Nun mal ein etwas persönlicherer Post. Persönlich nicht in Bezug auf mich, sondern auf Mark Rutte, der am 1. Oktober im historischen Rathaus der Stadt Münster für die NATO den westfälischen Friedenspreis in Empfang nehmen soll. 

Eine Institution, die Verlässlichkeit schafft

Auf der Seite der diesen Preis verleihenden Institution finde ich als Begründung: »Mit der Auszeichnung des NATO-Bündnisses würdigen wir eine Institution, die in einer Zeit globaler Unsicherheit Verlässlichkeit schafft, Partnerschaft fördert und Frieden durch Stabilität ermöglicht«, sowie »Der Westfälische Frieden steht für Ordnung durch Verständigung und Einbindung. Genau das leistet die NATO im 21. Jahrhundert. Unter der Führung von Mark Rutte zeigt sie, dass militärische Stärke und Friedenssicherung kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig bedingen.«

An der Spitze dieser Institution: Mark Rutte

Dagegen lässt sich leicht dagegen einwenden, dass die NATO aktuell nicht nur mit großem Abstand die mächtigste, teuerste und umweltzerstörendste Organisation ist, die es gibt und je gab, sondern aktuell auch die aggressivste. Das ist faktisch belegbar und für den nicht gehirngewaschenen Verstand leicht nachvollziehbar. Unter den vielen Quellen für diese Behauptung von mir will ich jetzt nur SIPRI nennen, das Stockholmer Institut für Internationale Friedensforschung. Auf einige weitere diesbezügliche Quellen habe ich hier im Blog mehrfach hingewiesen. 

Ich will mich in diesem Blogeintrag stattdessen der Person Mark Rutte zuwenden, wie sie sich in diesem Interview zeigt. Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Büros Brüssel, hat es mit ihm am 2. März 2026 in ihrem Büro geführt. In ihrem Blick scheint mir ein Staunen wahrnehmbar zu sein über die Selbstsicherheit dieses Mannes. Oder ist es Ehrfurcht?

Wenn man Menschen bohnern könnte …

Mich gruselt beim Zusehen. So glatt, so angepasst sieht diese Person aus. »Dieser Rutte ist beinahe schon unheimlich in seiner Selbstgerechtigkeit«, schrieb mir ein Journalistenkollege, »da kann einem übel werden. Wenn man Menschen bohnern könnte, Rutte wäre das ideale Parkett dafür.«

In einem Essay für die Zeitschrift Zeitpunkt schrieb ich kürzlich über die Tragikomik der Politiker auf den Bühnen der Welt. Donald Trump und Wolodymyr Selenskyi treten auf diesen Bühnen als Horrorclowns auf. Die kann man so komisch finden wie Charlie Chaplin mit seiner Hitler-Karikatur Der große Diktator. Für sachkundige Zuschauer sind sie komisch. Für ihre Anhänger sind sie authentische Helden. Für einige sind sie sogar grandiose Retter, ergriffen von heiligem Zorn. 

Softie-Version eines Adolf Eichmann

Mark Rutte richtet ähnlich großen Schaden an wie Trump und Selenskyi. Er ist jedoch eher sowas wie die Softie-Version eines um Korrektheit bemühten Adolf Eichmann, der Hannah Arendt zur Aussage über »die Banalität des Bösen« verleitete.

Rutte ist glatt. Sein Leben lang hat er sich um Korrektheit bemüht. Mit großen Erfolg! Zuerst in seinem Herkunftsland, den Niederlanden. Seit 2024 nun als Chef der NATO. Ein Gewissen scheint er nicht zu haben. An der Stelle, wo andere Menschen ein Gewissen haben, lässt er sich von einem Kompass führen, der ihn zielsicher und just in time auf die Seite der Macht bringt. Nachdem er Trump schon, wie vielfach berichtet, in den Allerunwertesten gekrochen ist, damit die USA doch bitte nicht die NATO verlassen möchten, unterstützt er den Imperator des freien Westens nun auch in seiner Aggression gegen den Iran und rechtfertigt diese, als sei er Trumps Pressesprecher. 

Glatt, selbstgefällig, opportunistisch

Am 1. Oktober wird Friedrich Merz die Laudatio auf Rutte und die NATO halten. Merz, der sich bei Netanyahu schon dafür bedankt hatte, dass Israel ‚für uns‘ die Drecksarbeit mache. 

Würden eines Tages die Verbrechen der NATO vor ein unabhängiges Gericht kommen, würde Rutte sich vermutlich rausreden wollen wie Eichmann: Ich habe doch nur ausgeführt, was mir befohlen wurde! Kein Schuldeingeständnis, keine Reue. Keine Einsicht in die glatte Identität des Opportunisten. Was auch immer der Haager Internationale Gerichtshof ihm als Strafe verpassen würde, Mark Rutte würde es nicht verstehen. 

… und ohne Reue ins Grab

So wie Eichmann, der auch noch 1962, als in Jerusalem zum Tode verurteilter Massenmörder, überzeugt war, für die Herrenrasse das Bestmögliche getan zu haben. Wie konnte es dann nur sein, dass die minderwertige Rasse mit ihrem Mossad es geschafft hatte, ihn gefangen zu nehmen? Vielleicht war er in Argentinien und in dem Sassen-Interview zu übermütig gewesen.

Nur Spötter würden auf Ruttes Grabstein statt eines Helden im Kampf für den freien Westen ein glatt gebohnertes Parkett abbilden. Da Rutte selbst genug Geld hat – er war ja immer bestens angepasst – und zudem keine Kinder hat, an die er etwas vererben könnte, wird er sein Porträt nicht als Marke an einen Bohnerwachs-Hersteller verkaufen wollen. Doch, wer weiß? Am 1. Oktober trifft er ja einen ehemaligen Black-Rock-Manager, der ihn bewundert und ihm die Laudatio hält. Vielleicht gibt dieser ihm hinter den Kulissen diesbezüglich einen gut gemeinten Tipp. 

Bildschirmfoto 2026-08-21 um 08.50.47 Kopie.png

Die Bohnerwachsmarke Poliboy, pflegt wie neu, bald mit neuem Gesicht?