09. Dezember 2015
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Rubriken: Politik & Gesellschaft
10 Kommentare

In den Fängen des IS

»Wer fängt hier wen und wofür?«—Wolf

Vorgestern erschien im Wissenschaftsnewsletter von spektrum.de (ich erhalte ihn täglich) ein Text von Dounia Bouzar über die Rekrutierungsmethoden des IS. Obwohl er ziemlich lang ist, habe ich ihn ganz durchgeslesen und war dabei hin – und hergerissen. Hingerissen, weil sie sich so kompetent und hoch engagiert dafür einsetzt, dass der IS (hier auch Daesh genannt) keine weiteren französischen Jugendlichen auf seine Seite zieht. Aber auch abgestoßen, weil mich Anspruch und Methode an das erinnert, was ein paar Jahrzehnte lang die Sektenexperten von Staat und Kirche in Deutschland und Frankreich gemacht haben, um Menschen, vor allem Jugendliche »aus den Fängen« von unter anderem auch sehr liberalen, freigeistigen Gruppen »zu befreien«. Von Gruppen, die freier waren als die »Fänge« der Familien, aus denen die Menschen dorthin entkommen waren. 

Dounia Bouzar

Die Vita der Autorin habe ich daraufhin in der französischen Wikipedia nachgeschlagen (sonst findet man noch kaum was über sie) und finde sie sehr sympathisch. Sie ist Tochter eines marokkanisch-algerischen Vaters und einer Mutter korsischer Abstammung. Ihre beiden eigenen Töchter arbeiten in ihrem Ent-Rekrutierungsprogramm mit, auch das finde ich sympathisch, denn oft ist es ja so, dass bei einem heuchlerischem Gutmenschentum der Eltern die Kinder intuitiv ganz anders ausschlagen, dass das Generationenpendel bei ihnen in die andere Richtung ausschlägt und manchmal erst bei deren Kindern wieder zurück schwingt. Douinas Mann sei gegen sie und ihre Töchter gewalttätig gewesen, heißt es dort außerdem, und auf Youtube findet man Filme, in denen Dounia »den echten Islam« gegen die Exzesse der Salafisten und von IS (arabisch Daesh) verteidigt. 

Die Autorin macht sich in diesem sehr fachkompetenten Artikal dafür stark, dass die »Ent-Rekrutierer« auf der Ebene der Emotionen handeln müssten, sonst könnten sie »die Jugend nicht zurückgewinnen«. Über die Ratio allein geht es nicht, da hat sie recht. Ohne Ratio aber vielleicht auch nicht, meine ich, und der von ihr verwendete Begriff der »Rekrutierung« betont die Opferseite der Jugendlichen. Sie sind aber auch Täter, und dann müsste es heißen »sie konvertieren« (zu dieser Variante des Islam). 

Informationsquellen der Konvertiten

Die werdenen IS-Fans informieren sich übrigens während dieses Konvertierungsprozesses auf Webseiten, schreibt Dounia, die vor der Weltherrschaft der Zionisten warnen, die »den Planeten kaufen« wollen und anderer Verschwörer, wie etwa der Illuminaten und der Freimaurer. Sogar die Impfgegner werden hier genannnt. Hierbei gruselt mich, denn ich denke dabei an die vielen auch in meinen Freundeskreisen, die sich für hochspirituell und humanistisch motiviert halten und das teilweise auch sind, die sich ebenso dort informieren und diese Quellen für »die Wahrheit« halten. 

Dann wird auch noch der Film »Matrix« genannt, der in meinen Freundeskreisen sehr geschätzt wird. Dort wird dem Helden angeboten, durch eine Pille »aufzuwachen« aus dem System, das ihn gefangen hält. Kann auch dieser Film eine Etappe auf dem Weg zur Rekrutierung durch IS sein? Gruselig.

Entmenschlichung

Das Ent-Rekrutierungsprogramm weist auf die Zerstörung des Individuums hin, heißt es Bei Dounia. Mag sein, dass das so ist. Genau das macht jedoch auch jede militärische Ausbildung. Wenn Frankreich jetzt zusammen mit mehr als 20 anderen Nationen Krieg führt gegen den IS, braucht es dazu Soldaten. Auch in deren Ausbildung ist die Entindividualisierung ein wichtiger Aspekt, der sie befähigt, auf Befehl töten zu können. Im letzten Schritt weise ihr Ent-Rekrutierungsprogramm auf die Entmenschlichung der Feinde im Weltbild des IS hin, sagt sie – ja, so ist es. Eine solche Entmenschlichung des Feindes brauchen jedoch auch diejenigen, die jetzt Syrien bombardieren, so wie sie auch der Bomber von Hiroshima brauchte und die Soldaten, die heute von der US-Basis Ramstein in Deutschland aus Drohnen steuern mit dem Auftag, damit nicht nur »Objekte« abzuknallen, sondern Menschen. 

Heim ins Reich der Familie

»Der Weg des Ausstiegs (aus IS) beginnt mit dem wesentlichen Schritt, die Bindung zwischen dem Opfer und seiner Familie wiederherzustellen.« Zurück in die Familie, das ist besser als Daesch (IS), aber das ist auch der Ort, von dem der Jugendliche weg wollte. Langfristig keine gute Lösung, finde ich.

Der IS hat die jungen Leute manipuliert. Nun sollen sie durch eine noch bessere Manipulation zurückgeholt werden. Möge Douina mit dieser Rückholmanipulation erfolgreich sein! Anscheinend ist sie das in vielen Fällen. Aber dieser Erfolg scheint mir auf wackeligen Beinen zu stehen, weil die Jugendlichen dabei letztlich von einer schrecklichen Verblendung in eine weniger schreckliche Verblendung zurückgeführt werden. Ein Aufwachen und Austreten aus der Entmündigung ist das noch nicht. 

Denkschablonen

»Es ist möglich, aus den einheitlichen Denkschablonen herauszukommen. Die meisten Familien, denen wir geholfen haben, haben es geschafft,« schreibt Douina in ihrem Artikel für spektrum.de. Dem ersten Satz stimme ich zu: Ja, es ist möglich! Den zweiten bezweifle ich, weil aus dem Text hervorgeht, dass die Ent-Rekrutierung eine Rückkehr in das alte Weltbild ist. Dieses ist in ähnlicher Weise von Denkschablonen bestimmt wie das neue, auch wenn die Denkschablonen des alten Weltbildes weniger brutal sind.

»Auch Familien und Lehrer müssen das Problem anpacken und sich ernsthaft mit der Erziehung der Jugendlichen in der virtuellen Welt auseinandersetzen.« Ja, das müssen sie. Aber sie sollten sich auch mit ihren eigenen Denkschablonen auseinandersetzen, dann kommt es gar nicht erst zu sowas wie all diesen Nahost-Konflikten, die dort seit dem Endes des ottomanischen Reiches vor sich hinschwelen und immer wieder in heißen Kriegen ausbrechen, denn diese Konflikte haben sehr viel mit den Denkschablonen und Absichten des sogenannten liberalen Westens zu tun . 

Dieses angeblich so liberale, gerechte und humane Denken des Westens ist nämlich sehr wählerisch z.B. in dem, wie es beispielsweise für Israels aggressive, rassistische Politik gegenüber den Palästinenser Partei ergreift und für Saudi-Arabien gegenüber Syrien. Obwohl Syrien seit langem sehr viel frauenfreundlicher und demokratischer ist bzw. war als Saudi-Arabien. Heute ist Syrien nur noch ein Scherbenhaufen, mit hundertausenden von Toten und mehr als vier Millionen Geflohenen. Zu Beginn des syrischen Bürgerkrieges war das Assad-Regime jedoch in Sachen westlicher Werte viel liberaler und sogar demokratischer als etwa das von den USA so sehr unterstützte Saudi-Arabien. 

Missionare der westlichen Werte

Damit das westliche Wertesystem sich in den islamischen Ländern durchsetzen kann, müsste es in der Außenpolitik nicht nur heuchlerisch vorgeschoben werden, sondern tatsächlich Entscheidungsgrundlage sein. Und bevor man mit diesem Wertesystem überhaupt missionieren geht, braucht es eine gründliche Überarbeitung, insbesondere auch im Hinblick auf Religion und Ethik. 

Klar ist die normale französische Erziehung selbst in den Schulen der Banlieue noch besser als die Bildungsinstitutionen des IS. Und der normale Zusammenhalt in einer durchschnittlichen französischen Familie ist besser als das, was der IS an Gemeinschaft bietet. Insofern darf man Dounias Engagement bejubeln und unterstützen – die französische Regierung tut das inzwischen. Aber es gibt auch bei uns viel zu tun an gesellschaftlicher Reform, ehe wir versuchen sollten, unser System mit Bomben in anders akkulturierten Regionen der Welt durchzusetzen.

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Diskussion zu: In den Fängen des IS

  1. Hallo Sugata,

    mich haben diese jungen Netizens des Arabischen Frühlings fasziniert. Da war etwas, was ich 68 erlebte. Dann war es vorbei, die Versammlungen der Jungen mit Smartphones auf den Plätzen wieder geräumt. Isis wurde stärker, wie eine arabische RAF. Idealisten, die eine bessere Welt verfolgen, sogar eine spirituelle.
    In dem Text von Dounia Bouzar wird immer wieder gesagt: In unsere Welt „zurück holen“. Wieso eigentlich? Ist unsere Welt etwa schön, gerecht, liebevoll? Das fanden wir damals überhaupt nicht. Das fanden nur die, die lieber weiterhin in dieser alten Welt der faschistoiden Gewalt weiter schlafen wollten. Ich glaube, so sehen es diese jungen Islamisten auch. Diese brutale kapitalistische Welt hat keinen Platz für sie. Auch sie wollen vielleicht gar nicht diesen Platz in einer Ellbogengesellschaft. Sie wollen mehr: etwas Großes, Heiliges/Spirituelles, möglicherweise Liebe unter allen Menschen, wie 68 auch. Mit der grauenhaften Gewalt (der Verzweiflung?), weil sie es nicht besser wissen. Und die USA, Europa kommen mit Bombern geflogen und wollen die „Idealisten“ vernichten wie damals die Aufgerüsteten der BRD. Irgendwie verrückt.

  2. Lieber Wolf,

    für mein Empfinden kommst Du dem tatsächlichen Problem dieses „ewigen“ Konfliktherdes an einer Stelle Deines Aufsatz` recht nah, gehst ihm aber in diesem besonderen Fall nicht ganz auf den Grund.

    Zitat:
    »Auch Familien und Lehrer müssen das Problem anpacken und sich ernsthaft mit der Erziehung der Jugendlichen in der virtuellen Welt auseinandersetzen.« Ja, das müssen sie. Aber sie sollten sich auch mit ihren eigenen Denkschablonen auseinandersetzen, dann kommt es gar nicht erst zu sowas wie all diesen Nahost-Konflikten, die dort seit dem Endes des ottomanischen Reiches vor sich hinschwelen und immer wieder in heißen Kriegen ausbrechen, denn diese Konflikte haben sehr viel mit den Denkschablonen und Absichten des sogenannten liberalen Westens zu tun.«

    Das Problem wurzelt darin, dass Syrien und der Irak Frankenstein-Kreationen des europäischen Kolonialismus sind. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches schufen Großbritannien und Frankreich Staaten, die es zuvor nicht gab, mit Bevölkerungsgruppen, die einander nicht vertrauten.
    Dieser historische Fehler wird jede künftige Friedensinitiative kollabieren lassen. Die Landkarte muss neu gezeichnet werden – um den Hass von Generationen zu beenden.

    Der IS hat die Landkarte verändert, weil es die Sunniten so wollten. Nicht alle, aber sehr viele von ihnen. Im Irak haben sich die wichtigsten sunnitischen Stämme mit dem IS verbündet. Im Osten von Syrien schlugen sich ebenfalls die meisten Sunniten auf seine Seite. Ihnen dient der IS nicht als Pfad zur Erlösung, als Weg ins Märtyrerparadies. Für sie ist der IS
    das einzige Bollwerk, das sie vor der Unterjochung durch die Schiiten bewahrt. Die Sunniten fühlen sich von allen verraten.
    Von den USA, die ihnen 2003 im Irak die Macht raubten. Von Europa, das in Syrien seit fünf Jahren tatenlos zuschaut, wie das schiitische Regime von Baschar al-Assad sie aus der Luft massakriert.

    Die Sunniten sehen sich im Überlebenskampf gegen die Schiiten. Im Kampf gegen den Rest der Welt. Für viele gibt es zum IS keine Alternative. Schon Al-Kaida zehrte aus dieser schier unerschöpflich großen Kraftquelle, dem Hass zwischen Sunniten und Schiiten.

    Der IS ist nicht die Ursache des Problems, er ist das Symptom. Deswegen wird er, nach welchen Militärschlägen auch immer, in neuer Gestalt wieder erstehen. Nur Sunniten können auf Dauer sunnitische Extremisten besiegen.

  3. Hallo Hermann, danke für deinen ergänzenden Kommentar. Dass der Westen in dieser Gegend der Welt sehr ignorant und selbstherrlich gehandelt hat, ich denke, darin sind wir uns einig. Die Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten sollten wir aber nicht übertreiben. Meistens vertragen sich diese beiden Richtungen des Islam nämlich, so ähnlich wie Protestanten und Katholiken in Deutschland. Auch im Maghreb gibt es Streit, aber da geht es um ganz andere Probleme. Ebenso in Bangla Desh oder in Indonesien, dem größten islamischen Land der Welt. »Die Sunniten sehen sich im Überlebenskampf gegen die Schiiten«, schreibst du. Wirklich? Für einige ist das vielleicht so, aber mehr als 90% der Sunniten sind die Schiiten ziemlich egal, zumal sie zahlenmäßieng überlegen sind: 85% der Moslem sind Sunniten, nur 15% sind Schiiten. Meines Wissens (es gibt hierzu Umfragen) empfinden die meisten Sunniten den Anspruch und die Gewalttätigkeit des IS als Verrat am Islam.

  4. Danke Wolf

    Wenn es tatsächlich so ist wie Du schreibst, dann könnte die Situation da unten ja vielleicht doch ein klitzekleinesbisschen hoffnungsvoller sein, als nach dem von mir dargelegten Standpunkt zu vermuten wäre.

    In meinem Kommentar hatte ich mir die Meinung eines Zeit-Artikels zueigen gemacht und ich erinnere mich außerdem noch sehr gut als Bush junior seinerzeit Reklame für seinen bevorstehenden Irakkrieg machte.
    Da wurde von verschiedenen fachkundigen Kommentatoren eindeutig prophezeit, dass dieser Eingriff einen Flächenbrand auslösen würde.

    Genau das ist es, was ich jetzt sehe. Einen Flächenbrand. Brennende Erde und fehlgeleitete, betrogene junge Menschen, die sich bereitwillig in dieses Feuer hineinstürzen.

    Ob es irgendwann genug davon hat, das Feuer?

  5. Hallo Hermann,
    ja, es ist ein Flächenbrand. Seit dem syrischen Bürgerkrieg noch mehr als vorher. Ein Kriegsgebiet aber war diese Gegend schon seit der Gründung von Israel, mit den Wurzeln der Malaise in der Aufteilung der ehemals totomanisch regierten Länder am Ende des Ersten Weltkriegs. Sogar noch viel früher, und hier liegt der dickste dieser Hunde begraben: der Absolutheitsanspruch und das (teils dem entsprechende) Gewaltpotenzial der drei abrahamitischen Religionen. Die haben alle drei ihre Heiligen Plätze in dieser Gegend, v.a. in Jerusalem, aber auch (u.a.) in Hebron, Bethlehem, Mekka, Medina und Najaf.
    Wenn wir WIRKLICH Frieden haben wollen in dieser Gegend, dann müssen wir da ran und dieses verirrte Gottesbild von einem patriarchalen Gewaltherrscher kippen. Mit „wir“ meine ich hier alle drei dieser abrahamitischen Religionen und die darin Akkulturierten – dazu gehöre am Rande ja auch ich. Auch mich haben die Heiligen Schriften dieser Religionen fasziniert, ich bin sogar mal mit der christlichen Bibel im Rucksack durch einige dieser Länder gereist. Heute aber ist das für mich nur alte, wirkmächtige Literatur von Völkern, bei denen einige Menschen tiefe Einsichten hatten, die aber als Völker im Großen und Ganzen barbarisch miteinander umgingen und diesen Umgang religiös rechtfertigten.

  6. Man könnte meinen, (meine Phantasie)
    dass dieses „verirrte Gottesbild von einem patriarchalen Gewaltherrscher“ soeben etwas angestupst wird.

    Vielleicht gelingt es folgenden Generationen tatsächlich, es nachhaltig zu demontieren. Wer weiß? Es ist wie es ist…

  7. Interessante Diskussion, die ihr da führt …

    Mir fällt dazu sofort ein, was ich mal in einem Buch über die Borderline-Persönlichkeit gelesen habe, es stammt von einem Jungianischen Analytiker:
    http://www.amazon.de/Die-Borderline-Pers%C3%B6nlichkeit-Nathan-Schwartz-Salant/dp/3530800902

    Der Autor weist dort nach, dass nach den gängigen Diagnose-Schlüsseln, der alttestamentarische Gott Jahwe eindeutig als Borderliner diagnostiziert werden müsste, mit all seinen impulsiven Zornesausbrüchen, seinen irrationalen Aktionen und seiner Gewaltbereitschaft …

    Borderline-Persönlichkeits-Störungen gelten als nicht so einfach heilbar, aber der Gedanke, dass dieser Gott „auch nur ein Mensch“ ist, gefällt mir. 🙂

  8. ich habe einen Twitter Account [ @neonsheela ] und bin schlicht müde ueber die die taeglichen HorrorMeldungen.
    Daesh ist nicht Islam, sondern die Kehrseite des Islam!!! Die barokke GruselOper dieser WeltUntergangsFreunde ist ein Schritt zurueck in analen politischen Wahn mit WelteroberungsPhantasien, SexSklavenmaerkten, KinderMissbrauch, ausschwelgende Folter und NichtRauchen (!wie bei Hitler) als Modus. Es ist die StarWarWelt aus dem Internet LIVE..leider ..
    Es sind übrigens nicht die hebephrenen Idealisten, die Daesh tragen, sondern hunderte erfahrene ehemalige SadamOffiziere, Fighter, die in der FSA keinen Platz fanden oder Waffen und Money bei den Revolutionären vermissten (der Kalif B. ist schon etliche Monate tot, er dient nur noch als WerbeIkone). Diese Leute von Daesh sind reif fuer amerikanische Lager, fuer Therapie ist es zu spät. Ich bin froh dass wenigstens diese DaeshGruselOper zu Ende geht.
    Daesh wird von der Bevoelkerung als Besatzer empfunden und verliert ausser bei Erdogan, diesem türkischen Verschwörungstheoretiker mit KurdenPhobie allmaehlich alle Untersetzer, und ihre Macht faellt in Brocken (auch)dank der Freien Welt!!
    Der Friedensplan fuer Syrien sieht einen ‚No Winner‘ Anfang vor.
    Interviews mit DaeshOpfern auch auf meinem Blog http://neonsheela.wordpress.com

  9. Da wir gerade von Syrien sprechen: Einer meiner Kunden, das Berliner Institut für Kurdische Studien, hat einen Satz Faltblätter zum Thema Zivilgesellschaft und Demokratie herausgegeben. Diese sind gedruckt und online verfügbar, komplett in arabischer Sprache.

    Local Democracy for Syria

  10. Ich finde auch den Aspekt der Entmenschlichung schwierig. Mir ist von Bert Hellinger mal kleben geblieben, dass man nicht wirklich selektiv Gefühle verleugnen/verdrängen kann – entweder eines oder alle. Übrig bleiben dann eher bevorzugte Gefühle als Kopie statt authentisch und bevorzugt die, die auf einer Welle von „power“ reiten, die also Macht verleihen. In diesem Zustand ist es gar nicht möglich, zwischen Menschen und Entmentschlichten Kriegern zu unterscheiden in der Schlacht.

    Der Drang zum Entmenschlichen ist mir auch aus spirituellen Bestrebungen bekannt – besonders bei Advaita fand ich diese Tendenz im Westen mißverständlich ausgeprägt – ebenso aber bei vielen esoterischen Lichtarbeitern. Dort ist statt Krieg häufig eine Lebensangst – die Angst vor dem gewöhnlichen des Lebens und vor den „verhafteten“ Menschen gewachsen.

    Der Umgang mit dem Höheren ist einfach schwierig, wenn keine echte alternative Erfahrung das ersetzt, wovon man „weg“ will. Dann bleibt meist ein Teil des Polaren übrig – sei es die Allmacht des Gottes, an die man sich anhängt – oder die Kraft der Verurteilung oder Angst, im Gegenüber bzw. Umfeld zu bestehen.

    Die Alternative zum „Zurück in die Familie“ müsste dann etwas drittes außerhalb sein ( – aber natürlich auch keine Sekte…). Das ist etwas, das viele Flüchtlinge hier finden, in einer andersartigen Kultur. Deshalb halte ich Begegnung für sehr wichtig, damit eine Wahl möglich wird, solange wir den Menschen nicht ihr Schicksal, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zumuten mögen (auch wenn dabei Menschen getroffen werden, die daran unbeteiltigt erscheinen – entweder ich glaube an eine göttliche Weisheit oder ich halte persönliche Weisheit mit Plan B für besser).

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