Rundbrief Nr. 146 vom August 2016

Liebe Freunde,

der August ist fast vorüber, da ich aber morgen wieder mal auf Reisen gehe (Nürnberg, Berlin, Jena) jetzt nochmal ein Rundbrief. Zunächst mit einem Rückblick auf das Heartbeat-Festival, das heuer noch schöner war als voriges Jahr. Auf deren Facebookseite findet ihr Fotos und Filme von einigen der Events, fotografiert von Markus Reck. Auch nächstes Jahr wird das Heartbeat-Festival wieder auf Schloss Buchenau sein, und zwar vom 23. bis 27. August, und ich werde wieder sehr gerne dabei sein.

Eintauchen und auftauchen

Ein Thema, das mich dort, wie auch schon früher, sehr beschäftigt hat, ist die Fähigkeit von uns – den Teilnehmern wie den Anbietern solcher Events –, sich auf die dortigen Ereignisse und Menschen einzulassen, ohne so sehr daran zu haften, dass wir dann nur schwer wieder davon loskommen. Die Begnungen dort sind auch ohne psychotrope Substanzen so rauschhaft und ekstatisch, dass es nicht leicht ist, währenddessen ‚bei sich‘ zu bleiben. Manche sagen danach sogar: Ich möchte mich nie wieder so tief einlassen, nie wieder so ekstatisch, so überglücklich sein, weil es dann so wehtut, wenn es zu Ende ist. Das gilt speziell für Bindungen an Menschen, die sich dort ergeben können, aber auch Bindungen an anderes. 

Nach der Ekstase kommt immer eine Ernüchterung, und dann die Frage: War es das wert? Ein sehr menschliches Thema. Ich habe darüber gerade für die Herbstausgabe der buddhistischen Zeitschrift Ursache&Wirkung geschrieben und entwickle Strukturen, wie das sich Einlassen zu einer tiefen, erfüllenden Hingabe werden kann ohne den Kater danach. Wie können wir lieben und dabei frei bleiben? Verbunden sein und doch frei, das ist das Ziel. Und eigentlich ist es kein Ziel, sondern eine Erkenntnis, dass das so ist: Wir sind verbunden und frei. Und wir können uns dessen bewusst werden.

Konflikte lösen

Nicht nur in der Politik gibt Konflikte, auch im Privaten. Wie entstehen sie, und wie kann man sie lösen und Frieden schaffen? Wer sich leicht tut im Verstehen des Englischen (hier: Amerikanischen) wird mit dem hier verlinkten Film (5 min) über die Eagles und Rattlers (Adler und Klapperschlangen) was anfangen können. Amerikanische Psychologen hatten im Jahr 1954 eine Jungengruppe in zwei geteilt, ihnen ’Stammesamen’ gegeben (»Adler« und »Klapperschlangen«), und sie Situationen ausgesetzt, die sie gegeneinander in Kampfstimmung brachten und dann, in einem zweiten Schritt, anderen Situationen ausgesetzt, die sie zur Versöhnung brachten. Man sieht hier, wie leicht Menschen gegeneinander aufzuhetzen sind, aber auch, was man tun kann, damit sie wieder Frieden schließen. 

Mich hat das auch sehr an das berühmte Stanford Prison Experiment (14 min) erinnert. Mich schaudert noch heute beim Zusehen, wie leicht sich diese Studenten von einer der US-Elite-Universitäten durch eine willkürlich geschaffene Rollenzuweisung zu grausamen Unterdrückern machen ließen – und ebenso erregt es mich, wie sehr eine Einsicht in diese Vorgänge helfen kann, Frieden zu schaffen. 

Jetzt wieder was Schönes, und auf Deutsch: Ein kleines (knapp 3 min) Filmchen über die Suche nach einem Radl, von den Filmemachern »Sunshinevikings« aus unserem Landkreis: Anke Lichtmann, Stefan Spieske, Lorenz Wiedemann, mit den Asylbewerbern und dem Helferkreis Niedertaufkirchen.

Termine

Am WE 3./4. September bin ich auf Entheo-Konferenz, vom 28. September bis 3. Oktober auf dem Herbstfestival des BeFree Instituts auf Gut Frohberg bei Dresden. Außerdem gibt es demnächst zwei Humorworkshops von mir: Am 16. Oktober in München, im Ya Wali (Sufi)Zentrum in Haidhausen einen Tagesworkshop von 10 bis 17 h zum Thema »Das Komische an der Tragik« (80 €), und im Connectionhaus vom 28. bis 30. Oktober den Kurs »Sei dir selbst ein Witz« (160 €). Hierzu auch meine Blogeinträge über Radikalen Humor, über Humor ist erlernbar und die Videoblogs über Humor als Weg der Befreiung und das Esoterik-Kabarett

Mit herzlichem Gruß

Wolf

schneider@connection.de

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Diskussion zu: Rundbrief Nr. 146 vom August 2016

  1. Mir war dieses sehr frühe Experiment mit den Jungs nicht bekannt, was darauf hindeuten kann, dass es in der breiten Bevölkerung auch nicht ist. Es gehen Erkenntnisse verloren, weil sie nur Spezialisten, meint Soziologen kennen und sie nicht wie zu unserer Zeit des Internets flächendeckend verbreitet worden sind.
    Es bietet sich ja nun eine Chance, das nachzuholen, aber auf welchen Kanälen? Da es 1000 unterschiedliche Stimmen und „Kanäle“ gibt, wird die Stimme nicht wahrgenommen oder überhört. In der Schule diesen Film vorzuführen halte ich für nicht zielführend, da die Brisanz des Materials nicht vermittelbar sein dürfte.

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