Sei die Veränderung! (Rundbrief Nr. 150)

»Das Postfaktische und die Rache der Fundamentalisten«—Wolf

War es das Herz der Deutschen, das sich in den 30er Jahren Hitler zugewandt hatte, oder ihr Verstand, ihre Intuition, ihr Bauchgefühl? Und welcher Teil der US-amerikanischen Seele hat sich im vergangenen Jahr Trump zugewandt? 

Ist das Ego der dunkle Schatten des Herzens, der unbewusste, nicht akzeptierte Teil in uns, und in Trump und den Rechtspopulisten revoltiert dieser hässliche Teil von uns nun gegen die verhasste politische Korrektheit, die sich vernünftig nennt, aber gar nicht vernünftig ist? 

Die Revolte des Ego

Ich sehe in den heutigen politischen Erdbeben Bewegungen, die sich in den spirituellen Subkulturen schon angedeutet haben und die von mir als Herausgeber der Zeitschrift Connection dort in diversen Ausprägungen beschrieben wurden. Die Rehabilitation des Ego, der ungelöste Kopf/Herz/Bauch-Konflikt, die Indifferenz der Spiris gegenüber ethischen Erwägungen, mit alledem habe ich mich in Connection jahrelang beschäftigt. Nun tauchen diese Themen auch ‚in der großen Politik‘ auf, zum Beispiel im Wiederauferstehen des Nationalismus, des nationalen Ego, in Trumps Motto »America first«. Die meisten der Beobachter sind davon überrascht, als hätte man nicht ahnen können, was da kommt. 

Die Rache der Fundamentalisten

Auch ‚die Rache der Fundamentalisten‘ an der nur oberflächlich vollzogenen Aufklärung gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist eigentlich nicht erstaunlich. Dieser leider nur unvollständigen Aufklärung folgte im 19. Jhd. die Restauration der alten Kräfte, was dann im 20. in die beiden Weltkriegen mündete. Heute erhebt mit Trump&Co dieselbe Hydra wieder ihr Haupt. Der Fluch der »selbstverschuldeten Unmündigkeit« des Menschen (so nannte es Immanuel Kant in seiner Definition der Aufklärung) ist noch nicht aufgehoben. Wir müssen raikaler werden, um den Knoten lösen, wir müssen bis an die Wurzel gehen, um uns selbst zu verstehen. 

Heute würde ich das Problem der aktuellen politischen Unordnung (Naturzerstörung, soziale und militärische Gewalt, Armut & Ausbeutung mitten im Überfluss) mit einem Begriff aus der Computerwelt so formulieren: Wir brauchen ein neues Betriebssystem der Weltzivilisation; ein paar neue Apps, die auf das alte System geladen werden, genügen nicht. Leider werden, wenn überhaupt etwas Neues, fast überall nur neue Apps angeboten, und das sowohl im Pro-Trump- wie im Anti-Trump-Lager. 

Seichtspiritualität als Vorläufer des Postfaktischen

Meine Antwort auf das Aufkommen des »Postfaktischen« ist: Wir müssen den Unterschied zwischen Fakt und Fiktion verstehen. Die Welt versteht die Bedeutung des Fiktiven nicht, des Erfundenen und Gestaltbaren, wozu die gesamte Kultur gehört und die Strukturen von Politik und Wirtschaft, als Folge der menschlichen Ich- und Wir-Identitäten. 

Die Aussage von Trumps Pressesprecher Sean Spicer über die Anzahl der bei der Amtseinführung von Trump in Washington Anwesenden ist für das Postfaktische typisch. Spicer: »Es war das größte Publikum, das jemals eine Amsteinführung sah. Basta! Sowohl direkt vor Ort als auch auf der ganzen Welt.« Vor Ort waren es geschätzte 250.000 gewesen. Bei Obama mindestens das Doppelte, wie verschiedene Schätzungen sagen, und auch die folgenden Luftbilder zeigen den Unterschied: 

Auch das TV-Publikum war bei Trumps Amtseinführung geringer als bei Reagan, Obama, Carter und Nixon. Auf den Protest der internationalen Medien hin antwortete die Trump-Beraterin Kellyanne Conway, Spicer habe keine Falschaussage gemacht, sondern lediglich »alternative Fakten« präsentiert. Dass Trump noch viel drastischer lügt als seine Vorgänger im Amt und das Gros seiner Politiker-Kollegen, darauf will ich jetzt nicht eingehen, sondern darauf hinweisen, dass die spirituelle Szene diese nun »postfaktisch« genannte Haltung mit ihrem stereotyp wiederholten Mem »Jeder kreiert sich seine Realität selbst« gut vorbereitet hat. ‚Wir Spiris‘ haben uns nun also immerhin in dieser Hinsicht … peinlich, peinlich … als Avantgarde erwiesen: Die Seichtspiritualität hat den Rechtspopulismus mit vorbereitet und mit ihrem »Es ist, wie es ist« (Subtext: Wir müssen nur lernen es hinzunehmen) dem konsum- und wachstumsgeilen Neokapitalismus hin die Hände gespielt. 

Obamas Nemesis

Am 23. Juli habe ich in meinem Blog über Trump als Obamas Nemesis geschrieben. Auch danach habe ich an verschiedenen Stellen immer wieder über Trump geschrieben, als Sympton und als Ursache, so z.B. in der Dez.-Ausgabe von KGS-Berlin über den Trump-Schock und in mindestens einem meiner Dialoge mit Martin Frischknecht von der Schweizer Zeitschrift Spuren. Andere haben das ausführlicher, besser und genauer getan, wobei ich allerdings die archetypische Dimension des Umgangs mit der männlichen Kraft vermisst habe und deshalb am 23. Juli in mein Blog schrieb: »Zu sehr hat Obama versucht ein Guter zu sein. Nun blickt er in Donald Trump der Fratze seiner Nemesis entgegen.«

Eine sehr gute, aktuelle Zusammenfassung des Trump-Schocks als Identitätskrise des Westens fand ich bei dem holländischen Autoren Luc Sala, der v.a. auf Englisch schreibt, aber auch Deutsch spricht. Ich habe ihn voriges Jahr auf der Entheo-Science.de getroffen und möchte ihn im Mai besuchen. 

Zu Trumps »America first« steht auf connection.de in dem Blogeintrag von vorgestern (23 1.) ein guter Text von Torsten Brügge und Wolfgang Aurose. Dort werden Nationalismus und transnationales Weltbürgertum im Sinne von Ken Wilbers Spiral Dynamics zueinander in Bezug gesetzt. 

Termine

Bald werde ich hier, wie angekündigt, mehr über das Buch von Pinchbeck schreiben, der sich sehr ausführlich mit der globalen Krise beschäftigt, sie auf 400 Seiten genial zusammenfasst und dabei sogar einen Actionplan vorlegt. Anlässlich des Erscheinens seines Buchs am 6. Februar auf Deutsch im Scorpio-Verlag besucht Pinchbeck im Februar Frankfurt (12. 2.), Hamburg (14 .2.), Berlin (15. 2.), München (17.2.) und Basel (18.2.).  

Das kommende BecomeLove Festival in Berlin (7. bis 9. April) beschäftigt sich mit der Kokreativität der Liebe. Ich gebe dort einen Kurzworkshop über das Thema meines Buchs »Ohne dich wäre ich ein anderer«: Wie wir in der Liebesbeziehung nicht nur eine Wir-Identität kreieren, sondern dabei auf der Heldenreise unseres Lebens auch gegenseitig kokreativ einander unsere Ichs mitgestalten. 

Auf dem Osterfestival des BeFree Instituts (13. bis 18. 4. auf Gut Frohberg bei Meißen) gebe ich einen Humorworkshop über die »Kreuzigungen und Wiederauferstehungen« in der Liebe, außerdem voraussichtlich noch einen Kommunikationsworkshop (»Schweigen kann das Problem sein, aber auch die Lösung«) und etwas zum Thema des Spiels (»Leela«) mit der Identität.

Weitere Termine von mir, von April bis Oktober 2017 folgen in den nächsten Rundbriefen.

Sei die Veränderung!

»Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst« hat Gandhi gesagt und damit das Motto in die Welt gesetzt, dass wir mit der Weltrevolution besser bei uns selbst anfangen sollten. Dass es aber gar nicht so leicht ist, eine einmal eingeübte Gewohnheit zu ändern, fand der Ingenieur Destin Sandlin heraus, als er etwas an seinem Fahrrad veränderte. Die Ernährung zu ändern, das Atmen oder die Kommunikation mit den Mitmenschen, das ist schwer, aber das Radfahren? Gerd Klostermann hat mir diesen Link zugeschickt (8 min, auf Englisch mit deutschen Untertiteln), von einem, der das Radfahren neu lernte

Mit herzlichem Gruß

Wolf

schneider@connection.de

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Diskussion zu: Sei die Veränderung! (Rundbrief Nr. 150)

  1. Lieber Wolf – lang ist es her, dass ich mal geschrieben habe, da gab es connection noch als Heft, jetzt lese ich mit großer Aufmerksamkeit Deinen Rundbrief – ich sehe das auch so: Wir halten uns einen Spiegel vor Augen, und es ist unsere unerlöste, dunkle Seite, die wir so ungern betrachten. Aber nun: Von Angesicht zu Angesicht. Es gibt kein Ausweichen, kein Ent-weichen. Und wenn wir den Spiegel zerschlagen, ändert das gar nichts, eher wie bei der „Schneekönigin“, bekommt jeder einen Splitter ins Herz. Für mich als ältere Person gilt mehr denn je: Niemals wegschauen, vor allem nicht bei Fehlern, Mängeln, Unzulänglichkeiten. Es ist das Fremde in mir, das mir Angst macht. Das habe ich zu akzeptieren und zu lieben. Je mehr ich mir selber vertraut werde, desto offener begegne ich dem anderen Menschen. Und der neue Präsident tut offensichtlich das, was viele von uns insgeheim sich wünschen: Ausgrenzen. Abschieben. Wegdrücken. Womit antworten wir ihm? Sind wir ehrlich? Einschließlich unserer Lügen und Unwahrheiten? —- Veränderung: Wir hatten ein rasch zusammen gekommenes kleines Kulturfest im vergangenen Sommer in unserer Nachbarstadt in Baden-Württemberg, viele ausländische Stände mit köstlichem Essen, Sonne, Lachen, Begegnungen. Aber das Schönste war der Tanz der syrischen jungen Männer, die sich spontan zu einem Kreis auf der Bühne im Freien zusammengefunden hatten und voller Glück, Arm in Arm, tanzten, lachten und fröhlich waren. Einfach so.
    Liebe Grüße, Ilse

  2. Weshalb benützt ein intelligenter, aufgeklärter, empathischer und vor allem sprachbegabter Mensch so negativ aufgeladene und mir Vorurteilen behaftete Nonsenswörter wie z.B. Rechtspopulismus?
    Ich versteh’s nicht.

  3. Lieber Wolf,
    wieso die Aufklärung? Das verstehe ich jetzt nicht ganz. Und die Teaparty-Bewegung ist ja auch keine Reaktion auf Obamas „Gut sein“. Die gabs vor ihm schon lange.

    Die Frage ist aber grundsätzlich richtig: WAS wollen wir nicht sehen? Und/Oder/Aber: Kann man eine ganze Gesellschaft dazu verdonnern, dass sich ALLE Individuen bestimmten Prozessen unterwerfen um bestimmtes inneres Erleben zu erzeugen? Wohl kaum. Wer soll also wo hinsehen?

    Oder gibt es eine ganz simple Erklärung: Nach 8 Jahren eines schwarzen Präsidenten wollten die stockkonservativen weißen Pseudochristen nicht auch noch von einer Frau rumkommantiert werden. Der letzte Aufschrei des weißen Herrenmenschen sozusagen.

    Oder doch was anderes? Gesellschaften kommen, Gesellschaften gehen. Jetzt fährt Trump grade die US-Wirtschaft gegen die Wand, „der Westen“ zerfällt. Das Britische Empire oder das Römische Reich gibt es auch nicht mehr. Hätten diese Gesellschaften bis heute überlebt, wenn die Leute mehr in sich gesehen hätten?

    Ich kann auch nichts mir dem Phänomen Trump anfangen, diskutiere aber leidenschaftlich gerne darüber. Vielleicht verstehe ich ja eines Tages, was wirklich passiert. Derzeit habe ich aber nur Fragen. 😉 Und ein spiritueller Blickwinkel ist vielleicht interessant.

    Ach ja, noch ein Ansatz: Die „Energie“ der 30er Jahre ist nie wirklich befriedet worden, sondern wurde durch den 2. WK quasi quasi eingekerkert. Jetzt wird sie gerade befreit. Das Problem wartet also immer noch auf Lösung. Nur: Die Zeitqualität hat sich verändert. Z. B. gibt es heute viel mehr Menschen, die meditieren, als in den 30er Jahren. Vielleicht gelingt es diesmal die Herausforderung zu meistern. Ich zitiere mal aus dem Wikipedia:

    …Als „Maharishi-Effekt“ bezeichnet die TM-Organisation gesellschaftliche Veränderungen, wenn ein bestimmter Anteil der Bevölkerung TM oder, in Gruppen, TM-Sidhis und das Yogische Fliegen ausübt („erweiterter Maharishi-Effekt“).[33] Gesellschaftliche Effekte, die von TM-Anhängern und TM-nahen Wissenschaftlern erwartet werden, sind ein Rückgang von Kriminalität, Unfällen, kriegerischen Aktivitäten oder Krankheit und gleichzeitig eine Zunahme positiver Trends in Gesellschaft, Wirtschaft (wie zum Beispiel weniger Inflation und Arbeitslosigkeit) und Politik.[33] Für einen globalen Effekt seien 8000 Personen an einem Ort notwendig. Diverse, zum Teil auch in wissenschaftlichen Fachjournalen veröffentlichte Untersuchungen sollen den Effekt belegen.[34] Bei einer dieser Untersuchungen hatten 1993 in Washington, D.C. mehr als 4000 TM-Meditierende teilgenommen.[35] Die TM-Organisation bewertet die Ergebnisse der Untersuchung positiv, von Kritikern wurde allerdings Datenmanipulation vorgeworfen.[36]…

    Sorry, richtig klar ist das alles nicht ausformuliert. Aber es sind Dinge, die mir im Kopf rumgehen. Vielleicht können ja andere den Faden aufnehmen.

    Viele Grüße
    Raphael

  4. An Irmgard: Das ist die rhetorische Frage einer offenbar sprachbegabten Frau, stimmt’s? Meine Antwort ist: 1. Alles Wörter, die Menschen verwenden, sind ausnahmslos mit Erwartungen, also auch Vorurteilen behaftet, da gibt es kein Entkommen. Das gilt auch für das Wort „Vorurteil“, wie gesagt: für alle Wörter. 2. Das Wort „Rechtspopulismus“ ist eine große Schachtel, in die vieles rein passt, das stimmt. Da müssen wir aufpassen, nicht alle über einen Kamm zu scheren. Das gilt aber auch für (politisch) „links“ und „rechts“, Trump-Fan usw. weiter. Als Sprechende können wir dem nicht entkommen.

  5. Hallo Raphael,
    hier ein paar weitere Gedanken dazu. Den Maharishi-Effet halte ich für eine schöne, gut gemeinte Illusion. Bis auf die Kernidee, dass unser Denken und Fühlen unser Handeln bestimmt, und wenn es viele sind, die dasselbe denken (oder meditieren), dann ist die Wirkung natürlich größer.
    Und deine Idee, dass ‚die Energie‘ der 30er Jahre nicht wirklich ausagiert werden konnte, sondern durch den 2. Wk eingekehrt wurde, finde ich interessant. Allerdings auch gruselig. Vielleicht sollten wir es allgemeiner formulieren: dass viele Energien in uns eingekerkert sind, und vieles davon gehört eher ‚auf die Couch‘, in Therapiegruppen und Einzeltherapien, ehe es von mächtigen Menschen ausgelebt werden kann.
    Grüße
    Wolf

  6. Danke, Ilse. Der neue US-Präsident erscheint wie ein Dämon aus unserem Unterbewussten, der auf einmal die Spitze einer mächtigen Organisation erklommen hat – so mächtig wie eine Nation eben sein kann. Wir sollten die Macht irgendeiner Nation aber nicht überbewerten, auch nicht die der USA. Das Weltfinanzsystem mit seinen ‚global players‘ ist noch viel mächtiger. Wer sich ihm nicht unterwirft, wird von diesem System hinausgeworfen, verliert, verendet. Das wäre Hillary genauso ergangen. Trump ist ein Teil dieses Systems, nicht weniger als Hillary. Denjenigen, die ihn für einen Herausforderer dieses Systems halten, steht ein böses Erwachen bevor. Sollte ich mich mit dieser Prognose irren, ich wäre heilfroh. Möge ich bitte, inshallah, Gott helfe mir, mit dieser Prognose nicht recht haben.
    Und das Kulturfest, was du da erwähnst: klasse! So geht es mir auch mit den Syrern und Afghanen im Connectionhaus. Dass ich dort ein Kulturzentrum errichten wollte, hat nicht geklappt, aus Gründen, über die ich hier noch bloggen will. Aber wir leben dort recht gut zusammen, immerhin das.
    Grüße
    Wolf

  7. Der „Schatten“ ist nach C.G.Jung der Teil in uns, den wir nicht sehen wollen, weil wir ihn ablehnen (warum auch immer). In der „Schattenarbeit“ geht es darum, ihn anzuschauen und zu integrieren – Dämonen entstehen durch Abspaltung und Verdrängung. Das vermeintlich „Böse“ verkörpert immer auch eine Vitalität, auf die wir nicht verzichten können.
    In der Figur „Trump“ wird uns Eitelkeit, Selbstherrlichkeit und Unwahrhaftigkeit vorgeführt und ein Umgang mit Schwächeren, der sie unbedingt vom „Futtertrog“ fernhalten will, damit Amerika weiterhin und noch mehr im Überfluss schwelgen kann.
    Neulich ist mir – inspiriert durch Nityas Blog – ein Gedicht von Eugen Roth in die Hände gefallen – ich zitiere:

    Ein Mensch, den andere nicht gern mögen,
    Den von des Lebens Futtertrögen
    Die Glücklicheren, die Starken, Großen
    Schon mehr als einmal fortgestoßen,
    Steht wieder mal, ein armes Schwein,
    Im Kampf ums Dasein ganz allein.
    Dass er uns leid tut, das ist klar:
    Sofern es u n s e r Trog nicht war …

    Ich finde, das trifft es auch ganz gut, wenn es um den Verteilungskampf im Zusammenhang mit der Globalisierung geht: Wir sind so lange lieb und nett, bis es an unseren eigenen Fressnapf geht! Dann hört das Mitgefühl schnell auf. Sind wir da einen Deut besser?
    Auch in diesem „Bösen“ ist eine Vitalität enthalten, auf die wir nicht verzichten können: Wir wollen alle auf diesem Planeten gut und glücklich leben und möglichst alle Katastrophenereignisse über-leben …
    Mit Ausgrenzung, Zäunen und Strafzöllen geht das nicht. Vielleicht muss uns das ja erst nochmal einer drastisch vor Augen führen, bis wir es endlich kapiert haben.

  8. Lieber Wolf,
    danke für die Antwort. Ich spinne auch mal weiter.

    @ Therapien:
    Ja, klar. Ich fürchte, dass sehr viele Menschen sich ihren inneren Dämonen stellen sollen und Therapien machen sollen. Trump ist sicher nicht die Lösung für die Frustrierten.

    @Maharishi-Effekt: Ich kenne das nur aus dem Web, kann also nichts Definitives dazu sagen. ABER: Tatsache ist, dass man energetisch heilen kann. Ich denke, du stimmst mir zu. Welche „Technik“ dabei genutzt wird, ist zweitrangig. Es geht eher um die Idee, dass „energetisches Heilen“ als solches möglich ist.

    Listen wir doch ein paar Gedanken auf:

    – Energetisches Heilen ist möglich.
    – Die Gesellschaft ist in einer Krise.
    – Die Krise kann schlecht enden (30er Jahre) oder bietet auch die Chance zur Transformation.
    – Viele, viele Menschen (mehr als je zuvor) praktizieren energetisches Heilen.

    Macht es also Sinn einen energetischen Heilungsversuch koordiniert zu unternehmen?
    – Falls nein: Viel ist nicht verloren, Schaden kann wohl keiner entstehen.
    – Falls ja: Toll!

    Wenn man in meine Zeilen jetzt absurde Schmalspuresoterik reininterpetieren will, ist das sehr leicht möglich. Spinnis, die die Welt retten wollen, und rechtsdrehende Energiewirbler unters Bett stellen oder ähnlichen Hokuspokus , gibts ja mehr als genug. Aber wenn man eine breite Bewegung von wirklichen spirituellen Heilern dazu bringt, koordiniert das „System Erde“ zu heilen, kann das sehr erfolgreich sein. Die Zeit ist jetzt – in der Krise.

    Viele Grüße
    Raphael

  9. Lieber Wolf

    ja es geht um Veränderung, einen radikalen Umbruch, keine Frage. Im Außen wird der Schatten derzeit an Trumpf fest gemacht, und da sind alle Mittel recht. Selbst der sonst eher besonnene Oskar Lafontaine bezeichnet Trump als Dumpfbacke und Irrlicht – und Du?

    Du stellst hier zwei Fotos zu seiner Amtseinführung ein, die angeblich Fakt sein sollen. Fakt ist, und dies war Teil der üblichen diesbezüglich falschen Berichterstattung bei ARD/ZDF, dass dies ein Bild vom Vormittag ist, als der Platz noch nicht gefüllt war. Also nicht das Bild zum Zeitpunkt der Vereidigung (ich habe mir das live bei einem anderen Sender angeschaut).

    Solange wir nicht aus den Herzen heraus fühlen und agieren, bleiben solche scheinbar klugen Worte auf der Ego- oder Verstandesschiene haften, werten und ver-ur-teilen.

  10. @ Rolf: Diese Diskussion um die Zahl der Besucher ist schon witzig. Mag sein, dass die Presse teilweise tendenziell berichtet und Dinge – je nach eigenem Standpunkt – so oder so wiedergibt. Aber trotzdem glaube ich nicht, dass sich jetzt die gesamte Weltpresse komplett gegen Trump verschworen hat und zu 100% nur noch alles erfindet. Ich glaube vielmehr, dass die Quelle von „alternativen Fakten“ derzeit eindeutig im Weissen Haus zu suchen ist. Aber egal, mein Hauptthema ist etwas Anderes, ich nehme da eher den Faden von Marianne und Wolf wieder auf.

    Ja, mit dem Thema „Schattenarbeit“ kommen wir der Sache einen Schritt näher. Ich probiere mal eine weitere Variation:

    Nehmen wir an, jemand kommt mit einer schweren Krankheit zu einem Arzt, der Naturheilkunde praktiziert. Bei der Anamnese ergibt sich, dass der Patient die selbe Krankheit schon ein Mal hatte, sie aber geheilt wurde. Z. B. durch eine Operation oder durch die Gabe von konventionellen Arzneien. Ich bin kein Arzt, glaube aber sagen zu können, dass ein Naturmediziner in dem Fall eventuell behaupten würde, dass die konventionelle Therapie lediglich die Symptome überdeckt hat, aber nicht die Krankheit geheilt hat. Das mal zur Einleitung, jetzt gehts gleich wieder um Politik.

    Wir haben zwei historische Abläufe, die einander sehr ähnlich sind. Einen kennen wir detailliert (die Geschichte der 30er/40er Jahre und der 2. Weltkrieg) in einem stecken wir mittendrinn. Beide Male annähernd das selbe Schema:

    – Erst eine Wirtschaftskrise
    – Einige Jahre später werden „politische Extreme“ (egal ob links oder rechts) wichtiger als „gemäßigte“ Parteien.
    – Autoritäre Führer kommen an die Macht.
    – Nationalismus und Protektionismus halten Einzug in die Politik, Minderheiten werden zu Sündenböcken.

    Falls der Schluß von einer Einzelperson zu einem historischen Ablauf Sinn macht, könnte ich jetzt sagen, dass wir (also die Weltbevölkerung) irgend etwas nicht gelernt haben und den Prozess jetzt so lange wiederholen müssen, bis wir das was wir nicht sehen wollen (also den Schatten) befreien und integrieren. Das meinte ich mit der „eingekerkerten Energie“ im ersten Beitrag.

    Falls meine Analogie überhaupt Sinn macht, gibt es aber immer noch einen, großen Unterschied: Der einzelne Kranke kann zum Arzt gehen und – wenn die Schulmedizin nicht hilft – immer noch für eine naturmedizinische Behandlung entscheiden. Die „Weltbevölkerung“ kann nicht „zum Arzt gehen“. Weder hat sie eine gemeinsame Stimme, noch gibt es einen Therapeuten, den man konsultieren könnte. Ganz im Gegenteil: Von Trump über Clinton, Bernie Sanders, Attac, Merkel, Hinz, Kunz, Mark Zuckerberg bis hin zu Le Pen meint ohnehin jeder zu wissen, was jetzt am besten ist. Selbst wenn es eine Therapie gäbe: Wer entscheidet, ob/ wie sie anzuwenden ist? Wie macht man als Kollektiv also Schattenarbeit?

    Da ich selbst bereits viele energetische Heilungen erlebt habe, stehe ich dieser Möglichkeit sehr offen gegenüber. Deshalb habe ich meine Idee eingebracht, dass eine größere Gruppe von spirituellen Heilern positiv auf das System einwirken könnte. Falls diese Idee denn überhaupt Sinn macht, hätte sie den Vorteil, dass sie nicht an ein politisches Weltbild gebunden ist. Heilenergie heilt einfach, sie debattiert nicht.

    Das Thema ist aber ziemlich komplex und hier ist wohl auch nicht der richtige Ort um in die Tiefe zu gehen. Bei der Verschriftlichung einer Idee geht zudem ohnehin viel verloren, echte Diskussion ist an zeitnahen Gedankenaustausch gebunden. Man kann an dieser Stelle lediglich ein paar Ideen skizzieren und sehen, ob andere Menschen ähnliche Ansichten haben. Falls ja, müßte man sehen, wie man mit der Idee weiterarbeitet. Falls also jemand hier an meinem Vorschlag irgendetwas Positives findet, freue ich mich, weiter zu machen.

  11. Hallo Raphael,
    danke für die guten Ideen, die historischen und heilerischen Bezüge und Vergleiche – für mich gut nachvollziehbar. Sprache vergröbert, klar. Trotzdem gut, danke.
    Grüße
    Wolf

  12. Hallo Sugata,
    freu mich immer wieder über deine ‚Schreib-Aktivitäten‘ – und manchmal denke ich daran, wie wir 1986 in München in deinem Wohnzimmer die Connection ‚gemacht haben‘.
    Morgens ‚Vertrieb‘, mittgs mit Massage Geld verdienen, und abends am Computer schreiben ‚dürfen‘ – what a relief nach dem Artikelschreiben auf der Schreibmaschine! Da bin ich eine richtige Zeitzeugin!
    Noch heute bin ich dankbar für diese Zeit und das ‚Schreiben meines Artikels ‚einmal Bardo und zurück‘ auf der damals ’sehr großen Computer-Kiste‘, 1986. Sie war ein ‚Ungetüm‘ verglichen mit dem Laptop heute. Ab und zu stürzte sie aus unklaren Gründen ab und blieb stumm. Du fuhrst nachts Taxi, und am Tag war die Connection dran. Viele deiner Freunde halfen mit, es war eine tolle Zeit…
    Heute will ich dir ein Kompliment machen für deine eloquenten Ergüsse, deinen Humor, den Ausdruck, die Schlagfertigkeit, Klarheit und Intelligenz…
    Jetzt gerade für deine Äußerungen und Stellungnahmen zum ‚amerikanischen Thema‘, mit dem ich auch mit ‚USA-Spirits‘ im Austausch bin.
    Super interessant und so klar, was du dazu äußerst.
    ‚Sei die Veränderung‘, dafür bist du ein leuchtendes Beispiel, damals wie heute! Wie so wie viele von uns!
    Und denen, die die gern was zu meckern finden, rufe ich zu: Sein mal DA-FÜR – FÜR etwas, das nimmt den Wind aus den Segeln des ‚dagegenSeins‘ und bündelt die Energie.
    Verbunden in Herz und Seele grüßt dich über Jahre und Äonen
    Shanti Viviane

  13. Hier noch ein Zusatz zu meinem Kommentar heute
    IT’S ALL A DANCE IN THE O N E !

    https://www.youtube.com/watch?v=lm4cYSSSgYo&list=PLlewoFqI6rBzod-Zyo79njBHYarDwA2oM&index=41 Satyaa & Pari ‚ONE TO ONE WITH LIFE‘

    Shanti Viviane

  14. Wann endlich, Wolf, erkennst Du Deinen eigenen Schatten und dessen Widerspiegelung. So grossartig Du einerseits daherkommst, so naiv andererseits. Du redest, als hättest Du die Initiation weg von der Mutter noch nicht durchlebt und die bundesrepublikanische Konditionierung der Schuld noch nicht alchimiert. Wer sich in solch hohen Höhen bewegt, sollte dies aber getan haben.

    Es wirkt als hättest Du noch immer nicht durchschaut, was Gut und Böse wirklich sind. Als hättest Du Parzifal’s Reise nicht beendet bzw. den Gang durch die Unterwelt. Stelle dem König eines Tages, wenn Du bereit bist, die Frage „waz wirret Dir?“ Tu dies ohne jedes Wissen und sei endlich bescheiden genug, durch das Nadelöhr gehen zu können.

    Du hast auf meine bisherigen Mails mit keiner Silbe geantwortet, was mir aufzeigt, daß Du nicht verstehst.

    Trotz alledem beste Grüsse an Dich, Wolf – welch Beziehung ich aber auch mit Dir hab – nie gesehen, viel geliebt, verfemt, weil zu ehrlich – da steckt ja auch alles drin.

Dein Kommentar zu: Sei die Veränderung! (Rundbrief Nr. 150)

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