Rundbrief Nr. 139 vom April 2016

»Hier entsteht ein transkulturelles Zentrum für die Begegnung auch mit unseren eigenen Fluchten und Beheimatungen«—Wolf

Liebe Freunde,

im Connectionhaus baue ich gerade mit Henriette Beck und Liane Kirschner ein transkulturelles Zentrum auf für die Begegnung mit Flüchtlingen. Das heißt, für die Begegnung mit unseren ausländischen Mitbewohnern, aber auch auch für die Begegnung mit uns Einheimischen selbst, mit unseren Fluchten und Beheimatungen. 

Kulturcafé

Im Rahmen dessen wollen wir im Connectionhaus im Juni ein Kulturcafé eröffnen, das jede Woche Do und Fr geöffnet sein soll (Do 17-22 h, Fr 15-22 h). Jeder Tag, an dem es geöffnet ist, soll ein Kulturprogrammpunkt enthalten, sei es Musik, Vortrag, Diskussion, ein kulinarisches Event, die Präsentation einer Sprachkultur (arabisch, persisch), die Herausforderungen des Zusammenlebens in Gemeinschaft (Hausgemeinschaft, Dorfgemeinschaft, Paarbeziehung) und was uns an Kulturellem und Transkulturellem sonst noch einfällt. Wer dazu etwas beitragen will, bitte eine kurze E-Mail an mich.

Theater

Zwischendurch führen mich Reisen in verschiedene Teile Deutschlands, am liebsten verbunden mit Schreib-Aufträgen, Theater oder Humorworkshops. So fuhr ich am 20. 4. nach Wiesbaden, wo ich zwei alte Freunde und Coop-Partner traf: Johannes Galli und Advaita Maria Bach, über die ich für das Wiesbadener Stadtmagazin Sensos schreibe. Johannes Galli ist jetzt wegen Diabetes blind, sitzt im Rollstuhl, ist aber ungebrochen kreativ. Hier ist das Interview, das der NDR am 21. 12. 15. mit ihm geführt hat. Mit Advaita habe ich auf dem Animovida Festival 2015 Improtheater gespielt, was uns und den Zuschauern so viel Spaß gemacht hat, das wir das demnächst am Galli-Theater Wiesbaden fortsetzen möchten.  

Humor heilt

Vom 16. bis 19. Mail bin ich auf dem Pfingstfestival des Ökodorf-Instituts (es beginnt am 13. 5.), in der Gemeinschaft Maibacher Schweiz im Taunus. Dort spiele ich eine neue Variante von »Alles ist eins – und noch eins drauf«: ein satirischer Blick auf den Sucher, der nicht findet, denn nach jedem Höhenflug gibt es eine Landung, und auf jede Ekstase folgt ein ‚Montag danach‘. Motivationstraining, Kundalini-Erweckung, Tantra, Channeling, Quantenheilung und Satsang, alles wird achtsam und nachhaltig durch fair gehandelten Bio-Kakao gezogen. 

Außerdem zeigt ein Humorworkshop wie man anders mit Konflikten umgehen kann und sich locker auch gewagten Utopien annähert. Ein Vortrag über das Connectionhaus zieht ein Fazit aus 25 Jahren »intentionale Gemeinschaft« und erzählt, wie ein ‚transkulturelles Gemeinschaftleben‘ mit 16 Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan aussehen kann. 

Tanzen mit den Flüchtlingen

Kommenden Samstag, am 30. April, gibt es bei uns wieder ein Tanzfest, jetzt mit 2 € Eintrittspende für Flüchtlinge, 5 € für Einheimische. Diesmal ist Devendro aus Heidelberg unser DJ, der sich auf unserem Frühjahrsfest 2015 einen Ruf als megastarker DJ erworben hatte. Damals konnten unsere Gäste bis 2 h nachts nicht aufhören zu tanzen, so gut war die Musik, und sie wird wieder westlich-orientalisch sein. Es ist diesmal die Nacht vor dem 1. Mai, also die Nacht vor dem Wonnemonat, in der nach christlich-heidnischer Tradition die Hexen einen »Heidenspaß« hatten. Einlass ist ab 19 h. Bisher ist die Musik geplant für 20 bis 23 Uhr, diesmal wegen der Mainacht bei Bedarf dehnbar bis maximal 2 Uhr. Getränke gibt’s zu günstigen Preisen an der Bar. 

 

Aktuelle Texte von mir online: 

• Mein 5. Chat mit Martin Frischknecht über das Zusammenleben mit den Flüchtlingen.

• In der April-Ausgabe von KGS-Berlin schreibe ich über Tu was oder sei still! und betone wieder einmal, dass wir eine neue Aufklärung brauchen.

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Diskussion zu: Rundbrief Nr. 139 vom April 2016

  1. Lieber Wolf – Du schreibst, wie wohltuend die schnelle Urteilsfähigkeit der syrischen Flüchtlinge ist – das kann ich nachvollziehen.

    Doch geh bitte nicht in die Falle, dies für besser als die Lähmung der Deutschen zu halten. Schließlich ist die Fusion beider Welten der evolutionäre Fortschritt. Aus all deinen Jahren dürftest Du wissen, wo das Problem liegt – im Urteil über andere. Das heisst nicht, daß man sich jedes Urteils enthalten sollte; doch sollte man berücksichtigen was die Essenz ist und wie man wirklich eine bessere Welt kreieren kann.

    Dazu muss man jedes Urteil verlassen und jeden so behandeln, wie es die Essenz verdient – dorthin zu kommen ist eine Reise und hat mit dem Erkennen und Transformieren von Vater- und Mutterwunde zu tun.

    Erst dann sind wir vor einer dunklen Zukunft gerettet.

    Beste Grüsse an Dich – gern wär ich dabei in Niedertaufkirchen – doch ist es so weit von Kassel und ich hab wenig Geld.

  2. Darf ich hier einen Kommentar zum Kommentar geben?
    Ich lese Connection nur sporadisch – die Welt ist so voll von so vielem! Jedoch hat mein Computer mir heute den Kommentar von Herrn Ottmar Straub in die Hände gespült. Plötzlich fand ich in diesen kurzen Bemerkungen genau das wieder, was ich vielleicht schon unbewusst lebenslang suche. Wie die „bessere Welt“, das LEBEN mit bloßer Freude am Leben, endlich für die Welt zurück kommen könnte. Wenn das Wunder Leben wieder ins Bewusstsein rücken würde, dann könnte jeder die Bomben gegen andere vergessen!
    Und wenn mich heute jemand fragt, welche „Religion“ ich habe, dann sage ich inzwischen, meine „private“. Diese ist aus meinen eigenen Lebensvollzügen entstanden. Aus den Erfahrungen, Entbehrungen, Verletzungen, Rettungen und Wundern innerhalb meiner Biografie.
    Eine „Karriere“ fehlt mir. Aber das Glück, leben zu dürfen duch bloße Geburt wurde mir wie Millionen anderer zuteil! Ich gehörte bisher zu jenen Bevorteilten, die ohne Hunger, ohne Armut, ohne Krieg usw. leben durften. Selbst in der Ordnung des sog. „Sozialismus“ fand ich das Wichtigste zum Leben, vielleicht sogar weniger vollgesogen mit ständigem Denken an „mehr Geld, mehr Reichtum, bessere Konsumgüter, usw.) Die soziale Gerechtigkeit war in der DDR größer als jetzt! Und die Regierenden konnten sich nicht heimlich ein paar Milliarden beiseite schaffen wie jetzt die oberen Reichen, die 80 % des Weltgeldes in ihren Besitz gebracht haben, ohne überhaupt eine Verantwortung für Hungernde in der Welt zu entwickeln. Darin liegt so viel Verachtung von LEBEN, welches wir ohne Mütter und Väter noch immer nicht aus Sand oder Metallen herstellen können!
    Dass auch das System der DDR mit Gewalt an bloßer Macht festhalten wollte, ist dasselbe, was jetzt weltweit inbezug auf die Ölreserven, die Kapitalmärkte, die Chefs der Banken durch Zuteilung von Millionen Boni usw. in der Welt läuft. Solange man Waffen produziert, um sich wirtschaflich in Vorteil zu bringen, so lange wird die Welt nicht besser werden als vor zweitausend, dreitausend oder zehntausend Jahren. Für meine „Privatreligion“ benötige ich deshalb zur „Welterklärung“ nur diese eine Geschichte aus der Bibel: KAIN UND ABEL!
    Sie waren „Brüder“ – und trotzdem hat der eine durch das Gefühl, von Gott benachteiligt worden zu sein, heimlich seinen Bruder getötet. Um das bessere Feld in seinen Besitz zu bringen und keinen Konkurrenten mehr zu haben. Ist das nicht „Kapitalismus“ pur? Von Hunger oder Not war zwischen den Brüdern nichts erkennbar. Es ging einfach nur um den größeren Vorteil. Wenn so eine Lage zum Töten berechtigt, ist unsere Welt verloren!

    In einem Vortrag von Eugen Drewermann über „Geld, Gesellschaft und Gewalt“ habe ich diese zwar harte Wahrheit wiederum gehört, doch wenn sich dafür kein Bewusstswein entwickelt, richten wir durch unseren unangemessenen Sinn auf Überkomfort ohne Rückblick auf das Wunder Erde, das Wunder Leben, diese Erde zugrunde. Selbstmord der Menschheit folgt dann dem sinnlosen Morden in Kriegen um die Macht.

    Zuletzt noch ein ganz persönliches Wort: Ich bin mir sehr bewusst, dass das kleine Leben eines einzelnen Menschen kaum mehr als 100 Jahre läuft. Aus einem Koma nach Perfusion eines Aneurysams im Gehirn durfte ich erwachen und nochmals in mein Leben zurückkehren. Damit ist mir doppelt bewusst geworden, dass mein LEBEN UND ÜBERLEBEN ein reines „Gottesgeschenk“ ist. Auch wenn der Rettungsdienst, Professoren, Krankenhäuser usw. daran großen Anteil haben. Ohne diese anderen Menschen würde ich jetzt nicht mehr leben. Ohne meine Mutter und meinen Vater würde ich aber auch nicht leben. Das allein genügt, um andere als mir gleichwertig zu betrachten. Auch wenn sie anders sind, auch wenn ich weiß, dass mein Vater z.B. mit einer Sucht nicht ferig werden konnte und auch ich da hinein gezogen worden bin. Die Anteile, die er mir gab, reichten aus, um zu leben! Er tat, was ihm möglich war, und ich darf jetzt sogar besser leben, woran auch verschiedene „Nächste“ beteiligt sind: Psychologen, Theologen, Mediziner usw. usw…. Auch Freunde halfen mir, mich selber immer wieder zu akzeptieren. Danke! An alles, was „Gott“ für mich in diese Welt gab!

    Mir fällt es schwer, mit den Prozessen der Weltwirtschaft fertg zu werden, wenn ich sehe, dass durch die Idee vom „grenzenlosen „Wirtschaftswachstum“ die Erderwärmung heimlich immer größer wird. Eine Vernichtung des Lebensraumes ERDE ist möglich durch ihre eigenen Bewohner! Kann ich etwas degegen tun? Ich habe selber Lebewesen in die Welt geboren, versuche, ihnen LIEBE ohne Bedingungen entgegenzubringen. Bin im gesellschaftlichen Konsens der DDR schon abgewichen von den dortigen Grundsätzen und Ideologien, bin von Kirchendogmen abgerückt, wenn die Realität mir zeigte, dass auch Kain und Abel darin vorkamen. Darin verankert sich auch der von Jesus gesagte Satz: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! (Dies ist für mich die wichtigste Grundbedingung für meine eigene Gelassenheit!)

    Ich muss heute mit Fehldiagnosen der Medizin, mit dem damaligen Suchtproblem des Vaters, der Verzweiflung der Mutter, der Wut von Töchtern, der Verachtung durch Schwiegersöhne usw. leben. Diese Härte in meiner Realität lehrt mich letztlich, dass die „hohe Kunst“ menschlichen Daseins nie durch Verurteilung von anderen mit dem oft daran geknüpten falschen „Recht“ auf Verachtung oder gar auf das Töten“ verknüpft werden darf. Wie wir das weltweit schaffen könnten, bleibt mir ein Rätsel bzw. erzeugt auch eine gewisse Anfgst in mir. Jedoch habe ich gelernt, mich und mein „Geschenk Leben“ als das „von Gott“ oder auch der Natur gegebene Wunder und Geschenk zu begreifen.
    Diese Selbstachtung macht mich fähig, Gefühlsverletzungen naher Angehöriger „ohne Rache“ dort zu belassen, wo sie herkommen. Welche Wahl hätte ich sonst?
    Natürlich versuche ich in Gesprächen meine Welt zu erklären, aber oft wird gerade das verweigert. Weil ich nicht auf die grundsätzliche „Menschenwürde“ verzichten kann. Das könnte der „Schöpfer“ nie gewollt haben!

  3. Liebe Chris, danke für diesen schönen Kommentar! Ich empfinde das als Bekenntnis deiner Menschlichkeit, und das passt gut in dieses Blog.

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