20. Januar 2018
von
Rubriken: Persönliches, Spirituelles
5 Kommentare
Christl Oberhuber channelt Satana (Lachyogakongress 2014 in Salzburg)

Osho, der Wirbelwind und Witzbold

»Wäre es nach Ronald Reagan gegangen, hätte man diesen sanften Vegetarier auf dem Rasen des Weißen Hauses gekreuzigt«—Wolf

Seit langem will ich mal wieder über Osho schreiben, der mich 13 Jahre lang innig begleitet hat, von 1977 bis 1990. So stark und innig wie vorher Buddha, und nach dieser Zeit und währenddessen auch Ramana Maharshi. Dieses Trio nenne ich heute die drei größten spirituellen Einflüsse in meinem Leben. Nur einen davon habe ich live erlebt: Osho. Habe mich deshalb 1977 von ihm »initiieren« lassen, so nannten wir das damals, obwohl meine eigentliche Initiation in »den Weg« schon vorher geschehen war. Ich habe mich dann 13 Jahre lang der Gemeinschaft der »Sannyasin« zugehörig gefühlt, der Schüler von ihm. Von Osho habe ich meinen buddistischen Namen »Sugata«. In ihm habe ich in diesen Jahren sehr weitgehend meinen Meister gesehen – in einigen Punkten zu weit gehend, sage ich heute, in anderen gerade richtig für meine Entwicklung. Mehr dazu demnächst. 

Jetzt erstmal nur das Zitat eines seiner Fans: des US-amerikanischen Autoren Tom Robbins, der nie Sannyas nahm, d.h. Schüler von Osho (damals Bhagwan genannt) wurde, ihn aber in seiner Essenz erkannte – besser erkannte als die meisten Sannyasins, meine ich heute, auch wenn ich mir damit Feinde mache. Diesen großartigen Osho-Fan möchte ich nun zitieren:

Ein harter, süßer Wind

»Ich bin kein Sannyasin, aber ich erkenne die smaragdgrüne Brise, wenn sie an meinen Fensterläden klappert. Und Bhagwan ist wie der harte, süße Wind, der um die ganze Welt weht, Rabbis und Päpsten den Hut vom Kopf bläst, die Lügen auf den Schreibtischen der Bürokraten durcheinanderwirbelt, die Esel in den Ställen der Mächtigen aufschreckt, die Röcke der pathologisch Prüden lüpft und die geistig Toten wieder ins Leben zurückkitzelt. Doch der Taifun Bhawan pfeift keinen Dixie. Er verhökert kein Schlangenöl. Er wird dir kein Mandala andrehen, das deine Zähne begradigt, oder dir einen Singsang beibringen, der dich zum Millionär macht. Obwohl er seinen Vorteil durchaus erkennt, weigert er sich, den Regeln des spirituellen Marktes zu folgen – in meinen Augen eine sehr erfrischende Haltung, die ihn in eine Reihe mit einigen anderen starken Typen stellt. 

Die kosmische Komödie

»Jesus hatte seine Parabeln, Buddha seine Sutras, Mohammed seine Fantasien von der Arabischen Nacht. Bhagwan hatte etwas Besseres für eine Spezies, die von Gier, Angst, Ignoranz und Aberglauben zerfressen ist: seine kosmische Komödie. Es scheint, als hätte Bhagwan vor, unsere Kleidung zu zerfetzen, unsere Illusionen zu zerschlagen, uns von unseren Abhängigkeiten zu heilen und zu zeigen, wie sehr man sich beschneidet und wie erschütternd dämlich es sein kann, sich selbst allzu ernst zu nehmen. Sein Pfad zur Ekstase schlängelt sich durch die chaotische Landschaft des Ego als eines Witzes. Natürlich kriegen viele Leute die Pointe nicht mit. (Wem ist beispielsweise klar, dass Bhawan mit seiner lächerlichen Flotte von Rolls Royce das Konsumdenken besser auf die Schippe genommen hat als je einer vor ihm?)

Die Obrigkeit fühlt sich bedroht

»Doch während diese Witze möglicherweise unseren Horizont übersteigen, hat die Obrigkeit intuitiv eine Bedrohung in Bhagwans Botschaft ausgemacht. Warum hätte sie ihn sich sonst ausgeguckt und so heimtücktisch verfolgt, wie nicht einmal den Diktator einer Bananenrepublik oder einen Mafia-Paten. Wäre es nach Ronald Reagan gegangen, hätte man diesen sanften Vegetarier auf dem Rasen des Weißen Hauses gekreuzigt.«

Lehrer der Verrückten Weisheit 

Das schrieb Tom Robbins im Jahr 1987, zur Zeit der Präsidentschaft von Ronald Reagan. Hier ist die Originalfassung von Tom Robbins’ Essay in voller Länge, und hier weitere 8 min O-Ton und Video, in denen er über Osho spricht.

Für Religionswissenschaftler gehört Osho zu den Crazy Wisdom Teachers, den Lehrern der Verrückten Weisheit. Das bringt sie den Narren Europas und der ganzen Welt nahe, den Majnuns, Ikkyus, Drugpa Künlegs und Heyokas der Welt, den Helden, Heiligen und Witzfiguren der Sufis, des Zen, Chan und Taoismus.  

In dieser Tradition fühle ich mich beheimatet mit dem, was ich zu sagen habe. Zum Beispiel in meinem Humorworkshop auf dem Erleuchtungskongress in Berlin am vergangenen 9. September – 9/11, hehe 😇

RSS abonnieren

Diskussion zu: Osho, der Wirbelwind und Witzbold

  1. Köstlich, der Workshop – hab mich kringelig gelacht!
    (Wenn du wieder sowas inszenierst, könntest du evtl. eine bessere Aufnahme mit besserem TON-Management organisieren!)

  2. Tom Robbins?
    Ist das der Autor von „Tibetischer Pfirsichstrudel“?

  3. Ja, das ist er.

  4. Lieber Sugata,
    lieber Wolf,

    danke für diesen schönen Artikel. Ich selbst habe Osho leider nie persönlich erlebt, halte ihn aber für einen wunderbaren, starken, gnadenlosen und ja, extrem witzigen Lehrer. Osho ist neben Neem Karoli Baba und Ram Dass derjenige, der mich am meisten geprägt hat. Oder sollte ich besser sagen: die Augen geöffnet hat?

    Danke und viele liebe Grüße —
    ich würde mich freuen, wenn wir uns mal wieder sehen!

    Norbert

  5. Wunderbarer Text, lieber Sugata!
    (sowohl von dir, als auch von Tom)

    Eine Stelle ist mir besonders aufgefallen im Original:

    „Nebenbei änderte Bhagwan, wie der Leser wahrscheinlich weiß, nicht lange bevor er von Auftragsmördern der Regierung vergiftet wurde, seinen Namen auf Osho um. Im Ashram in Pune wurde dieser Wechsel so gründlich, so fieberhaft, aufgegriffen, man hätte glauben können, „Bhagwan“ habe nie existiert.

    Es gemahnt beinahe an diese alten sowjetischen Säuberungsaktionen. Ich glaube aber, daß Osho, hätte er weitergelebt, irgendwann seinen Namen wieder geändert hätte, zum alleinigen Zweck, um den Denkfehler zu offenbaren, der sich einstellt, wenn man an seinem Namen anhaftet, oder übrigens auch jegliche andere Etiketten, mit denen wir uns selbst definieren, einschließlich Berufsbezeichnungen und ethnisch-geografischer Unterscheidungen.

    Wer weiß, hätte er überlebt, dann wäre Bhagwan/Osho vielleicht zu Wolfgang, Bubba oder World B. Free geworden.“

Dein Kommentar zu: Osho, der Wirbelwind und Witzbold

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht