu. Sogar die vielleicht angesehenste medizinische Zeitschrift der ‚Schulmedizin’, das NEJM (New England Journal of Medicine) schrieb am 26. März (also vorgestern) in einem Editorial, das »die gesamten klinischen Konsequenzen von Covid-19 vielleicht am Ende denen einer ernsthaften saisonalen Grippe (mit einer Letalitätsrate von ungefähr 0,1%)« ähnlicher seien als Krankheiten wie SARS oder MERS, die eine viel höhere Letalität aufweisen. Unter der Überschrift »Navigating the Uncharted« (Navigieren im Unerforschten). Sie geben also immerhin zu, dass sie noch nicht viel wissen. Einer der Autoren dieses Artikels ist übrigens Fauci, der führende Immunologe der USA, der oft dafür gelobt wird, auch mal Trump zu widersprechen. 

Auch die Wissenschaft folgt Narrativen

Die Pandemie hat unübersehbar auch einen hysterischen Anteil. Den sollten wir vermeiden. Es freut mich, dass »die Wissenschaft« gegenüber Verschwörungstheorien und esoterischen Hokuspokus durch die Corona-Krise gerade im Aufwind ist – wer weiß, wie lange noch. Was mich daran besorgt, ist allerdings der Glaube vieler dieser Wissenschaftler, dass es zu ihrer Sicht gar keine Alternative gäbe. Jeder Mainstream ist immer auch eine massenhypnotische Veranstaltung, gesteuert von den jeweils gerade geltenden Narrativen. Das gilt auch für den wissenschaftlichen Mainstream, der ebenfalls Narrative gestaltet und Narrativen folgt – und auch Statistiken sind Narrative, die man so oder so gestalten kann, da gibt es große Freiheitsräume für kreative Geister, ohne dass man lügen müsste. Wir sollten nie zu einer Schafherde von brav folgenden Gläubigen werden, die Abweichler verachten und ausgrenzen. Obrikeitsdenken tut der Demokratie nicht gut, und unserer Gesundheit und der Wissenschaft auch nicht.

Innovation kommt immer erstmal von den Rändern des Mainstreams. Dort passiert das  Neue, Überraschende, nicht in der Mitte, im Konsens der Massen, der ja der kleinste gemeinsame Nenner ist, auf den sich die Parteien jeweils haben einigen können. Unsere Gesellschaft und Wirtschaftsordnung braucht eine grundlegende Erneuerung. Ohne eine radikale Neuausrichtung steuert sie auf einen Suizid zu, den Ökozid. Das ist oft genug gesagt worden, auch von den Verantwortlichen im Cockpit der Titanic des Raumschiffs Erde selbst. 

»Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch« schrieb einst Hölderlin. Inwiefern die Corona-Krise die Gefahr ist, die für uns Passagiere auf dem Raumschiff Erde als Rettungsschock geeignet ist, darüber schreibt der Kommunikationswissenschaftler Bernhard Pörksen (einige von euch kennen ihn aus der Connection) im aktuellen SPIEGEL.

Wer solche Vergleiche mag, könnte sagen: Das eigentliche Virus ist nicht das Corona-Virus, sondern der Mensch, wie Darinka Montico das hier in diesem 3,5 min Film – auf Italienisch mit deutschen Untertiteln – sehr überzeugend interpretiert. Gaia wehrt sich mit Covid 19 gegen ihren Parasiten Homo sapiens. 

In dieselbe Richtung weist auch ein Artikel der Vierteljahresschrift Cosmos, die zur Zeit im Web frei zugänglich ist: What, if the Virus is the Medicine?

Die Zukunft

Aber lasst uns positiv bleiben, die Hoffnung stirbt zuletzt. Insofern gefällt mir Matthias Horx’s Zukunfsszenario »Die Welt nach Corona« sehr gut. Das macht Mut und Lust, etwas dazu beizutragen, dass wir die Wende schaffen. Die Gefahr, dass wir nach der Krise in ein »alles wie bisher« zurückfallen und damit auf das Ende der Zivilisation des Homo sapiens zusteuern, ist allerdings sehr groß.

Wer sich generell für eine realistische Risikoeinschätzung interessiert, findet hierüber etwas in der Schweizer NZZ – der Kommentar ist vom 12.3. ist auch heute noch vom Prinzip her aktuell. Ebenfalls in der NZZ findet man die Einschätzung des israelischen Historikers Yuval Harari zur Lage, eine kluge Analyse, die sowohl die Gefahren nennt, wie auch die Chancen.

Kann es weitere Pandemien geben wie die jetzige mit Covid-19? Ja, denn solche Zoonosen werden durch die fortschreitende Naturvernichtung und Diversitätsreduktion begünstigt, wie inzwischen längst auch die Mainstreammedien zugeben. Auch Spektrum.de schreibt hierüber, und über noch ein anderes, lange unterschätzes Thema: Indigene als Hüter der Vielfalt. Noch weitaus schärfer formuliert es der Evoultionsbiologe Rob Wallace und greift damit den agrarwirtschaftlichen Komplex an als Ursache solcher Pandemien. 

Viele hoffen ja, dass der aktuelle Lockdown die Weltwirtschaft in die so lange erhoffte und notwendige Schrumpfung übergehen lässt. Ach, wäre das schön! Das ist aber unrealistisch, solange nicht eine weltweite politische Bewegung eine Alternative zum jetzigen Finanzkapitalismus entwickelt, progagiert und durch internationale Kooperation weltweit realisierbar macht. So ähnlich wie vor dem Ersten Weltkrieg die sozialistische Internationale, die für die damalige Zeit fortschrittlich war, obwohl die damalige Globalisierung aus heutiger Perspektive recht provinziell aussieht. Der damalige Internationalismus von immerhin den Sozialisten (in ihrer Hymne gibt es ihn ja noch) kippte dann aber im August 1914 in einen begeisterten Nationalismus und hatte den ‚dreißigjährigen Krieg des 20. Jhd.‘ zur Folge.

Nicht zu vergessen: Es wird auch ’nach Corona‘ nicht nur um CO2 gehen. Es gibt neben der Klimakrise auch noch andere Krisen, z.B. eine Plastikkrise. Und es werden weiterhin die Urwälder gerodet zugunsten von Soja für die Fleischindustrie – in Brasilien hat die Entwaldungsrate gegenüber 2019 bisher um 70% zugenommen. 

Einseitigkeit und Einfalt sind gefährlich. Das gilt nicht nur für die biologische Evolution, die sich durch sexuelle Reproduktion vor Einfalt und damit Angreifbarkeit durch Seuchen schützt. Es gilt auch für die landwirtschaftlichen und geistigen Monokulturen, die beide mit unserem Bewusstsein zu tun haben. Weil die Welt so komplex und interconnected ist, nenne ich meinen Blog nach wie vor »connection« und behaupte weiterhin: Die Ökologie ist die Naturwissenschaft, die diese Interconnectedness am besten abbildet, und die systemische Psychologie entspricht dem im Bereich von Geist und Psyche. 

Und damit die Generationen, die nach uns kommen, nicht der Einseitigkeit oder irgendeinem neuen Fundamentalismus verfallen, habe ich mich dem Bildungsprojekt des Bachelor of Being angeschlossen.

Die USA

Dieses Land hat das 20. Jahrhundert dominiert und der Welt viel Gutes gebracht, vor allem in den Bereichen Musik und Wissenschaft. Was die Musik anbelangt, höre ich grad wieder mal Bebop aus den frühen 40er Jahren, dessen spannungsreiche Rhythmen und megaschnellen, erratischen Melodien mir sehr zeitgemäß vorkommen. Z.B. auch das phänomenale Jazz at Massey Hall Konzert. Wow, geil!

Auch die elitäre Wissenschaft dieses famosen Landes hat mich seit je fasziniert: weltweit führend, das schon, das ist sie. Auf der anderen Seite aber stehen die Bigotterie und der Fundamentalismus des ’normalen Amerika‘. Einen Ken Wilber trifft man dort nur selten.

Anfang des 21. Jahrhundert hat der deutsche Satiriker Georg Schramm dieses innerlich so gespaltene Land »Kapitalismus im Endstadium« genannt. Der Kurzfilm This is now america lässt in die psychischen Abgründe dieses noch immer mächtigen Landes blicken als Abfolge apokalyptischer Bilder aus dem Unterbewussten. Wer noch mehr Apokalypse sehen will, mag sich Steven Soderbergh Film Contagion anschauen, der heute als eine hellsichtige Vorwegname der aktuellen Corona-Pandemie erscheint und nun über Netflix massenweise gestreamt wird.

Positiv betrachet …

kann man sich jedoch auch mit anderem beschäftigen. Zum Beispiel mit der Zusammenfassung unserer menschlichen Kondition als Wesen zwischen Himmel und Erde, Grenzenlosigkeit und Begrenztheit, Ich und Selbst, wie sie der Theologe und Hellinger-Schüler Siegfried Essen entwickelt hat – und nicht nur er, ich greife jetzt nur mal ihn heraus, zur Erholung, nach all dem anderen Zeugs. Seine Methode tritt bescheiden auf, wirkt aber mächtig und ist genial einfach. Im Prinzip ist es Selbstliebe als Lebenskunst. Hab’s ausprobiert! Es ist so entwaffnend einfach und wirksam und erspart einem so viel anderes.

Wo ist mein Verstand?

Jahrzehnte von Advaitis und Sannyasins haben »Nothing to loose but your mind« gepredigt und damit leider viele kopflose, dem Irrationalen hingegebene Menschen hinterlassen. Man kann es auch einfacher haben, behaupte ich, mit einer Frage, bei der man einfach bleibt, ohne nach einer Antwort zu suchen. Kopflos sind wir doch schon oft genug im alltäglichen Leben. 

»Where is my mind?« fragen sich die Freundinnen Lior Shoov und Anne Kämpf bei ihrer fröhlichen Straßenmusik ganz vergnügt und entspannt. Diese Fröhlichkeit kann man kultivieren. Festhalten kann man sie nicht – so schnell, wie sie gekommen ist, vergeht sie leider oft. Aber dann kommt sie wieder, wenn man dafür offen ist und keine Angst hat, den Kopf zu verlieren und sich dem Strom des Lebens hinzugeben.

So wie auch das Lied Je veux von Zaz es zeigt. Bald können wir hoffentlich wieder auf den Straßen tanzen wie Zaz, Lior und Anne. Hier der Text zu dem Lied von Zaz auf Französisch und Deutsch – lohnt sich! Manchmal lohnt sich eben auch das Verstehen. 

Und nicht nur die Lebensfreude von Lior Shoov, Anne Kämpf und Zaz ist ansteckend, sondern auch diese Epidemie, die seit ein paar tausend Jahren vor allem von Asien ausgeht, hier sehr ansteckend gezeigt von einer ehemaligen Satsang-Lehrerin.

Veranstaltungen mit mir  

• Der Ethiklehrer und Theologe Axel Sumey hat mich zum Ethik- und Religionsunterricht an deutschen Schulen befragt.

• Das Oster-Retreat von BeFree fällt aus. Hier findet ihr die weiteren BeFree Termine und Online-Angebote. Bei den Seminaren an Pfingsten, Anfang Oktober und an Silvester auf Gut Frohberg bin ich mit dabei, ebenso beim Sommertreff in Tirol und im September in der Nature Community – falls die Corona-Epidemie uns die »Treffen offline« dann wieder erlaubt.

• Der Orgasmus-Workshop mit Stefanie Rinke in Berlin im April ist wegen Corona auf 7./8. November verschoben worden. Ort: Berlin Schöneberg. Preis: 135 € / 160 €. 

• 8.-10. Mai gibt es wieder einen Workshop mit mir und Pea Krämer in der Nature Community: »Beziehungsweise – wie Beziehung gelingt«. Von Fr 20 h bis So 15 h. Für Singles 180-220 € nach Selbsteinschätzung, für Paare 300-400 € nach Selbsteinschätzung. zzgl.U/Verpfl.

• Anlässlich des Erleuchtungskongresses von Ludmilla und Roland im März in Berlin bin ich von den beiden zur Praxis des Erwachens befragt worden. Der Online-Kongress zu diesem Thema findet im Mai statt. Wer sich dafür anmeldet, findet dort das ganze Interview mit mir.

• Beim dem Event Himmel auf Erden am 5.-7. Juli im Gästehaus Schwanenwerder am Berliner Wannsee hätte ich eigentlich dabei sein sollen und wollen (es ist wegen einer Terminkollision gescheitert). Mehr dazu in diesem Blogeintrag von mir.

• Einen WE-Humorworkshop mit mir gibt es erst wieder Sommer, und zwar in der Academy of Stage Arts am WE 21.-23. August. 

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