22. Oktober 2015
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Rubriken: Spirituelles
3 Kommentare

Transspiritualität

»Wie kommen wir aus den selbst gebauten Gefängnissen wieder raus? Durch Einsicht!«—Wolf

Ich habe den Eindruck, dass die meisten derer, die sich auf den spirituellen Weg gemacht haben, sich dort früher oder später Gefängnisse bauen, für die sie das, was ihnen anfangs auf dem Weg geglückt ist, als Bausteine verwenden. Was anfangs ein Mittel zur Befreiung zu sein schien, verkehrt sich dann ins Gegenteil oder führt jedenfalls nicht zu dem, was der Anfänger auf dem Weg sich dort einst erträumte. Auch das, was unter dem Begriff »Spiritualität« gedacht, gefühlt und gelebt wird, begrenzt uns, schränkt ein, behindert und bedrückt. Wie kommen wir da wieder raus? Durch Einsicht! Und dann den Mut diese selbstgebauten Gefängnisse auch wieder zu verlassen und … transspirituell zu werden.

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Diskussion zu: Transspiritualität

  1. Lieber Wolf,

    danke für Deinen kleinen Beitrag. Dem stimme ich voll zu.

    Die Neigung unseres Geistes besteht immer wieder darin, auch hilfreiche Einsichten wieder zu einem neuen oft rigiden und damit beengendem Konzept zu machen. Das geht sogar mit den »tiefsten« spirituellen Wahrheiten. Auch die »Wahrheit«, dass tiefste Wahrheit nicht konzeptionell fassbar ist – was tatsächlich stimmt! – wird in manch einer spirituellen Szene wieder zum Konzept gemacht. Da wird die sprachlose Wahrheit »Kein Konzept kann wahr sein!« ausgesprochen und dann zum Konzept gemacht. Das ist sozusagen das »Konzept der Konzeptlosigkeit«. Auch da dürfen wir nicht stehen bleiben. Deshalb finde ich Deine Wortfindung des „Transspirituellen“ gut. Ich würde es am liebsten auf die Teile der Advaita-Szene ausdehnen, die diesem Irrtum unterliegen, und erfinde hiermit den Begriff »Trans-Advaita«.

    Natürlich geht es nicht darum solche Fallen nur mit neuen Begrifflichkeiten zu benennen, sondern für jeden einzelnen darum zu spüren, wann eine spirituellen Tiefenerfahrung wieder konzeptionell veroberflächlicht wird und wie das Herzensenge und Kleingeistigkeit erzeugt. Dann geschieht das Loslassen und die Erweiterung oft von ganz allein… bis zum nächsten Landen auf einer vermeintlich sicheren Erkenntnis.

    Da erinnere ich immer wieder gerne an einen Ausspruch meines Lehrers Sri Poonjaji: »Lande nirgendwo!«

    in diesem Sinne auf einen guten freien Fall in unendliche Transweiten

    herzlich

    Torsten

  2. Lieber Torsten,
    einverstanden. Bis auf einen Punkt: Wir sollten uns selbst und einander auch Lande-Erlaubnisse geben. In Beziehungen, bei einem Job oder Commitment zu einem Projekt oder politischen Standpunkt zu landen und sich dann nicht gleich mit dem Wind zu drehen. Auch das Nicht-Landen-Dürfen ist ein Trip. Die erste buddhistische Initiation heißt zwar pabbajja – Hinausgehen in die Heimatlosigkeit – aber wir brauchen auch Beheimatungen. Geborgenheit zu suchen und zu finden in einer – vorübergehend – auch mal bleibenden Identität finde ich voll okay. Wie sollte ich dich als Torsten sonst wiederkennen können?
    Mit Grüßen aus meiner persönlichen Heimat-Identität
    Wolf

  3. Lieber Wolf,

    ja, alles kann »zum Trip« gemacht werden. Und sowieso auf der »relativen Erscheinungsebene« gibt es eine Menge nützliche Festigkeiten, solange – und gerade dann – wenn wir wissen, dass auch diese Konstrukte des Geistes sind, können wir alle möglichen Konstrukte wunderbar nutzen und geniessen. Und gerade das ist ja die Falle des »grünen Memes« – um es mal mit Wilberischen Begriffen zu sagen: dass der Dekonstruktivismus – so nützlich er ist – alles mögliche dekonstruiert, aber das Dekonstruieren selbst wieder zu einer verabsolutierten Wahrheit macht. In der Satsang-Szene gab es in Teilen dazu eine Zeit lang eine lustige sprachliche Erscheinung. Die bestand darin, vor oder hinter jede Aussage ein »scheinbar« einzufügen – also natürlich nur scheinbar ;-). Und wer dann das »scheinbar« vergaß, wurde schnell der unscheinbaren Unerwachtheit verdächtigt. Zum Piepen!

    deshalb auch Dir herzliche Grüße
    von einem bewusst unscheinbaren Torsten

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