Filmempfehlung: Die Zeit der Frauen

Kinostart: 27.10.2016

Dies ist ein farbenfroher indischer Film von einer Frau über Frauen, nicht nur für Frauen, der zeigt, was ist und was sein kann, wenn Frauen sich trauen, die ihnen vom Patriarchat vorgeschriebenen Pfade zu verlassen.

Schauplatz ist ein fiktives Dorf mit einer malerischen Bus-Station in in einer kargen Gegend im Nordwesten Indiens. Die Autorin und Regisseurin Leena Yadav hat für die Bewohner einen eigenen Dialekt aus Hindi und der lokalen Sprache Kutchi erfunden. Der Rat der Männer des Dorfes hält die Traditionen aufrecht, die ihnen nützen und zu Lasten der Frauen gehen. Die einzelnen Film-Schicksale sind durch tatsächliche Begegnungen inspiriert.

Da ist Rani (Tannishta Chatterjee), jetzt 32 Jahre alt, die mit 13 verheiratet wurde und mit 16 Witwe war. Damit ist sie als Frau so gut wie gestorben. Sie fügt sich in ihre einzig mögliche Rolle: ihren Sohn Gulab aufzuziehen und ihm eine Frau zu suchen, ob er will oder nicht. Die Suche nach einer passenden Braut und unvorhergesehene Schwierigkeiten mit der 15jährigen Kandidatin Janaki bringen Ranis Weltbild ins Wanken. Doch erst einmal muss Janaki als Ehefrau und Schwiegertochter die üblichen Lasten und Demütigungen ertragen.

Ranis beste Freundin ist Lajjo (Radhika Apte), 28, hübsch und voller Energie. Doch ihr gewalttätiger und alkoholsüchtiger Mann macht sie dafür verantwortlich, dass die Ehe kinderlos ist. Immer wieder fügt sie sich seinen Launen und Übergriffen, bis sie erfährt, dass auch Männer unfruchtbar sein können. Und dann will sie es wissen …

Bijli (Surveen Chawla), ebenfalls mit Rani befreundet, ist Tänzerin und Prostituierte und bei den anderen Frauen im Dorf entsprechend verhasst. Sie ist wunderschön, stolz und großzügig. Aber sie weiß, welches Schicksal ihr droht: Mit Mitte dreißig wird sie bald ihre Reize verlieren, dann kann sie nicht mehr die Bedingungen diktieren, wird wie Müll behandelt.

Zu Beginn des Films können die Frauen des Dorfes bereits auf zwei neue Errungenschaften zugreifen: Mobiltelefone, mit denen sie nicht nur ihre in der Stadt arbeitenden Männer erreichen können, und eigene bezahlte Arbeit: Ein umgänglicher und wenigstens ansatzweise fairer Unternehmer vergibt Aufträge für Näh- und Handarbeiten. Kommunikation und finanzielle Unabhängigkeit sind die Chance der Frauen und eine Gefahr für die Vorherrschaft der Männer, entsprechend werden sie von ihnen diskriminiert und bekämpft.

Die Frauen brauchen einige Zeit, bis sie begreifen, in welchem Ausmaß sie unterdrückt werden. Wie ein gefangenes Tier zögert, die angelehnte Käfigtür zu öffnen und die Furcht vor dem Wärter zu überwinden, so verharren auch sie in den beengenden Traditionen. Das wird an Ranis Verhalten deutlich. Sie meint, was man ihr mit der arrangierten Kinderheirat angetan hat, in der nächsten Generation fortsetzen zu müssen. Ihr Sohn und die Schwiegertochter fügen sich widerwillig, brechen dann aber aus.

Auch die drei Frauen begeben sich voller Optimismus auf die Reise in ein neues Leben.

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