Rundbrief Nr. 144 vom Juli 2016

»Würde der Buddha heute lehren, würde er die Identitätssuche zum Zentrum seiner Botschaft machen.«—Wolf

Liebe Freunde,

eigentlich wollte ich darüber nicht schreiben, aber da es »alle Welt« beschäftigt, tue ich es nun doch. Wer sich dieser Tage Nachrichten reinzieht, dem scheint es einen »Ausbruch von Gewalt« zu geben, verursacht von IS-Sympathisanten oder -Mitläufern, genannt »Terroristen«, oder von Amokläufern, die – ähnlich dem Norweger Anders Breivik vor fünf Jahren – ihr Bedürfnis, ein bedeutsamer Mensch, ein Held zu sein, durch eine medienwirksame Gewalttat zu verwirklichen suchten. 

Weiter unten in diesem Rundbrief findet ihr ein paar Links zu Analysen, die Kontext und Tatmotive dieser sogenannten Terroristen oder Amokläufer zu verstehen helfen, besonders die zu Schulte von Drach, Katherine Vinder und (den Nahen Ostern betreffend) Robert Fisk.

Wie gefährdet sind wir?

Wir sind heute jedoch weniger denn je gefährdet, von einem Gewalttäter angegriffen und verletzt oder gar getötet zu werden, als je in der Geschichte der Menschheit. Das gilt ganz sicher für Deutschland, vermutlich auch für Europa, je nach verglichener Periode wohl auch für die ganz Welt. Menschen sind manchmal gewalttätig. Leider ist das so, und wie wohl die meisten von euch meine auch ich, dass das, wo immer möglich, verhindert werden sollte. Aber es ist nicht schlimmer denn je. Im Gegenteil, wir sind heute sicherer denn je. Aufgrund der besonderen Möglichkeiten medialer Darstellung, von Handy-Filmen, die (nahezu oder ganz) in Echtzeit im Internet zu sehen sind, von Twitter und Facebook, und auch dank der Schnelligkeit der traditionellen Medien sind wir heutzutage ganz nah dran am Geschehen. Bevorzugt: am schrecklichen Geschehen. Es ist, als würde es im Nachbarhaus passieren. 

Selektive Wahrnehmung

Die sich daraufhin unter uns Mediennutzern massenhaft ausbreitende Angst beruht auf dem, was Psychologen »selektive Wahrnehmung« nennen. Erstens wird über Schreckliches viel öfter und ausführlicher berichtet als über Erfreuliches, es liegt den Entscheidern in den Medien hierüber also mehr Material vor. Zweitens gewinnen Medien, die dieses Material unseren Ängsten gemäß aufbereiten (Sensationalismus) wirtschaftlich gegenüber denen, die das nicht tun. Drittens bleibt das Schreckliche gegenüber dem Erfreulichen in unseren Gedächtnis eher hängen, auch hier wieder wirkt die selektive Wahrnehmung. Der Film wird eben im Schnitt gemacht, dieser Spruch von Filmcuttern passt hier wieder mal. Was wir im Gedächtnis behalten und was unsere Gefühle bestimmt, ist weniger als ein Millionstel dessen, was wir über unsere Sinnesorgane von der Welt aufnehmen, und wir geben bei dieser Auswahl dem Schrecklichen Priorität. Was evolutionsbiologisch leicht zu verstehen ist: Die Priorisierung von Gefahren war jahrzehntausendelang ein Überlebensvorteil. Die heutige mediale Darstellung des Gefährlichen priorisiert es allerdings auf eine Weise, die nicht mehr unser Leben und Überleben bessert.

Was tun?

Was können wir dagegen tun? Erst einmal das: Wir sollten verstehen, wie wir funktionieren; wie unsere die Wirklichkeit verzerrende Weltwahrnehmung funktionert. Zweitens, nun die Außenwelt betreffend: Wir sollten verstehen, wie politische und religiöse Überzeugungen und die auf ihnen basierenden Machtstrukturen zustande kommen, und was demgegenüber wirkliche Religiosität, Spiritualität, politische Reife und Weisheit ist. Wenn mehr als nur ein Prozent der Menschheit das (beides) verstehen würde, behaupte ich in meinem unerschütterlichen Optimismus, würde das unsere ganze Weltkultur umkrempeln. Es wäre disruptive, das Bisherige unterbrechend (ein Lieblingsword der heutigen Innovativen), und zwar in einer guten Weise.

Die Hoffnung auf solche positive Disruption hat meinen kleinen Verlag 30 Jahre lang am Leben erhalten, leider bisher noch ohne damit eine Weltrevolution auszulösen. Aber es gibt ja jetzt dieses Blog…, das ihr weiterempfehlen dürft. Wer es (oder wenigstens diesen Rundbrief) schon abonniert hat: Schau’ bitte auch mal auf leben-mit-fluechtlingen.de. Auch dort gibt es immer mal wieder neue Einträge, auch die kann man abonnieren (per RSS-Feed). 

Tanzfest, Heartbeat, Entheo und BeFree

Hier ein paar Hinweise für diejenigen, die nicht nur lesen, sondern auch nonvirtuell leben wollen (den Pokemon Go Fans gelingt das ja immerhin schon ein bisschen). Am 5. August gibt es wieder ein Tanzfest im Connectionhaus, wo wir mit Flüchtlingen friedlich zusammenleben und uns ab und zu eine Tanzparty gönnen. Einlass 19.30 h. Musik von 20 bis 23 h. Eintrittspende 5 €, ermäßigt 2 €. Getränke gibts bei uns an der Bar. Kinder willkommen! Diesmal wird auch mein sechsjähriger Sohn Valentin dabei sein.

Vom 10. bis 14. August bin ich auf dem von Angela Raymann organisierten Heartbeat-Festival auf Schloss Buchenau am Nordrand der Rhön und gebe dort einen Humorworkshop und einen (»Höhenflüge und Landungen«) über Beziehungen und den »Nestbau im Niemandsland«. Solche Feste sind eine wunderbare Gelegenheit, Menschen in die Augen zu schauen und dort das Strahlen der Liebe zu sehen, den Himmel auf Erden! (Angela hat mir gestern diesen Link geschickt.)

Am WE 3./4. September bin ich wieder mal in Berlin, diesmal auf der von Joe Schraube veranstalteten Entheo-Konferenz, in der es um das Göttliche geht (theo), die Transzendenz, der wir uns – auch – mit Hilfe von Substanzen nähern können. Falls wir klug damit umgehen. Dort gebe ich einen Kurzvortrag über die Gestaltung von Realität in unseren Gehirn & Verstand (brain & mind) und moderiere einige der dortigen Veranstaltungen. 

Vom 28. September bis 3. Oktober bin ich auf dem Herbstfestival des BeFree Instituts auf Gut Frohberg bei Dresden. Regina Heckert hat mich eingeladen, während dieses tantraklösterlichen Retreats ein paar Stunden die wilden Männer anzuleiten und außerdem noch was Kabarettistisches zu initiieren. Gemeint ist damit die Fähigkeit, sich selbst auf die Schippe zu nehmen – physikalisch ist das unmöglich, wie ihr wisst, aber wir sind ja spirituell ????.

Humor ist erlernbar

Noch mehr zum Thema Humor gibt es am 16. Oktober in München, im Ya Wali (Sufi-)Zentrum in Haimhausen, in einem Tagesworksho von 10 bis 17 h. Da könnt ihr euch sieben Stunden lang der Fähigkeit widmen, euch selbst und die Nervensägen aus eurer Umgebung leichter zu nehmen. Der Trick dabei ist: Sei dir selbst ein Witz! Dann hast du immer was zu lachen. Bitte hierzu unbedingt deine Ernsthaftigkeit mitbringen – gerade an diesem Tag, in diesem Kurs darf keiner das Wichtigste zuhause lassen. Wem ein Tag nicht reicht (»Übernacht kehrt das Ego zurück«, wusste schon der weise Fui Peng), kann gleich den Humorworkshop im Connectionhaus vom 28. bis 30. Oktober buchen. Zu beiden Workshops findest du am Ende meines Blogeintrags über Radikalen Humor die Daten. 

Heilung und Wahrheit

Meine monatliche Kolumne bei KGS Berlin handelt diesmal von Selbstheilung. Zu denken, der Arzt oder die vom Heiler empfohlene Methode würde mich heilen, ist naiv und gibt zu viel Verantwortung ab. Ebenso unvollständig ist auch das andere Extrem: Ich schaffe das alleine! Meine Selbstheilungskräfte schaffen das, ich muss nur echt und tief daran glauben. 

Und jetzt wieder politisch. Der Text, auf den ich hier verweise ist lang und auf Englisch, aber sehr lohnend zu lesen. Es ist ein Essay über Wahrheit, von Katherine Viner, der Chefredakteurin des Guardian. Donald Trumps Erfolg mit seinen dreisten Lügen und die geschlossenen Wahrnehmungsblasen mancher Internet-Communities geben ihr Anlass zu Gedanken über die heute übliche Geringschätzung von recherchiertem Wissen. 

Die dunkle Seite im Mann

Donald Trump als dunkler Gegenspieler von Barack Obama kommt auch in meinem Text über eine tiefe Erfahrung mit meiner eigenen Fähigkeit zur Gewalt vor, den ich für die Sommerausgabe der Schweizer Zeitschrift Spuren geschrieben hatte. Ich habe ihn jetzt, leicht verändert und ergänzt, unter »Männliche Kraft« in mein Blog gestellt. Spuren enthält seit einiger Zeit in jeder Ausgabe einen Text von mir, und – versprochen! – auch Nicht-Schweizer dürfen diese sehr empfehlenswerte Zeitschrift abonnieren.

Erfolg? Denkste …

Mit meinem alten Verlegerfreund Martin Frischknecht, dem Herausgeber von Spuren, tausche ich mich übrigens alle paar Wochen in einem öffentlichen »vierhändigen« Dialog aus, den wir »die Spuren-Connection« nennen. Diesmal ist es ein Austausch über unsere Glaubenssätze über Geld und Geschäftliches,und wie diese mit unseren (verlegerischen) Erfolgen und Misserfolgen zusammenhängen.

Das Schlamassel in Nahen Osten

Sehr bewegt hat mich auch das Interview mit Robert Fisk (vom 4. 12. 15) über die Kämpfe im Nahen Osten und die Haltung des Westens hierzu (40 min, auf Englisch). Fisk ist ein exzellenter Kenner des Nahen Ostens und stellt in diesem Interview u.a. die spannende Frage nach der psychosozialen Wirkung der Tatsache, dass seit ein paar Generationen die säkularen Gesellschaften des Westens die Gesellschaften der Gottgläubigen in den islamischen Kulturen dominierten, obwohl die doch glauben, dass »Allah akbar« (also »der Große«, gemeint ist: der Stärkere) ist. Fisk wird übrigens auch von meinen syrischen Mitbewohnern als verlässliche Quelle empfohlen. Sie sind, ebenso wie Fisk, überzeugt, dass die Türkei, Katar und Saudiarabien den IS unterstützen und dass, so lange diese Unterstützung aufrecht erhalten wird – auch vom Westen – der »Kampf gegen den IS« nur eine Show ist, die für die Dummen angeführt wird.

Identitätssuche

Auf sz.de stand dieser Tage eine kluge Analyse (nur Text), von Markus Schulte von Drachwie identitätsuchende Jugendliche zu Mördern werden und sich dabei als Helden fühlen, die sich für eine gute Sache opfern. Wer sich zu diesem wichtigen Thema weiter schlau machen will, findet dort auch Links zu Douina Bouzar, Scott Atran und Ahmad Mansour. Bei Jugendlichen ist der Prozess der Identitätssuche im typischen Fall erschütternder als bei Erwachsenen, aber auch bei Erwachsenen hört er nicht auf. Spirituelle Menschen könnte man definieren als Menschen, für die dieser Prozess nie in einer Erstarrung endet. In meinem Text in der aktuellen Print-Ausgabe (Nr. 97) von Ursache & Wirkung behaupte ich, dass der Buddha, würde er heute lehren, nicht mehr das Leiden, die Ursachen des Leidens und den achtfachen Pfad zum Zentrum seiner Botschaft machen würde, sondern die Identitätssuche.

Die Identitätssuche ist eben überall Thema. Die Welt ist ein komplexes Gebilde, aber hätte ich nur auf einen Punkt zu verweisen, der Lösungen und Auswege verheißt, der zu Weisheit, Mitgefühl und Liebe führt, wäre es dieser: Identität! Verstehe, wer du bist. Verstehe die Ich-, Wir- und Ihr-Strukturen, die Identitäten von einzelnen Menschen und Gruppen von Menschen. Identitäten haben ihre Geschichte, sie sind historisch entstanden. Wer sie versteht kann sie gestalten, ähnlich der Art, wie ein Romanautor seine Figuren gestaltet. Allein? Nein, kokreativ. Wir sind ja vernetzt, eingebunden, connected. Bei dir selbst und deiner nahen Umgebung hast du – dein ebenfalls gestaltetes und gestaltbares Ich – mehr Einfluss auf die Gestaltung, je größer der gesellschftliche Rahmen, umso weniger. 

Wir, also diese Ichs, sind zwar in gewisser Hinsicht die Schöpfer unserer Wahrnehmungsfilter, aber nicht die einzigen Schöpfer »der Welt da draußen«. Zu verstehen, wie Identitäten entstehen, hilft, sie mitgestalten zu können.

Mit herzlichem Gruß

Wolf

schneider@connection.de

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Diskussion zu: Rundbrief Nr. 144 vom Juli 2016

  1. Lieber Wolf,

    es ist immer!!! wieder erfreulich, Deine Berichte zu lesen. Du fasst die Weltgeschichte/ Entwicklungen mit Deinem Lebens- Know How auf allen Niveaus so gut in Worte und ‚drückst‘ aus, worum es wirklich geht,
    Deine in Worte gefassten Lebensweisheiten resonieren und tun Gutes in mir und ich glaube in ganz vielen Menschen.

    Danke, dass Du immer wieder weiter machst und Dich in Deinem Menschsein so im Weltgeschehen beteiligst.

    Love to you und bis immer wieder…..

    Silke

  2. Super Text zur selektiven Wahrnehmung bzgl all der Tragödien die in dieser ko(s)mischen Komödie halt (leider) ebenfalls immer wieder geschehen.

  3. Ja, Sugata , deinen Text finde auch ich gut. Vor allen Dingen der vorangestellte Gedanke was der heutige Inhalt von Buddhas Lehre sei und deinem folgenden Text. Ich würde sagen, das ist der Inhalt des Menschen, der alle Aspekte menschlichen Seins in sich integriert hat – in anthropomorphen Formen stecken wir alle, darauf sollte sich niemand etwas einbilden. Dieser Raum dazwischen hat in mir etwas erzeugt.

    Auch deine Beobachtung, dass die Schnelligkeit der Übermittlung von Nachrichten und der Person die dies aufnimmt, als unmittelbare energetische Realität in sich „einbildet und einbaut“. Klasse. Was sich schnell vermittelt, kann nur in meiner Umgebung sein. Wird zu meinem Ich. Ganz rasch geschieht dies bei der physischen Reiz/Schmerz oder Sensationsübermittlung.

    Wir sind heute jedoch weniger denn je gefährdet, von einem Gewalttäter angegriffen und verletzt oder gar getötet zu werden, als je in der Geschichte der Menschheit.
    Von welchem Gewalttäter schreibst du? Von der gesellschaftlichen Kondition, die ständig fast nicht spürbar das Empfinden für das in uns wohnende Sein angreift, verletzt und auch tötet oder das, was explodiert, weil es nicht mehr spürt?

    Mir wurde etwas klar. Ganz offensichtlich sind wir interaktive, kommunikative Wesen. Ohne Interaktion, ohne Reizübermittlung findet nichts statt. Also Broadcast, Nachrichten, Sender/Empfänger, das alles ist zutiefst wesentlich, es findet immer in uns statt auf allen Ebenen.
    Mir stellte sich die Frage, welche Nachrichten möchte ich hören und woher kommen sie?
    In dieser Zeit sah ich ein Video eines Satsangs mit meinem „Lehrer“ oder das weiteste Echo dessen was ich selber weiß, und mir fiel auf, dass da einer sitzt, der ist so still, dass die Nachrichten ankommen können, (eigentlich ist es ein Öffnen ins Form- und Namenlose das im jeweiligen Strickmuster des Menschen Form wird). Sie kommen nicht von dieser Welt, sondern, wenn sie integriert würden in dieser Welt, dann würden sie eine neue Welt gestalten. In diesem Prozess wird viel vom Tisch fallen; nicht alles, was auf dem Tisch steht wird gebraucht.
    Und, ganz entscheidend für mich: Da saßen Menschen im Satsang, die fragten und diese Fragen waren bezogen auf etwas, das sich in ihnen ereignete. Wie Klasse ist das denn?

    Mir wurde durch deinen Text bewusst, wie sehr mich diese Nachrichten in TV und Radio nerven, schon lange ist das so. Dieses Zugeballere mit Informationen. Nur lautes, ablenkendes, hysterisches Gequake ohne jeden aufklärerischen Gehalt und ohne echtes Fundament.
    Was mir gut tut: Ich schaue immer wieder mal Videos mit Satsanglern oder anderen Menschen, die die Kosten für den Preis nicht gescheut haben ein eigenes Leben zu führen.
    Ich muss es nicht immer verstehen, aber was ankommt, wird von den mir innewohnenden Sinnen aufgenommen und weitergeleitet. Irgendwann kommt es im fühlenden, denkenden, handelnden Sein an. Das ist für mich wesentlich.

  4. Liebe Barbara,
    Satsang kann ein tiefes Eintauchen ins Form- und Zeitlose sein. Was wir an Nachrichten von der Welt über die Medien bekommen, ist aber nicht alles schlecht. Manches davon ist in guter Weise aufklärend, erhellend, lehrend, klärend. Vieles ist zu sehr hypnotisierend, das meinst du wahrscheinlich mit ‚Zugeballere‘. Vieles ist unnötig ängstigend; gerade jetzt, in diesem Sommermonaten, gibt es viel Angstmache, weil das wieder mal irgendwem nützt. Unterscheidungsvermögen ist in der Mediennutzung ebenso wichtig wie bei der Auswahl des spirituellen Lehrers.
    LG
    Wolf

  5. „Unterscheidungsvermögen ist in der Mediennutzung ebenso wichtig wie bei der Auswahl des spirituellen Lehrers.“
    Ich habe mir meinen spirituellen Lehrer nicht ausgewählt und ich hoffe auch, dass das niemand tut. Es hat mich erwischt, ich habe vertraut so wie ich noch nie jemandem vertraut hatte, dieser Samen des Vertrauens wächst in meinem Herzen und befreit im gleichen Maße wie er wächst in meinem Herzen meinen Geist von der Eigenart sich in starren Gedankenmustern abzulegen. Ein offenes, weiches, „atmendes“ Herz macht den Geist frei zur differenzierten Wahrnehmung. Er ist dann nicht mehr damit beschäftigt und abgelenkt sich ein Zuhause von Ideologien zu basteln. Er wird gestärkt im Herzen und bekommt von dort immer ein eindeutiges Ja oder Nein.
    Für mich ist der oder die spirituelle Lehrer/in jemand der mehr liebt als ich selber und das kann ich nur lieben und darin hineinfallen tiefer und tiefer und mich darin Stück für Stück entwickeln.
    Liebe (zur Bereitschaft) ist für mich die ehrlichere und stärkere Kraft als die Auswahl.

  6. Liebe Barbara,
    das hast du sehr poetisch ausgedrückt. Dann ist es eben dein auch wenn es „etwas in dir“ ist, dass da den spirituellen Lehrer aussucht bzw. mit ihm in Schwingung gerät, sich fallen lässt, aber du möchtest dich mit dem nicht identifizieren, das nicht dein Eigen nennen, was da in Resonanz geht.
    Ist es auch mit der Mediennutzung so? Oder … könnte es nicht auch dort so sein, dass Kopf und Herz zusammenkommen und gemeinsam eine Auswahl treffen bzw. mit den inneren Qualitäten in Resonanz gehen?
    Jedenfalls ist nicht die eine Variante die ehrlichere, wie du sagst, und die andere entsprechend die unehrliche. Auch dein Nicht-Wählen-Wollen ist ja ein Wählen: Die ziehst eben diese Art der Steuerung deines Lebens der anderen vor, bzw. etwas in dir zieht die vor.

  7. Lieber Sugata,
    was das Zusammensein mit einem spirituellen Lehrer betrifft, verwende ich lieber Begriffe wie Treffen, Verschmelzen, Wachsen, Bewegen, Präsenz. „Eigenes“ und“ Wählen“ kommt mir in diesem Zusammenhang vor, wie den Wellengang des Meeres mit einer Barke steuern zu wollen.
    Ein Wählen gibt es nicht aus meiner Sicht und das Hin und Her Erwägen eines Inhalts vor der sogenannten Wahl sind Gefühls- und Gedankenschleier hinter denen sich längst die eigene Wahrheit befindet.
    Mediennutzung: hätte, wäre, wenn …nicht nur der Sender bestimmt die Qualität der Nachrichten, auch und ganz besonders der Empfänger tut dies.“ Du und noch ein paar andere Leute leben und denken in einem größeren Kontext sind interessiert, intelligent, gebildet, beweglich, bewusst und nehmen Nachrichten in ihrem Bewusstsein auf.
    HR1-Nachricht: Feuer brach aus in einem Rinderstall. Die Tiere flüchteten aus den Ställen und, weil sie außerhalb keine gewohnte Unterkunft fanden, liefen sie wieder zurück und verbrannten.
    Eine ziemlich tiefgreifende Nachricht, finde ich.
    Informationen machen nicht bewusst, Nachrichten machen nicht bewusst und um´s Bewusstsein geht´s doch, oder nicht?
    Die Frage ist für mich: Was macht uns wirksam bewusster? Was macht(e) dich wirksam bewusster?
    Auch ich sehe die Dinge optimistisch: Kali wird´s richten.
    Liebe Grüße Barbara

  8. Die aus dem Rinderstall fliehenden Rinder, die dann zurückkehrten … gruselig. Da muss den Nachrichtenredakteur des HR doch schon eine gewisse Einsicht ereilt haben, als er das formulierte. Es besteht Hoffnung!

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