Ich mag dieses Haus. Es steht auf einem Deich, man blickt von hier in die Unendlichkeit des Himmels und die Weite des Meeres bis zum Horizont. Vor unseren Augen ziehen Schiffe vorbei, sie laufen Bremerhafen an oder kommen von dort. So vergessen wir auch im Glück dieses Blicks ins Unendliche den Welthandel nicht, unsere Einbettung in die globale Ökonomie, in die wir in so vieler Hinsicht eingebunden sind, sei es beim Kauf von Früchten aus der Südhalbkugel oder dem Kauf eines Handys, das in China produziert wurde. 

Schwerter zu Pflugscharen

Ein paar mal im Jahr bin ich in diesem »Hotel der Achtsamkeit«. Oliver Scheit, der Autor von Mia, hat das Konzept dieses Hotels erschaffen. Er hatte es Bodo Jansen angeboten, dem Inhaber der Upstalsboom Hotelkette. Der hat es 2020 verwirklich durch den Umbau des »Hotel Deichgraf« auf dem Deich in Wremen. Es ist eine Fusion aus Kloster und Hotel. Seine physische Grundlage ist ein Bunker, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von Kriegsgefangenen erbaut wurde, vermutlich unter Umständen, die man sich lieber nicht vorstellen möchte. Auf dem Bunker sollten Kanonen stehen, um die Hafeneinfahrt zu schützen vor den herannahenden Feinden – oder doch eher Befreiern? –, kurz vor der Kapitulation des Dritten Reichs. 

Heute steht dort ein Haus, in dem Menschen ihren inneren Frieden finden, die Voraussetzung für äußeren Frieden. Schwerter zu Pflugscharen, diese noble Losung der einstigen Friedensbewegung sollte heute vielleicht heißen: Schuldzuweisungen zu Verständnisangeboten. Das wäre ein Weg zur Deeskalation der Konflikte, zu Selbstfindung, Weisheit und einer noch zu erschaffenden neuen Liebeskultur.

Ekstase der Selbstwahrnehmung

An diesem schönen und zugleich geschichtsträchtigen Ort biete ich alle paar Monate ein Wochenende zur Reorientierung an einen Wendepunkt im Leben an. Das nächste solche wird vom 14.-16. August sein. Da wird man vom Hotel aus vermutlich auf die Windsurfer blicken (die übrigens auch im Winter kommen) – Wremen ist ein Eldorado für Windsurfer. Noch mehr vertiefend wäre mein Schweigeseminar vom 21. bis 26. April. Dort lassen wir uns fünf Tage Zeit für das Ankommen bei uns selbst. Unterbrochen von Gesprächsrunden mit Anleitung zur Vertiefung der Meditation und dem Austausch über das Erlebte unter uns ‚Mitreisenden‘. Ungefähr ein halbes Jahrhundert nach meiner ersten Vipassana Erfahrung in einem burmesisch geführten Kloster in Thailand ist dieses Retreat im Upleven nun eine Art Rückkehr zu meinen Wurzeln, denn damals begann für mich 23-jährigen Backpacker in Asien die lebenslang währende Liebe zur Stille und Ekstase der Selbstwahrnehmung. 

Im Bann alter Routinen

Kann man das nicht auch zu Hause machen? Ja, wenn man denn kann. Oder wenn man die Fähigkeit hat, sich einen solchen Ort zuhause zu erschaffen, in einem passenden Raum mit ebenso motivierten Mitreisenden. Viel leichter aber ist es an einem Ort wie dem Upleven, zusammen mit Menschen, die dasselbe wollen und in der Zeit ihre Handys nicht anrühren, um sich ganz der Einkehr zu widmen, ihren tiefsten Sehnsüchten, dem Ankommen im Zeitlosen, dem Sinn ihres Lebens, welcher auch immer das im Einzelfall ist. Die dort gemachte Erfahrung kann dann in eine Meditationspraxis zuhause umgesetzt werden, wo sonst allzu leicht alte Routinen die Oberhand gewinnen. Je nachdem auch in eine neue berufliche, künstlerische, familiäre, partnerschaftliche oder sonstwie soziale Orientierung.

Eine Oase im Münsterland

Das Projekt Upleven hat mich so fasziniert, dass ich seit 2024 versuche, solch einen Ort für Auszeiten auch bei mir in Greven anzubieten. Ich hatte mir dafür eine Jurte gekauft, die ich nun leider verkaufen muss, weil sie von unserem örtlichen Bauamt nicht genehmigt wurde. Trotzdem entwickelt sich bei uns in Greven ein Ort für Auszeiten, mit Gästeunterbringung, Sauna und Meditationsraum, auf einem Preisniveau, das auch für Menschen erschwinglich ist, die sich eine Auszeit im Upleven nicht leisten können. Wen das interessiert,  sei es als Mitgestalter dieses Projektes, sei es für eine Auszeit dort, schreibe mich bitte persönlich an.