09. Oktober 2017
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Rubriken: Humor, Persönliches, Psychologie
5 Kommentare

Humor und Orgasmuskompetenz

»Sowohl zum Humoristen als auch zum Orgasmusexperten gehört ein gewisses Maß an Selbstreflexion«—Wolf

Ich sitze in Berlin am Marheinekeplatz mit einem Capuccino in der Sonne, reflektiere den vergangenen WE-Workshop im Biohotel Essentis (Titel: »Sind wir komisch?«) und lese dabei die SZ-online, die sich damit beschäftigt, wie Humor und Orgasmuskompetenz zusammenhängen.

Ach, interessant! Das hätte mir bei der Bewerbung dieses Workshops sehr helfen können. Wenn ich dort eine Werbung hätte platzieren können, vielleicht wären dann vor allem Männer gekommen, die hier viel lernen können.

Die richtige Technik

»Guter Humor und gute Orgasmen haben viel mit der richtigen Technik zu tun. Ein bisschen Talent und Fingerspitzengefühl gehört schon auch dazu, aber im Wesentlichen gilt es, sich durch stetiges Üben ein paar handwerkliche Fähigkeiten draufzuschaffen, die dann ein Leben lang verfeinert werden müssen. Sowohl beim Humorhandwerk als auch bei der Orgasmusproduktion ist Timing ein ganz entscheidender Faktor. Es gilt, eine gewisse Spannung aufzubauen, zu halten, nicht zu früh mit der Pointe um die Ecke zu kommen, um ihr dann im richtigen Moment den nötigen Wumms zu verleihen.«

Die Profilierung

Richtiges Timing, und: üben, üben, üben – Recht hat sie, die SZ-Autorin Alena Schröder. Das gilt auch für mich als Vermarkter meiner Bücher. Mein erstes Buch – »Tantra – Spiele der Liebe« – hat sich besser verkauft als alle fünf anderen zusammen, die danach erschienen sind. Darunter auch »Zauberkraft der Sprache«, das nach meiner Selbsteinschätzung beste unter den sechs. Aber so ein Label bleibt kleben: einmal Tantra, immer Tantra. Da ich dann auch noch 25 Jahre lang ein Tantra-Magazin herausgegeben haben, wenn auch verlegerisch als Nebenbeschäftigung, bleibt das umso mehr kleben. Und nun sehe ich mich als Freelancer einem Markt gegenüber, der höchste Spezialisierung verlangt und ein unverwechselbares, einzigartiges Produkt. Auch die Verkünder des Transpersonalen brauchen Profilierung, eine klare, transparente Persona. Ihre Botschaft muss »abwärtskompatibel« sein, sie müssen die Persona, das Profil der Person widerstandlos umarmen können, sonst sind sie noch nicht wirklich in Transpersonalistan angekommen.

Zurück zu mir, dem weltumarmende Multitalent. Bin ich mit meinem Angebot spezifisch genug für die Anforderungen dieses Marktes? Bin ich ein Humortrainer? Klar, das bin ich, aber das genügt noch nicht. Ich muss mich als tantrischen Humortrainer präsentieren, der Männer zu besseren »Orgasmusproduzenten« (O-Ton SZ) macht. Was ja dann auch die Frauen beglückt, die wir stolzen, gebefreudigen Männer im Idealfall noch mehr beglücken wollen als uns selbst. Frauen, schickt eure Männer zu mir in den Workshop, dort können sie was über Feinfühligkeit und Spannungsaufbau lernen, und – ja, auch das: über »self enquiry«, die hier Selbstreflektion genannt wird. 

Selbstreflexion

»Zu guter Letzt gehört sowohl zum Humoristen als auch zum Orgasmusexperten ein gewisses Maß an Selbstreflexion. Sich selbst hinterfragen, gut zuhören, Kritik und Verbesserungsvorschläge annehmen und nicht jedes mal die selbe Masche anwenden – all das unterscheidet im Humor- und im Orgasmuswesen den Profi vom Laien«, schreibt die SZ.

Kann ich das selbst auch? Kann ich auch in Sachen Vermarktung selbstreflektiv sein und Verbesserungsvorschläge annehmen? Ich versuch’s. Deshalb diese Überschrift und deshalb dieser Blogeintrag.

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Diskussion zu: Humor und Orgasmuskompetenz

  1. Auch die Verkünder des Transpersonalen brauchen Profilierung, eine klare, transparente Persona. Ihre Botschaft muss »abwärtskompatibel« sein, sie müssen die Persona, das Profil der Person widerstandlos umarmen können, sonst sind sie noch nicht wirklich in Transpersonalistan angekommen.

    Die „Persona“ als Archetyp ist unser Tor zur Außenwelt, unsere Fähigkeit, mit der Welt in Kontakt zu treten. Wenn das authentisch geworden ist, fallen Schein und Sein zusammen, es geht dann nicht mehr darum, etwas aus sich zu machen, oder sich auf eine bestimmte Weise darzustellen …

    Werbung ist üblicherweise darauf angelegt, Schein-Bilder zu produzieren und Bedürfnisse zu wecken, die vorher nicht da waren. Das scheint mir in „Transpersonalistan“ keine brauchbare Strategie mehr zu sein.

    Zurück zu mir, dem weltumarmende Multitalent. Bin ich mit meinem Angebot spezifisch genug für die Anforderungen dieses Marktes? Bin ich ein Humortrainer? Klar, das bin ich, aber das genügt noch nicht. Ich muss mich als tantrischen Humortrainer präsentieren, der Männer zu besseren »Orgasmusproduzenten« (O-Ton SZ) macht.

    Insofern überzeugt mich auch dieser Selbstvermarktungsansatz nicht wirklich.

    Ich habe vor einiger Zeit an einem Online-Focusing-Coaching teilgenommen, wo mich eine Frage, die dort gestellt wurde, tief bewegt hat: „What ist your deepest wanting?“ Was treibt dich zutiefst um? Was willst du wirklich bewegen?

    Jetzt versuche ich, in meinen beruflichen Entscheidungen die Antworten auf diese Fragen zu leben. Das macht mich vielleicht nicht reicher, aber viel zufriedener als über Erfolg/Misserfolg, Ankommen/Nichtankommen, Perfektionierung der Darstellung – also im weitesten Sinne „Selbstoptimierung“ – nachzudenken. 🙂

    Mit ♥ lichem Gruß
    Marianne

  2. Hallo Marianne,
    wenn ich da geschrieben habe,

    Ich muss mich als tantrischen Humortrainer präsentieren, der Männer zu besseren »Orgasmusproduzenten« (O-Ton SZ) macht.

    dann meine ich das natürlich nicht ernst. Sex Seils? Vielleicht manchmal, aber nicht immer, in diesem Falle trägt Humor eher zum Verkaufen bei, meine ich. Aber auch als Gag-Lieferant ist man nicht unbedingt ein guter Verkäufer. Jedenfalls will ich nicht Animateur sein, so wie die im Club Méditerrannée, die haben dort kein leichtes Leben; sie müssen immer produzieren, und wehe, sie bringen ihre Kunden nicht genug zum Lachen.
    Was du da über Authentizität in Transpersonalistan schreibst, das empfinde ich auch so – jedenfalls in gut gelaunten Zeiten, wenn ich optimistisch bin. Ich wünsche mir, dass es so ist.
    Authentizität ist jedoch noch nicht die General-Lösung, das non plus ultra. Auch Authentizität ist eine Show, wenn auch auf tieferer Ebene, das ist die zentrale Botschaft des Buddha als Anattavadin: Es gibt kein Selbst, auch das Selbst ist eine Illusion. Nichtsdestotrotz ist es natürlich besser authentisch zu sein als zu lügen oder zu heucheln. Wir sollten dabei jedoch nicht vergessen, dass es die absolute Echtheit nicht gibt.

    Und was will ich wirklich, zutiefst? Eben das, was ich gerade schrieb. Dass sich das Bewusstsein dafür ausbreitet, dass wir alle Spieler auf einer Bühne sind. Wir sind göttliche Gestalten, Erfindungen des Universum, die nur an der Oberfläche aussehen als seien sie verschieden. Als Ausgeburten des göttlichen oder atheistischen Universums sind wir alle aus demselben Stoff – auch unsere Identitäten.

  3. Das mit der Kernbotschaft in einem, auf die man kommen sollte.
    Was macht das dann, verändert dann auf längere Sicht, @Marianne?

    @Marianne, Du als transpersonale Psychologin beschäftigst Dich noch mit solchen Fragestellungen?
    Irgendetwas habe ich nicht begriffen. Oder ich bin nicht mehr drin in diesen Dingen.

    Und im übrigen: Sex „seils“ nicht. In meinem Fall nicht. Ich fühle mich manchmal so angeödet, wenn diese drei Buchstaben auf dem Bildschirm flackern… sorry.
    Jetzt habe ich ein wenig provoziert, bekomme also ne Antwort oder werde getilt (was auch möglich ist). 🙂
    Schönen Tag!

  4. Lieber Gerhard, ich glaube nicht, dass du hier schon mal getilt worden bist … 😉

    Das mit der Kernbotschaft in einem, auf die man kommen sollte.
    Was macht das dann, verändert dann auf längere Sicht, @Marianne?

    Nein, so habe ich das nicht gemeint, niemand muss oder soll (in meinen Augen) irgendwas …

    Ich habe mich einfach selbst als Freiberuflerin ziemlich mit der Frage auseinandergesetzt, ob und wie ich mich bewerben oder verkaufen will und merke, dass ich dazu immer weniger Lust habe … Zufrieden macht mich, wenn ich meine Energie in die Projekte und Tätigkeiten stecke, für die ich wirklich brenne.

  5. Verstehe ich sehr gut, das mit dem Bewerben und Verkaufen…

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