12. Februar 2018
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Rubriken: Rundbriefe
15 Kommentare
Das Cover der Erstausgabe von "Der stumme Frühling"

Wo bleibt die »Grüne Internationale«? – Rundbrief Nr. 164

»Ökoaktivisten aller Länder vereinigt euch!«—Wolf

Kürzlich sprach ich mit einem Wähler und Unterstützer der Grünen darüber, warum die Ökobewegung keine Internationale gegründet hat, so wie die Sozialisten im 19. Jahrhundert. Aus der internationalen Ausrichtung und Organisation der Sozialisten wurde dann sogar »Die Internationale«, das weltweit am weitestens verbreitete Kampflied einer politischen Bewegung.

Die Sozialisten sind aber dann im August 1914 eingeknickt, als die Regierungen der europäischen Nationalstaaten die Männer dazu aufriefen sich als Kanonenfutter und für die Schützengräben zur Verfügung zu stellen, woraufhin sie jubelnd in den Krieg zogen. Die Umweltbewegung braucht heute mindestens so sehr eine Internationale wie die Sozialisten damals: Ökoaktivisten aller Länder vereinigt euch! Und die spirituell Bewegten ebenso. Es gibt doch heute kaum ein Umweltproblem mehr, das national gelöst werden könnte – die AKW-Gefahr nicht, die Überfischung und Verseuchung der Meere nicht, das Klima nicht, die Verwüstung nicht und auch die Verhinderung von Geburtenkontrolle nicht, mit den Folgen von Übervölkerung und unkontrollierter Migration aus Verzweiflung. Warum gibt es keine Grüne Internationale?

Wir dürfen nicht einknicken

Auch in meiner sozialen Umgebung sehe ich viele Zyniker, Depressive und Rationalisierer. Gelegentlich auch Aktivisten, die meisten sind jedoch nur für ein begrenztes Ziel tätig, wie Tierschutz, Öko-Landwirtschaft, Grundeinkommen, Migrantenschutz oder die Frauenbewegung. Manchmal erwischt die Mutlosigkeit auch mich, aber dann fang ich mich wieder auf und gelobe, nicht so zu enden wie Tucholsky in Schweden (»Gegen einen Ozean pfeift man nicht an«). 

Wir dürfen nicht einknicken. Wir haben noch eine Chance! Und wir dürfen auch nicht so tun, als sei es egal, ob wir urlaubsweise nach Bali und Hawaii fliegen, Fleisch essen, Plastiktüten verwenden und unseren Müll »wie alle anderen« hinauswerfen. Wir müssen auch Vorbild sein. Das ist gut für den individuellen Seelenfrieden, für »das Ganze« sowieso. Wir dürfen die Umwelt- und Innenweltzerstörung nicht verdrängen, sondern müssen sie fühlen, um ihr nicht zu erliegen, worauf Joanna Macy und die Tiefenökologie immer wieder hingewiesen haben. Wir dürfen uns nicht nur mit Personen beschäftigen, wie Donald Trump und den anderen Figuren des Polittheaters, sondern müssen auch auf die dahinter wirkenden Kräfte schauen.

Meine Art der Aktivität ist das Schreiben, gelegentlich auch das Begleiten anderer bei ihren Büchern. Außerdem kabarettistische Auftritte und Humorworkshops, auf denen ich schonungslos alles durch den heiligen Kakao ziehe. Wobei ich gleich auch mal Chin Meyer erwähnen möchte, dessen Rundbriefe mich begeistern, leider habe ich ihn noch nie live erlebt. Ich werde auch die Themen Ernährung, körperliche Gesundheit und Sexualität nicht beseite lassen, schreibe darüber in diesem Blog und begleite weiterhin die BeFree Seminare von Regina Heckert durch u.a. meine Leela-Workshops und (neu) die AnuKan-Massage-Ausbildung von Kati Laux mit Selbsterfahrungs- und Kommunikations-Workshops (mehr dazu demnächst). 

Das Gefühl, mit dem Rest der Welt verbunden zu sein und dort auch schlimme Tendenzen mitzufühlen hindert mich nicht daran, ein in vieler Hinsicht angenehmes Leben zu haben, so wie etwa jetzt, da es mir vergönnt ist zwei Wintermonate auf La Palma verbringen zu dürfen. Das Haus in Puerto Tazacorte, in dem ich dort zur Zeit wohne, seht ihr im folgenden Bild links unten – das dunkelrote Gebäude gleich oberhalb der Bananenplantage.

Links

Kürzlich habe ich in meiner Blog über die Fiktionen ich, du, wir geschrieben und dabei einige Kommentare erzeugt. 

In meinem Flüchtingsblog habe ich über das Monster Bürokratie geschrieben, das so viele plagt, nicht nur Flüchtlingshelfer.

Auch über die MeToo-Bewegung habe ich geschrieben, hier und in der Osho Times, und einen Text vom Herausgeber des Pappelblattes veröffentlicht und einen über Tantra als Tor zur Erfahrung der Transpersonalität.  

Sind das zu viele Links auf einmal? Ihr braucht ja nur die anzuklicken, die euch interessieren. 

Jetzt noch zwei Links für die politisch Interessierten. Eines über die Folgsamkeit ganz normaler Muslime (die nicht viel anders ist als die der Nicht-Muslime), wenn ein Redner heilig tut und das Blaue vom Himmel runterpredigt. Und hier eines für Klimaskeptiker, von Wissenschaftlern, die – endlich – die Abkehr vom ökonomischen Wachstum empfehlen. 

Und noch etwas für Naturliebhaber. Mit Karl-Ernst Kaissling, einem engen Kollegen meines verstorbenen Vaters, der in der biologischen Grundlagenforschung tätig war und dort das Riechen der Insekten erforschte, bin ich noch immer in Kontakt. Er hat eine Initiative gestartet, um unsere Bundeskanzlerin auf die Bedeutung des Insektensterbens hinzuweisen. Dort schreibt er: »Die Erde steht am Rand einer ökologischen Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, gegen die selbst der bekannte ‚Klimawandel’ harmlos ist.« Ich meine, dass er damit Recht haben könnte. Schon jetzt sind hierzulande 3/4 der Insekten verschwunden. Als Folge davon bleiben auch die Singvögel weg, die davon leben, und wir haben bald einen »Silent Spring«, wie ihn Rachel Carson 1962 angekündigt hatte, ihn ihrem bahnbrechenden Buch, das heute als Start der weltweiten Öko-Bewegung gilt. Siehe hierzu auch meinen Rundbrief vom Oktober.  

Veranstaltungen, an denen ich teilnehme

»Tage der spirituellen Revolution«, so heißt einer der vielen aktuellen Online-Kongresse. Stefan Mandel, der Gründer der beliebten (schamanischen) Pachamama-Camps in der Nähe von München (2018 im Chiemgau) hat ihn organisiert und mich hierfür interviewt. Vom 9. bis 18. März findet der Online-Kongress statt. Ich bin am 16.3. dran, zusammen mit Geseko von Lüpke, den ihr wahrscheinlich durch seine öko-spirituellen Beiträge in Connection kennt.

Am 4.3. beginnt voraussichtlich der nächste Tantrakongress, organisiert von Ingrid Niedermayr, auch dort bin ich mit einem Video-Interview dabei.

Über Ostern ist wieder ein BeFree-Seminar auf Gut Frohberg, wo ich, wie schon im vorigen Jahr, als Gast-Dozent dabei bin. 

Am 15.-19. August bin in Dozent im Modul IV der Anukan-Massage-Ausbildung. Mehr dazu in einem der nächsten Rundbriefe.

Gleichzeitig (15.-19. August) findet auf Schloss Buchenau Angela Raymanns wundervolles Heartbeat-Festival statt. Dort bin ich diesmal nicht mit dabei, vielleicht nächstes Jahr wieder.

 

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Diskussion zu: Wo bleibt die »Grüne Internationale«? – Rundbrief Nr. 164

  1. Es stimmt, wie haben keine »Grüne Internationale«, aber dafür gibt es die Erd-Charta-Bewegung, was etwas Ähnliches ist.
    http://earthcharter.org/invent/images/uploads/Erd-Charta-Flyer.pdf
    Für Deutschland: http://erdcharta.de

  2. Möglicherweise sind mittlerweile mehr Menschen daran interessiert, eine „Internationale“ zu initiieren als einer beizutreten. Logisches Resultat: Es gäbe mehr Ideen, Aufrufe, Social-Communities und Kurzzeit-Projekte als wirksame Gemeinschaften.
    Gesetzt den Fall, das wäre mehr als eine unbelegbare Einzelsicht: Was ließe sich daraus ableiten?

  3. @ Michael. Manche sagen, es würde heute „jeder ein Leader“ sein wollen, and nobody wants to follow. Was aber nicht ganz stimmt, denn es gibt nach wie vor Massenbewegungen (von Lemmingen, die sich dann ins Meer stürzen). Vielleicht müssen wir heute Gefolgschaft einfach vor allem anders definieren und anders gestalten. Denn z.B. den Silicon Valley Leaders (den vier oder fünf apokalyptischen Reitern von der US-Westküste) folgen wir ja.

  4. @ Walter. Wenn die Erdcharta so etwas initiieren würde wie damals die sozialistische Bewegung, die ja international immerhin so vernetzt war, dass viele in den 30er Jahren in den spanischen Bürgerkrieg zogen, um dort die Republik zu verteidigen, würde ich dir zustimmen.

  5. @Wolf. In der Tat gibt es zum einen „Stars“, die viele „Follower“ sammeln und zum anderen durch ihren unsagbaren Erfolg attraktive Unternehmer. Wir wollen schlicht zu ihrer Mannschaft gehören und an ihren Siegen teilhaben. Um Ideen herum sammeln sich noch im religiösen Kontext viele Menschen, durchaus auch bereit, für ihr Anliegen zu kämpfen und zu leiden. Hast du aber Beispiele, die zu Deinem Anliegen passen?
    Bin sehr neugierig, wie Du Gefolgschaft anders definieren und gestalten würdest, als sie mir seit Jahrtausenden definiert erscheint.

  6. @ Michael. Schwierig, das zu definieren. Es ist mehr eine Ahnung, dass wir da was Neues brauchen als ein Wissen – und schon gar nicht ein Wissen wie das gehen soll. Ich erlebe so viele Menschen, die unbedingt nur auf Augenhöhe kommunizieren wollen, aus Sehnsucht nach menschlichem Respekt. Es ist aber eine Illusion, dass Augenhöhe immer machbar ist, schon gar nicht als Bedingung. Das Resultat wäre das Wilbersche Flachland; oder die egalitäre Gesellschaft, wie die Sozialisten sie wollen, aber nicht erreichten. Werte zu haben bedeutet einfach, dass wir zu manchen (Werten und Menschen) aufblicken und auf andere runterschauen (sie missbilligen oder gar verachten). Wer das leugnet, verdrängt. Das Bedürfnis nach menschlichem Respekt ist aber da, und es ist stark, legitim, gut (im ethischen Sinne) und potenziell kraftvoll gesellschaftsverändernd. Die neuen Leader müssen also diesen Respekt fürs Menschliche, für die Anerkennung des „im Grunde sind wir alle gleich“ und „Nichts Menschliches ist mir fremd“ haben und darin, in dieser exemplarisch vorgelebten Bescheidenheit vorangehen. Dann geht es vielleicht, dass diese Leader Followers finden für eine starke gesellschaftliche Bewegung die nie (!) ohne Hierarchie auskommt. Ein Tango ohne Führen&Folgen geht nicht; eine gesellschaftliche Bewegung noch viel weniger, das wäre wie ein (biologischer) Organismus ohne zentrales Nervensystem; wobei ein Gehirn nicht ohne Haut, Knochen, Darm und all dem anderen auskommt, der gegenseitige Respekt muss also da sein. In der Richtung würde ich suchen wollen.

  7. @Wolf. Verstehe. Vielleicht ist im Kontext des Phänomens Führung ein anderer Aspekt mindestens ebenso wesentlich: Wozu ist Führung gut? Warum haben wir Menschen die „geführte Gemeinschaft“ zu einem (evolutionären?) Erfolgsmodell gemacht? Offenbar überlebten gut geführte Gemeinschaften erfolgreicher als schlecht geführte.
    (1) Findet sich rund um ein Anliegen überhaupt eine Gemeinschaft? (ansonsten hat auch keiner Lust darauf, jemandem zu folgen). Um es evolutionsbezogen auszudrücken: Gibt es ein gemeinsames „Mammut“? (2) Wem will man in dieser Gemeinschaft folgen?
    Ich wage die These, dass die meisten Menschen der Person folgen, die erkennbar das gemeinsame Anliegen fördert. Selbst wenn es in Bezug auf den zwischenmenschlichen Respekt hapert. Nur wenn diese wirklich heftigen Widerstand provoziert, entziehen wir Legitimation.
    Ein spontaner Gedanke, wenn ich Deine Erfahrungen auf mich wirken lasse: Welche Gemeinschaft entsteht rund um das Anliegen, das unbefriedigte Bedürfnis nach gegenseitigem Respekt zu stillen? Und was würde dies für das erforderliche Führungsverhalten bedeuten?

  8. @ Michael. Gut geführte Gemeinschaften sind evolutionär erfolgreicher, das stimmt. Das gilt sogar auf die in harter Weise, durch Angst von unten und Drohung von oben hierarchisch geführten Gemeinschaften. Ich bin jetzt gerade im spanischen Kulturraum, auf einer Insel, von der aus die Konquistadoren in die Neue Welt aufbrachen, nachdem sie die Einheimischen (hier: die Guanchen) unterworfen hatten, die auch nicht friedlich waren, aber militärisch schwächer. Spanisch ist neben dem Englischen und dem Mandarin heute eine der drei ‚führenden‘ Weltsprachen, weil die Kultur der diese Sprache Sprechenden aggressiver war als andere Sprachkulturen und sich durch Führen/Folgen besser in großen (militärischen und religiösen, siehe die ‚katholischen Könige‘) Communities organisiert hatte als die umgebenden Communities, zuerst auf der iberischen Halbinsel, dann weltweit – im 16. Jahrhundert war Spanien DIE Weltmacht, und das ist das Jahrhundert, in dem das klassische Spanisch (von Miguel Cervantes) entstand. Das spürt man noch heute als Ausländer, der Spanisch lernt. Diese erfolgreiche Härte ist im heutigen Spanisch noch gut spürbar.
    Die Mammuts damals waren der Sieg der katholischen Ideologie (mit dem Glauben, durch Missionierung von Ungläubigen in den Himmel zu kommen) und der Reichtum (v.a. Silber) der Neuen Welt.
    Was sind heute die Mammuts, um die wir zu funktionierenden Gemeinschaften werden könnten? Es könnten ökologische Ziele sein, meine ich. Die Natur retten, die Vermüllung des Planeten verhindern, das Ausbrechen des Methans aus den arktischen Permafrostböden, das Insektensterben, die kommenden Ernährungskatastrophen und andere.

    Wer die ‚Neuen Menschen‘ sind, um die sich andere dann ungenötigt gruppieren, ohne Zwang, aus Liebe hingezogen, nicht aus Angst zur Folgsamkeit gedrängt ….. es würde sich lohnen, ein Psychogramm dieser neuen Helden aufzustellen, meine ich. Joanna Macy gehört m.E. dazu. Auch der Dalai Lama, der heute für Ethik missioniert und nicht für den Buddhismus. Nelson Mandela? Vielleicht, aber leider schon tot (und Zuma is a pain in the ass). Barack Obama war zu sehr Teil des Systems, er wurde während der Präsidentschaft, ohne es zu merken (?) zum Teil des Problems anstatt ein Teil der Lösung zu sein.
    Und die ’spiritual Leaders‘? Die meisten hängen noch irgendwie im Kampf gegen das Ego drin. Auch Eckart Tolle ist zu einseitig dem Jetzt gewidmet, bei Missachtung des Linearen, Zeitlichen. Deepak Chopra ist Teil des Systems, Oprah Winfrey sowieso. Und so weiter. Wir müssen suchen, dann finden wir vielleicht ….

  9. Lieber Wolf,

    Dein Rundbrief hat mich sehr erfreut, auch wenn er mich an ein wiederkehrendes „Dilemma“ erinnert. Die Werte selbst leben, ganzheitlich, die man fühlt und auch großteils kommuniziert.

    Und hui, da waren die Worte… zwischen den Zeilen… BaliHawaiiNoiNoiNoi, Fleischverzicht, Unverpacktes kaufen, GWÖ stärken, Postwachstumsökonomie durchs TUN bewerben… uvm..

    Dann aber frage ich Dich, genau wie Christian Felber einmal, oder Freunde in unserer Männergruppe, oder meinen Bruder, warum Du Deinen Einfluss bzw. Deine Inspirationskraft nicht mit 100% Vorleben garnierst und, in Deinem Fall (Flanke geöffnet), zukünftige Winter einfach klimaschonenst im Land verbringst.

    Ganz allgemein dazu: Den Härten des
    Lebens ausweichen wollen, verlagert die Erfahrung von Härten doch nur auf einen „späteren“ Zeitpunkt. Mal abgesehen davon, dass das Leid anderer immer mit verstrickt ist mit unserem Handeln in der Welt.

    Fliegen, Fleisch, Böden chemisch Ficken, und ATOM&KOHLE-strom Fließen lassen – alles als Konsum-EntScheidung – das sind doch in unserem Kontext in Deutschland einfach „4 grundlegende NoGos“?! Also ich meine, um wenn, dann wenigstens überhaupt eine verantwortungsvolle (wache/bewusste?) Rolle im großen Spiel einzunehmen.

    Ich glaube übrigens, dass es keine Grüne oder Soziale oder Spirituelle Internationale(n) braucht. Es braucht vielmehr eine letzte Dekonstruktion von „ich bin dies und du bist das“.

    Es braucht das eine Mammut aus dem Herzen heraus: „Ich bin verantwortlich (im Peck’schen Sinne) für das Gelingen des Prozesses – weil „Wie innen so außen“. Ohne meine Klarheit im Innen und in meinem Handeln, keine Klarheit (und Frieden und Gesundheit) im Außen/der Welt.
    Die alte Lehre, nicht?

    „Warum all die Konferenzen, am besten noch flugmeilenreich international und/oder unbiologisch?“, frag ich mich manchmal. ÖKO Aktivisten/Wissenschaftler macht es unglaubwürdig, als Vorbilder, und spirituelle „Leader & Change_Agents“ genauso.

    Gerade die Erleuchteten Szene sollte doch genügend Vertrauen in Gott haben – und entsprechend wenig VATA Disbalance – um nicht überall mitretten zu müssen.

    Danke für den Raum, diese Gedanken nun mal zu teilen.

    Mammutantische Grüße

    Markus

  10. @Wolf. Interessante und nachvollziehbare „Kulturanalyse“. Was sind heute die Mammuts, um die wir zu funktionierenden Gemeinschaften werden könnten? Diese Frage bewegt mich seit sehr vielen Jahren. Frustrierend für mich, dass ich für Deinen Favoriten („ökologische Ziele“) so wenig Belege sehe. Scheint vielleicht zu sehr an den Verstand zu gehen und zu wenig an unsere soziobiologischen Wurzeln.
    Aus meiner Sicht muss niemand zu einem/ einer Führenden aus Liebe hingezogen werden. Das ist eine andere Spielwiese. Es reicht völlig, dass es Sinn macht, diesem Menschen zu folgen. Er muss attraktive Antworten auf ein paar wesentliche Fragen haben: Wo komme ich hin, wenn ich Dir folge? Was muss ich dafür tun? Welche Art der Beziehung bietest Du bzw. die Gemeinschaft mir auf dem Weg an?… um ein paar Beispiele zu nennen. Mit Angst, Machtmissbrauch, Hörigkeit etc. hat das im Kern des Phänomens Führung nichts zu tun.
    Sag mir Bescheid, wenn Du mal an solchen Psychogrammn arbeitest. Hört sich spannend an. Dabei sind Deine Erfahrungen bestimmt sehr wertvoll. Meine vielleicht auch.

  11. @ Markus, ich glaube nicht, dass »eine letzte Dekonstruktion von ‚ich bin dies und du bist das’« reicht, ich glaube nicht einmal, dass sie sehr viel nützen würde. Diese Dekonstruktionen sind doch alle schon gemacht worden. Weise Worte wurden oft genug gesprochen, sie sind auffindbar, lesbar, verstehbar, in ihren verschiedenen Formen der Präsentation heute sogar ziemlich leicht zugänglich. Sie werden nur nicht in ausreichendem Maße in die Tat umgesetzt, um unsere Zivilisation (oder auch nur unsere Spezies) zu retten.

    Und zum Vorbildsein, auch das sprichst du an. Ich fliege wenig (nur 1x/Jahr und auch nicht nach Bali), aber ich strebe auch nicht päpstlicher zu sein als der Papst. Das würde nicht nur mir selbst nicht guttun, sondern hätte auch keine positive soziale Wirkung – »Streber! Du hältst dich wohl für was Besseres!« wären noch die freundlicheren Beschimpfungen, die ich dann erhalten würde. Jeder von uns macht Kompromisse zwischen dem idealethisch Wünschbaren und dem tatsächlichen Verhalten, ich auch. Das finde ich so okay. Ich finde es nur nicht okay, wenn es einem egal ist, wie viel Müll man wegwirft, wie viel unnötiges neues Zeug man kauft und wie weit (und wie oft) man im Urlaub fliegt. Es ist mir dabei jedoch klar, dass für die 0815-Ökosau es zur Rechtfertigung des eigenen Lebensstils genügt, mein Entsetzen über die Zerstörung der Umwelt ‚durch uns Menschen‘ nicht ernst zu nehmen allein deshalb, weil ich, der Autor dieser Warnungen, einmal im Jahr seinen Arbeitsplatz von Deutschland auf die kanarischen Inseln verschiebt.

  12. @ Michael.
    Du hast damit Recht, dass es für Führung nicht Liebe braucht, sondern es genügt, dass die Folgenden das Ziel des Führenden für sinnvoll halten. Ich halte Liebe jedoch nicht für eine völlig „andere Spielwiese“. Wir folgen viel lieber, wenn wir die Person, die uns führt, mögen. Oft ist die Sinnfindung sogar so komplex, dass man, dass man sie, wenn man nach Inhalten geht, gar nicht treffen kann. Dann wählt man die Person, die einem sympathisch ist. Z.B. bei der Auswahl unter wählbaren Politikern, die alle ähnliche Phrasen dreschen, gehen wir oft nach dem, wen wir mögen. Bernie Sanders mochte ich lieber als Hillary Clinton; wie das durch Inhalte zu rechtfertigen ist, hab ich vergessen, aber nicht, dass ich ihn lieber mochte als Hillary. Das ist nicht immer die dümmste unter den Methoden der Auswahl.

    Ein Psychogramm des „neuen Leaders“ werde ich sicherlich nicht allein aufstellen, auch nicht als Initiator eines entsprechenden Think-Tanks oder Instituts, das danach forscht. Leadership gehört nicht zu den Themen, die mich bevorzugt interessieren, obwohl ich weiß, dass es ein sehr wichtiges ist.

  13. @Wolf. Sicherlich hast Du gemerkt, dass mich das Thema ganz anders fesselt und begleitet. Möchte Dich dann aber nicht länger hineinziehen. Lieben Dank für den Austausch.

  14. Lieber Wolf,

    Danke für Deine WorteErwiderung. Sie bringt mich dem Fühlen näher.

    Am Ende bleiben für mich dann wohl als (angesprochene) „Leader“, oder besser als „Inspiratoren“, tatsächlich nur Kaliber wie Niko Paech und Christian Felber übrig. Zwei Persönlichkeiten, die ihre Visionen zu lebendigen Missionen werden ließen.

    Ich schmunzle gerade auch bei dem „romantisierenden“ Gedanken, dass keiner der beiden wohl einen „Windhauch“ darauf gibt, wenn er als „Streber“ bezeichnet wird. Dazu stellen sie sich einfach oft genug mutig in den Sturm emotionaler „Widerwilligkeit“, wenn es um Verantwortung geht.

    Und ich bleib für mich derweil beim Leitbild „das Haus abends so vorzufinden, wie ich es morgens verlassen habe“.

    Ich Danke Dir

    Markus

  15. @ Markus: Niko Paech und Christian Felber finde ich klasse!

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