05. Dezember 2015
von
Rubriken: Geschäft
Ein Kommentar

Solidarische Finanzierung

»Dāna bezeichnet im Buddhismus allgemein etwas, das gegeben bzw. geschenkt wird, ohne eine Gegenleistung zu erwarten oder auch nur zu erhoffen.«—Marianne Gallen

Ich habe eben mit Wolf schon zu seinem letzten Beitrag ein paar Mails ausgetauscht – kurz gesagt – ihm vermitteln wollen, dass ich ein Mönch-Bettelschalen-Finanzierungsmodell für das Projekt »Connection-Blog« als nicht so passend empfinde. Ist das nur bei mir so angekommen, oder erlebt ihr seinen Spendenaufruf ähnlich?

Das Bettelschalen-Modell

In vielen buddhistischen Klöstern ist es üblich, dass die Mönche nur von dem leben, was ihnen freiwillig gegeben wird. Die Sponsoren sind traditionell Menschen, denen die meditative Präsenz des jeweiligen Klosters und die geistige Arbeit, die dort geschieht, am Herzen liegt und die das daher mit materiellen oder Essens-Spenden mittragen wollen.

Einige buddhistische Meditationszentren haben das auch hier in den Westen – in einer abgemilderten Form – übernommen, sie nennen es dann das Dana-Prinzip. »Dāna bezeichnet im Buddhismus allgemein etwas, das gegeben bzw. geschenkt wird, ohne eine Gegenleistung zu erwarten oder auch nur zu erhoffen. Darüber hinaus bedeutet dana das Geschenk der Energie und Weisheit an andere.« So steht es bei Wikipedia.

Ich selbst wurde damit in mehreren Vipassana-Retreats bekannt: Die Teilnehmer bezahlten hier nur für die Unterkunft einen Festpreis, die »Arbeit« des Meditationslehrers wurde hingegen auf Spendenbasis entlohnt. Offenbar kamen aber einige westliche Meditationslehrer so nicht wirklich auf ihre erwarteten Kosten und fügten daher dem Dana-Aufruf noch einen erwünschten Richtwert hinzu. An dieser Stelle begann ich mich zu fragen, warum nicht gleich Kursgebühren erhoben werden, wie das in anderen Seminarbetrieben üblich ist.

Das »Werden« unterstützen

Anfang Oktober besuchte ich eine transpersonal-psychologische Tagung im Schwarzwald, auf der unter anderem eine »Kooperative Werden« ihr Projekt vorstellte, in dem es um die solidarische Finanzierung eines neuen Berufsbildes gehen soll: Einer »Werde-Begleitung«. Angedacht ist hier, dass Menschen, die sich auf inneren Wachstumswegen befinden, eine passende Unterstützung bekommen, die sie – wenn sie das brauchen – nicht selbst bezahlen müssen, sondern hier auf einen Solidar-Topf zurück greifen können.

Vom Berufsbild des »Werde-Begleiters« bin ich selbst nicht besonders überzeugt. Dennoch mag ich die Idee, gemeinschaftlich Menschen finanziell zu unterstützen, die sich auf echte innovative Wege begeben, ohne sich dabei gleich den Spielregeln des Kapitalismus unterwerfen zu wollen. Meistens sind das sehr einsame und risikoreiche Unternehmungen. Wolf hat das irgendwann mal »das Prekariat der Innovativen« genannt. Ein Solidarprinzip scheint mir hier sinnvoll.

Selbst habe ich einen Solidarpakt im Kleinen durch die »Verhandlungen« mit meinem Ehepartner gut hingekriegt: Wir haben uns früh darauf geeinigt, dass wir unseren Lebensstandard nicht höher schrauben wollen, als er mit einem akademischen Angestellten-Gehalt finanzierbar ist. Auf diese Weise sind Freiräume entstanden, die mir ein 7-jähriges meditatives Retreat zwischen Kindern und Kochtöpfen erlaubten. In dieser Zeit trug ich nichts zum Familieneinkommen bei. Meine spirituelle Begleitung übernahm damals eine katholische Ordensschwester, die für diesen »Dienst« von ihrer Ordensgemeinschaft finanziert wurde. Ich revanchierte mich auf Spendenbasis – auch noch heute – wo ich die Unterstützung gar nicht mehr benötige.

Das Projekt »Connection-Blog«

So wirklich weiß ich auch noch nicht, was hier entstehen will, befinde mich aber in einem guten, freudig-erregten Anfänger-Spirit – verheißungsvoll!

Wolf hat, um das zu ermöglichen, finanziell schon mal ganz schön vorgelegt: Nach Verlags-Ende, die »Marke Connection« und die Web-Domain für 5000 € von seiner Aktiengesellschaft abgekauft und einen professionellen Web-Administrator beschäftigt, damit das hier auch technisch läuft. Einiges an Zeit investiert er sowieso – sicher mehr als wir eingeladenen Mit-Blogger, die völlig frei sind im Umfang ihrer Aktivitäten.

In der Vergangenheit habe ich immer mal wieder mitbekommen, welch zähes Ringen – auch um not-wendige Anpassung – die finanzielle Situation des Print-Mediums erzeugte. Sicher ist dieser Tatsache dort auch so manch humorvoll-spritzige Schärfe zum Opfer gefallen, die Wolfs Schreibstil in unnachahmlicher Weise auszeichnet. Ich freue mich darauf, hier mehr davon zu lesen.

Einige Menschen, die hier auftauchen, habe ich schon als Connection-Autoren oder in anderen Blog-Aktivitäten als Kommentatoren oder Blogger wahrgenommen und schätzen gelernt – ich finde es schön, dass hier ein weiterer Platz für diese frei-denkende Community entstehen kann.

All das könnte doch einen Solidarbeitrag wert sein – oder nicht?

RSS abonnieren

Diskussion zu: Solidarische Finanzierung

  1. Liebe Marianne,

    ja, das kann einen Solidarbeitrag wert sein.
    Danke für deine Ausführungen dazu.
    Barbara

Dein Kommentar zu: Solidarische Finanzierung

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht