21. September 2018
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Rubriken: Rundbriefe
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Ende und Anfang – Connection-Rundbrief Nr. 171 vom September

»Habe hier geschrieben, gelesen, redigiert, an der Welt und mir selbst verzweifelt und das Entstehen des Internets erlebt«—Wolf

Mehr als 27 Jahre habe ich in diesem Haus gelebt, gestern habe ich es verkauft. Ich hatte hier 1991 zum zweiten Mal im Leben eine spirituelle Gemeinschaft gegründet, noch heterogener und entsprechend prekärer als 1980 im fränkischen Langenfeld. Habe hier meinen Verlag fortgeführt, den ich aus München mitgebracht hatte. Habe Kinder mit großgezogen, Menschen geliebt, mich befreundet und befeindet, geschrieben, gelesen, redigiert, an der Welt und mir selbst verzweifelt, verstanden und doch nichts verstanden und das Entstehen des Internets erlebt. Habe begonnen Theater zu spielen und Kabarett. Habe mehr als 50 Workshops gegeben und zwei Jahrestrainings, am Ende nur noch Humorworkshops. Habe finanzielle Not erlebt, Insolvenz erlitten und bin wiederauferstanden. Und dachte immer: Wenn das hier mal zu Ende ist, werde ich erstmal drei Monate GAR NICHTS TUN. Nichts. Nur ausruhen. Diese Lücke ist nicht entstanden, aber Erleichterung. Und mein neues Leben hat begonnen, mit Überwintern auf La Palma und seit Juni dieses Jahres einem Leben überwiegend im Wohnmobil.

Unsere Hauskatze Luzi (2000-2017)

 

Vom Opfer zum Manager des eigenen Lebens

Gestern habe ich dieses Haus verkauft und gebe es nun in die Hände der SauRiassl GmbH, die im Rahmen des genialen Mietshäuser Syndikatsprojektes Mieter ermächtigt, ihren eigenen Wohnraum zu managen, fast so als würde er ihnen gehören. Was die meisten Mieter überfordert. Sie sind es gewohnt Opfer zu sein. Einige davon haben sich im Opfersein so eingenistet, dass sie selbst nicht mehr glauben, für irgendwas ihr Wohnen Betreffendes verantwortlich zu sein. Das Opfersein ist ihre zweite Haut geworden, gut unterstützt werden sie darin von unserem deutschen Mietsrecht. Aber es gibt einen Ausweg: In den Mietshäusersyndikatsprojekten können Opfer aus ihrer Haut raus und die Verwaltung ihres Wohnraums selbst in die Hand nehmen: Tilgung, Instandhaltung, Entscheidungen über Gemeinschaftsangelegenheiten, neue Mieter und anderes. Großartig! 

Sprache vernebelt, Sprache klärt auf

Wie gewinnt man Bewusstsein? Sprachbewusstsein hilft. Wann spreche ich, wann schweige ich, und wie nenne ich die Dinge. Je nach Sprache haben wir eine Brille vor den Augen, die uns die Wirklichkeit filtert, rahmt, verformt und bewertet. Mehrsprachigkeit hilft dabei, sich dessen bewusst zu werden. Sie hat viele Vorteile. In diesem Artikel auf Perspective Daily interviewt ein dreisprachig aufgewachsener Italiener den Professor Jean-Marc Dewale, der in London Mehrsprachigkeit lehrt. Dabei zählen die beiden die Vorteile für Frieden, Völkerverständigkeit und Toleranz auf, die Mehrsprachigkeit bietet. All dem stimme ich zu, außer: Wenn wir die Sprache ändern, ändern wir auch die Persönlichkeit! Wir ändern sie sowieso, auch innerhalb einer Sprache, mehrfach am Tag; sogar mehrfach jede Stunde, wenn wir uns nur so genau selbst beobachten könnten.

Leider ist Persönlichkeitsveränderung für den kulturellen Mainstream noch immer ein Tabu. Wenn etwas (angeblich) die Persönlichkeit verändert, wird es als »Brainwashing« diskreditiert. Dabei ist die Kernaussage des Buddhismus und auch die von Sokrates, dass niemand eine feste, verlässliche Persönlichkeit hat. Alles ändert sich, auch die Persönlichkeit. Die Persönlichkeitsänderung ist das A & O aller Mythen und Kulturen, wie der Mythenforscher Joseph Campbell das in seinem Konzept der Heldenreise so genial zusammengefasst hat. Seitdem ist dieses Konzept der rote Faden im Mainstream fast aller Lehrbücher (dort immerhin im Mainstream, haha) übers Drehbuchschreiben. Und die Heldenreise, die praktizieren wir selbst, jeder von uns: Wir sind der Protagonist, der Held unserer eigenen Lebensreise. 

Wir wollen die Welt retten!

Vor zwei Wochen habe ich in Bamberg und auf der fränkischen Burg Lisberg ein Wochenende mit Chemikern, Wissenschaftlern und Ökoaktivisten  verbracht. Ungefähr einmal im Jahr treffen wir uns dort und – ja, wir wollen die Welt retten. Auch wir wollen das, wie die Gründer dieser erlauchten Runde schmunzelnd anmerkten. Ein bisschen Größenwahn tut uns gut, um angesichts der Nachrichten nicht in Depression zu versinken. Unser Thema war heuer »Science and Faith – different paths to truth?« Den Einleitungstalk hielt diesmal ich, über die asiatischen Wege der Wahrheitsfindung, Taoismus, Buddhismus, Vedanta und Sufismus, wie stehen sie der Wissenschaft gegenüber, und sind sie damit kompatibel? Es entstanden spannde Dialoge, ein Crowdsourcing-Prozess der Weisheitsfindung, so war mein Eindruck am Ende dieses Wochenendes. Ich werde darüber hier im Blog noch schreiben. Erstmal ließ ich die Eindrücke sacken und kehrte nach Niedertaufkirchen zurück, wo ich die Übergabe des Hauses vorzubereiten hatte, für das ich 27 Jahre lang verantwortlich war. 

Lokalismus, Globalisierung, Minimalismus

Das Leben im Wohnmobil prägt mich bereits. Es verschafft mir einen neuen Blick auf Deutschland. Ich durchreise damit Gegenden, in denen ich noch nie war, spaziere durch Städte, die ich noch nie live erlebt habe und – fahre über Autobahnen voller LKWs. Auch die Rastplätze sind voll mit LKWs. So voll, dass ich da mit meinen kleinen Wohnmobil manchmal kaum mehr einen Parkplatz finde. Das gibt mir einen neuen Blick auf die Folgen der Globalisierung. Die Güter, die unser Leben bestimmen, kommen überwiegend von weit her. Sie werden in Containern über die Meere gefahren, in LKWs verladen und landen dann in den Warenhäusern, Lebesmitteldiscountern oder Lagerhallen der Paketversender wie DHL, GLS, UPS und anderen. Wer da noch immer Konsumist ist und bestellsüchtig, trägt zu diesem Wahnsinn bei. Mögen der Minimalismus, die Konsumverweigerung, die Sharing Economy und Degrowth-Bewegung noch weiter – ja, wachsen. 

Connection never dies

Vor ein paar Wochen sind drei Best-of-Bände mit Artikeln aus dreißig Jahren Connection erschienen und erfreuen bereits viele Leser, die es verpasst haben, damals diese Zeitschrift zu abonnieren oder die damals zu jung waren. Aus dem Feedback der diese Bücher heute Lesenden zu schließen scheint mir, dass Connection wirklich ihrer Zeit voraus war. Das bildet man sich als Pionier ja gerne ein, um die Leiden des frühen Vogels, der doch ökonomisch gesehen oft noch keinen Wurm findet, zu lindern. Im Falle von Connection war es wohl wirklich so. Drei Bände sind erschienen, ein vierter über Ökologie, Umwelt, Natur ist in Vorbereitung. Ihr könnt die Bücher über eure nächste Buchhandlung bestellen (damit die weiter existieren kann) oder über Syntropia, wo es auch noch andere Connection-Bücher gibt und auch noch einige der legendären Powerpacks. Wem die Bücher gefallen: Hinterlasst bitte einen Kommentar auf Amazon! Lob ist willkommen, Kritik auch. 

Ekstatisch leben

Nun noch was in eigener Sache. Ich gebe ja gerne Humorworkshops und auch Vorträge über dieses Thema. Die Lachyoga-Trainerin Ulrike Müller kenne ich aus den BeFree Seminaren, sie organisiert nun einen solchen Humorworkshop für ein Wochenende am 24./25. November in Heidelberg. Die Frühbuchungen kamen zögerlich, das ist ja nun so in unseren Zeiten, da will man sich bis zum Schluss noch alle Türen offen halten. Ulrike aber muss bald wissen, wie viele dort hinkommen werden, damit sie sich nicht für Storno entscheidet, und wird dann doch last minute noch bestürmt mit: Bitte reservier’ mir einen Platz! Es geht dort um das Erlernen eines Lebens mit mehr Leichtigkeit, Tiefe, Echtheit. Merken, wie ekstatisch du lebst, wenn du verstehst, was für eine Witzfigur du bist, du in deinem Ernst und deiner Einzigartigkeit. Nebenbei räumen wir dort auch mit den Mythen und Klischees auf, mit all den Schlacken, die eine spirituelle Konditionierung in so vielen von uns hinterlassen hat. Also: Nichts wie hin! Meldet auch bei ihr an. Und wenn ihr nicht selbst hinkommen kannst: Empfiehl’ den Workshop weiter!  

Drei Links

Der Widerstand gegen die Räumungen im Hambacher Forst macht Hoffnung, dass es doch noch Menschen gibt, die nicht nur von der Couch vor dem Fernseher aus die Welt betrachten, sondern sich dafür einsetzen, dass das nicht zerstört wird, was uns am Leben erhält. Hier spricht (und weint) eine der dort Engagierten, sie spricht auch mir aus dem Herzen. 

In der MeToo-Bewegung stehen die Frauen auf, die sagen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sie sind nicht nur Opfer. Auch sie haben dazu beigetragen, sagen und zeigen hier einige, dass die Männer so sind, wie sie sind. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander muss sich ändern.  

Das will auch das Bildungsprojekt »Sex für Profis«, bei dem ich seit ein paar Monaten einer der kreativen Gestalter bin. Mehr dazu im nächsten Rundbrief. 

»Ekstatisch leben«, so nenne ich meine Workshops im BeFree Tantra jetzt. Hier ein Beispiel von einem Musiker und Lebenskünstler, der in diesem Film neun Minuten lang ekstatisch seine Gitarre betrommelt: Tommy Emmanuel. 

Veranstaltungen

In Dresden halte ich am 27. 9. von 19.30-22 h einen Vortrag zum Thema: »Worüber lachst du da?«. Humor als Aphrodisiakum und Mittel zur Lösung von Konflikten ist hier das Thema. Mit spielerischen Übungen. Eintritt 25 € (ermäßigt 15 €).

Heute in einer Woche (28. 9. bis 3. 10.) gibt es auf Gut Frohberg wieder ein Tantra für Fortgeschrittene. Ich bin wieder dabei und am Jahresende auch im BeFree Silvester-Retreat.

Vom 3. bis 6. Oktober läuft in Mannheim die von Studenten organisierte MIND-Akademie zum Thema »Norm und Abweichung« mit vielen interessanten Vorträgen, z.B. auch über Polyamorie. Dort bin ich mit einem zweistündigen Vortrag (mit Workshop-Elementen) über »Normalität, Innovation und die Kreation der eigenen, individuellen Identität« vertreten.

Am 7. Oktober halte ich von 15 bis 16.30 h in Heidelberg einen Vortrag über Humor, auf Wunsch mit Übungen, auch hier wieder mit der Frage: Worüber lachst du da? Ort: Praxis für Physiotherapie und Yoga, Landhausstr. 17, 69117 Heidelberg. Kosten: 10/15 €. Anschließend ab 17 h gibt es Lachyoga mit Ulrike Müller (10 €).  

Am 11. 10., vielleicht auch einen Tag davor und/oder danach, bin ich auch heuer wieder auf der Buchmesse in FFM (10.-12.10. ist sie nur für Fachbesucher offen). 

Am 11. November von 14 bis 17 h leite ich in Aschheim bei München einen kurzen Humorworkshop zum Thema »Von der Tragik zur Komik – Humor macht das Leben leichter« (offenbar ein Geheimtipp, denn im Internet finde ich dazu nichts).

Am 24./25. November gibt es den grad eben schon erwähnten Humorworkshop: »Sind wir komisch?«. Sa 10-18 h, So 9-16 h, in Heidelberg. Kosten 190 €. Für Paare 320 €. Wieder in der Praxis für Physiotherapie und Yoga. Weitere Infos auf bewusstseinserheiterung.info. Anmeldung für Vortrag & Workshop in HD bei ulmuta@gmx.de. Günstige Übernachtungsplätze bietet Steffis Hostel (Mehrbettzimmer für 23 €).

Danach gibt es erst am 26. bis 28. April 2019 wieder einen Humorworkshop mit mir: im Sinnesart-Zentrum in Dresden. 

Von Mitte Januar bis Anfang April 2019 bin ich auf La Palma, die meiste Zeit in Puerto Tazacorte. 13./14. April im BecomeLove (Philosophie der Liebe) auf Gut Pommritz oder im Berliner Hotel Essentis. 

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Diskussion zu: Ende und Anfang – Connection-Rundbrief Nr. 171 vom September

  1. Vom Opfer zum Manager des eigenen Lebens

    Wahrlich großartig: Tilgung, Instandhaltung, Entscheidungen über Gemeinschaftsangelegenheiten, neue Mieter und anderes.

    Das kann man auch mit dem Kauf einer Eigentumswohnung haben, dazu braucht man kein Syndikat.

    „Das Opfersein ist ihre zweite Haut geworden, gut unterstützt werden sie darin von unserem deutschen Mietsrecht.“

    Lieber Wolf,
    kannst Du das mal etwas näher erläutern? In welchen Teilen würdest du das Mietrecht verändern wollen, um der Opfermentalität entgegenzu- wirken? Klingt sonst wie der Gastbeitrag eines Neoliberalen auf der Webseite des Haus- und Grundbesitzervereins.

    Welche Arbeitnehmerrechte/Sozialleistungen könntest Du Dir vorstellen,abzuschaffen/einzuschränken,
    um das Verlassen des Opferstatus zu fördern?

    Es ist eine Sache, für Modelle wie das des „Syndikats“ zu werben,
    das Modell mag ja durchaus eine Alternative (für einige wenige sein).

    Nur bedarf es dazu aber nicht einer völlig überzogenen Überhöhung (vom Opfer zum Manager des eigenen Lebens) noch einer Forderung nach Beschneidung von Mieterrechten.

    Gruss

    Peter

  2. Vom Opfer zum Manager des eigenen Lebens

    Wäre hervoragend geeignet als neoliberaler Gastbeitrag auf der Webseite des Haus-und Grundbesitzervereins:

    „Einschränküng des Mietrechts zur Bekämpfung der Opfermentalität.“

    Tilgung, Instandhaltung, Entscheidungen über Gemeinschaftsangelegenheiten, neue Mieter und anderes. Großartig!

    Ja, ganz großartig. Geht mit einer Eigentumswohnung übrigens auch.

    Vom Opfer zum Manager des eigenen Lebens
    Geht’s eigentlich noch überzogener?

    Gruss

    Peter

  3. lieber sugata,
    gratuliere. hab selbst einmal in La Palma ueberwintert. unten, bis 400 m hoch, ist es ja warm, aber leider keine luft zum atmen damals, weil sie die EG-finanzierten Bananenplantagen mit hubschrauber bespsrühen, alle paar tage. also wohnte ich höher, 700 m, im nord-westen des insel. sehe sehr billig, eigenes häuschen. jeden abend kaminfeuer, da kühl. meist einmal am tag runter zum schwimmen.
    bin gespannt wie es dir dort geht.
    lieben gruss aus alter freundschaft (siddhartha)
    kevala – sadhan – dr. wormser

  4. Hallo Peter,
    oha, ich dacht mir schon, dass ich damit ein Tabu anrühre. Wähnen sich doch alle von Immobilienhaien umgeben. Die Sardinenmentalität hilft aber nicht gegen die Haie. Ich war zweimal in in der Rolle des Vermieters mit einer Richterin konfrontiert, die mich vorab zu einem Vergleich überreden wollte, mit den Worten: Als Vermieter wissen Sie doch, Herr Schneider, dass Sie da gemäß unserem Mietrecht „immer die Arschkarte“ haben. Sie hatte Recht. Grundsätzlich bin ich als Altlinker und Sozi immer auf der Seite der Schwachen, aber unser Mietrecht stinkt. Es frustriert viele Vermieter so sehr, dass sie Wohnungen lieber leer stehen lassen als Mieter drin zu haben, um sich mit denen nicht rumärgern zu müssen. Es frustriert auch die Mieter, sogar vielfach. Ein Aspekt ist die rechtsstaatliche Unterstützung des Opferbewusstseins, das die Mieter tendenziell in einem Muster des Selbstboykotts gefangen hält. Ein anderer, dass der Frust der Kapitaleigener dazu führt, dass nicht genug Wohnraum auf den Markt gebracht wird, entsprechend sind die Mietpreissteigerungen. Drittens gilt auch, dass jeder kluge Vermieter oder Verwalter eines Mietobjekts dazu angehalten ist, eine Wohnung am besten nur an fest Angestellte, unkündbare, solvente ‚ältere Ehepaare‘ (haha) zu vermieten. Wer dieser Regel zuwiderhandelt, muss finanziell bluten oder sehr, sehr viel Glück haben. Das ist die Kurzform meiner Antwort. Bin unterwegs.

  5. lieber Sugata, ich wünsche dir alles Gute in deiner neuen Lebensphase! Und vielen Dank noch mal für all die Jahre, in denen ich jeden Monat die Connection in Händen halten durfte und immer auf dem aktuellen Stand der Entwicklung der Wesentlichen Dinge war! Du hast dir eine Pause verdient, genieße sie! liebe Grüße, Godawari aus Bielefeld (remember Fallschirmsprung in den 90ern…)

  6. Hallo Wolf!

    Es ist das erste Mal, daß ich sehe, daß Du auf den weiblichen Schatten hinweist – er ist lang und beherrscht die gesellschaftliche Diskussion und Weltsicht viel tiefer, als wir uns das eingestehen würden.

    Wir haben so gut wie keinen initiierten Männer, die durch ihre Initiation erst die Fähigkeit gewinnen, sich endlich von der Mutter zu lösen und männliche Weisheit zu entdecken, welche wir so dringend brauchen wie Deutschland den Regen nach diesem Sommer. Es geht dabei um unser aller Überleben.

    Gerade in Deutschland und Europa im allgemeinen, ja auch weltweit, müssen die Männer sich endlich erinnern an ihre Essenz, an das, was Männlichkeit wirklich ausmacht – es ist ekstatisch, ein Mann zu sein. Es gilt jahrtausendelange Unterdrückung zu beenden, das Patri-Matriarchat zu beenden und endlich die tiefsitzenden Lebenslügen des kollektiven weiblichen Schmerzkörpers zu durchschauen. Noch schauen wir Männer fast ausschließlich durch die Augen der Mutter auf die Welt – da ist ein Weg zu gehen und für ältere Männer wie uns ist er grottenschwer. Kommen wir doch aus einer Wohlstandsblase, die sehr irrational und weit weg von jedem weisen, nachhaltigen Handeln, war und ist. Danke, daß Du erwachenden Frauen einen Platz eingeräumt hast – gerade die feministische, so sexistische Weltsicht, die Du so vehement vertreten hast, gilt es zu durchschauen – sie ist zutiefst destruktiv und gewalttätig, weil Ich-bezogen und rückwärtsgewandt – sie ist matriarchalisch.
    Was wir brauchen, ist etwas so fundamental Neues, daß sich noch kaum jemand traut, es anzugehen. Es bleibt spannend.

  7. Was meinst du mit „Selbstboykott“??

    Ich bin gerne Mieterin und das ganz ohne „Opferbewusstsein“. Hatte aber auch Glück mit meinen Vermietern, bisher. Ein Privateigentümer, der sein Haus als Altersversorgung ansieht – und nicht als Profitmaschine, wie die Immobilienhaie, die den Markt in den Städten oft dominieren. Seit der Finanzkrise gilt Wohnraum ja als super Anlage, von daher kannst du nicht darüber hinwegsehen, wie massiv hier spekuliert wird. Und der Staat tat das seine dazu, verkaufte massenweise Wohnungen an „Heuschrecken“, ja, anders kann man das nicht sagen.

    Das Connectionhaus ist nun wahrlich kein normales Beispiel für ein Vermietungsobjekt, mag sein, dass das deine Wahrnehmung etwas verzerrt.

    Hier (Berlin) werden übrigens nicht wenige Leute einfach raus modernisiert, die Wohnungen als Eigenumswohnungen dann extrem teuer verkauft. (Kürzlich hat sich wieder eine 70-Jährige aus dem Fenster gestürzt, als die Räumung anstand).

    Die Mieterrechte sind auch schon ein Stück weit abgebaut worden. Hörte neulich von einem Kündigungsgrund „mangelnde wirtschaftliche Verwertbarkeit“… den es früher nicht gab.

    Wohnen ist ein Grundbedürfnis und keine Ware wie irgendwas sonst. Von daher ist ein starker Mieterschutz eigentlich unverzichtbar!

    Der kleine Privateigentümer eines Hauses hat gewiss ab und an die Probleme, die du andeutest. Mietnomaden sind ein krasses Beispiel. Aber das ist nicht typisch für den gesamten Wohnungsmarkt, denn die meisten haben ja schon an große Gesellschaften verkauft. Und ein großes Mietshaus selber neu bauen – wer kann das denn heute?

    Ein Haus selbst verwalten und gestalten – für einige ist das eine tolle Sache. Andere haben damit nichts am Hut – und das ist ok so. Das schafft ja auch Arbeitsplätze, die vielen Hausverwaltungen…

  8. Hallo Claudia,
    ja, ich weiß um die Grausamkeiten des Wohnungsmarktes, um Immobilienhaie, Heuschrecken, Gentrifizierung, Landgrabbing und alles das. Und doch halte ich das deutsche Mietrecht nicht für gut. Ich werde mich trotzdem nicht in politische Aktionen stürzen, um das zu verbessern, weil ich das ganze Wirtschaftssystem für in vieler, fundamentaler Hinsicht für falsch halte. Das Bodenrecht ist nur ein Aspekt davon, und ein sehr fundamentaler. Vielleicht sollten wir die Gesetze so machen, dass man sich Boden nur von der Natur (bzw. von der Gemeinschaft, der Allmende) auf Zeit leihen kann? Oder dass Bodenbesitzer so hoch besteuert werden, dass das die Haupteinnahme der Kommunen (und anderen sozialen Einheiten) wird? Wie gesagt, ich bin darin nicht Spezialist, bin eher Generalist. Wir brauchen ein neues Betriebssystem für die Zivilisation auf Planet Erde und nicht nur hier und da eine neue App auf dem alten System. Ein verbessertes Mietrecht wäre nur eine neue App.

  9. Hallo Ena,
    hallo Wolf, (sorry, dass ich in deinem Blog mit Dritten über dich schwadroniere. 😉 )

    Wo nimmt Wolf denn auf den weiblichen Schatten Bezug? Wobei ich auch nicht ganz verstehe ob du den weiblichen Schatten der Männer meinst oder der Schatten „der Frauen“ im Allgemeinen.

    Generell wird diese Diskussion aber sehr oberflächlich geführt. So wie die meisten Diskussionen halt oberflächlich abgehen. Metoo muss man halt gut finden, denn wer will denn gerne sagen, dass er es toll findet, wenn Frauen vergewaltigt werden.

  10. Aber das ist nicht typisch für den gesamten Wohnungsmarkt, denn die meisten haben ja schon an große Gesellschaften verkauft.

    Das stimmt so nicht:
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/immobilien-von-wegen-miet-abzocke-1.4093417

    Lieber Wolf,

    nein, kein „oha, da habe ich wohl ein Tabu angerührt“.
    Das nenne ich Reframing. Um Deinen (durchaus verständlichen) persönlichen Frust und die (auch die durchaus verständliche) Werbung für Mietsynikat nicht zu offensichtlich zu machen, versteigst Du Dich , Menschen, die weder mieten wollen noch die Finanzmittel dazu haben, Eigentum erwerben zu können, als verantwortungslose Opfer, die nicht bereit wären, ihr Leben zu „managen“, zu diffamieren.

    Den Leserbrief von Claudia beantwortest Du mit sinnfreiem Geschwafel. über neues Mietrecht (app!!) und neues „Betriebssystem für die Erde“ und ziehst Dich dann als selbsternannter „Generalist“ elegant aus der Affäre.

    Gruss

    Peter

  11. Hallo Peter,
    eigentlich wollte ich mich mit dem Thema der Mieten nicht mehr beschäftigen, es war ja wirklich nur ein mini Thema in meinem letzten Rundbrief, viel wichtiger waren und sind mir einige andere Punkte. Aber hier schlagen die Wogen hoch. Hier beißen sich einige fest. Ich hab nun den SZ-Bericht überflogen (mehr Zeit nehme mich mir dafür nicht, es gibt ja auch noch anderes im Leben) und finde: Ja, es gibt solche und solche Vermieter. Wie gut, dass es auch gute Vermieter gibt, und gut, dass es auch solche Berichte gibt wie diesen hier in der SZ. Da habe ich auch schon einige davon gelesen (nein: überflogen, hähä) und mich darüber gefreut. Und ich behaupte nach wie vor, dass ich mit der Opfermentalität sehr vieler Mieter (sind sie in der Mehrheit) ein ganz heißes Eisen angepackt habe. Gerade jetzt in Zeiten, das die Medien voll sind mit den Mietpreissteigerungen und der Abzocke auf dem Wohnungsmarkt. Was ich als ‚mittelloser Vermieter‘, ja, tatsächlich, das war ich, schon alles an dem Kopf geworfen bekommen habe, nur weil ich da in der Rolle des Hauseigentümers war, das würde ein gutes Theaterstück ergeben. Das ist jedenfalls ein Paradigma, behaupte ich, das mal bei Gelegenheit (ähhhh …. ich wollte da aber nicht der Zündfunke sein, grins) generalüberholt gehört.

    Genug zum Thema?

    Grüße
    Wolf

  12. Hallo Wolf,

    ich wünsche dir alles Gute für deinen neuen Lebensabschnitt. Ich hoffe Luzi, sofern sie noch lebt kommt mit den neuen Hausgeistern gut zurecht oder hat eine neue schöne Heimat gefunden.

    Es war eine schöne lehrreiche Zeit bei euch in Niedertaufkirchen, so manches schwingt noch nach.

    Was die Veränderung der Persönlichkeit angeht, kann ich dir sagen, es ist doch eher das soziale Umfeld was einen prägt. Ich habe zwar eine gewisse Resilienz entwickelt aber der Anpassungsszwang ist doch oft größer als die eigenen Vorstellungen und Wünsche. Veränderung ist immer eine Chance sich selbst zu verändern, denn es ist sehr sehr schwer, sich in einem eingefahrenen Umfeld zu verändern, weil es dort einfach eingespielte Rollen und Traditionen gibt.

    Ich lebe nun seit 3 Jahren in einem zum Wohnmobil umgebauten LKW, so habe ich immer die Möglichgeit mal den Anker zu werfen oder zu lichten.

  13. „Vielleicht sollten wir die Gesetze so machen, dass man sich Boden nur von der Natur (bzw. von der Gemeinschaft, der Allmende) auf Zeit leihen kann? Oder dass Bodenbesitzer so hoch besteuert werden, dass das die Haupteinnahme der Kommunen (und anderen sozialen Einheiten) wird? “

    Es gibt nicht wenige Grundstücke, die auf 99 Jahre verpachtet sind. Für die Mieter macht das nicht unbedingt einen Unterschied. Und die Grundsteuer wird gerade neu berechnet, es soll nicht mehr ein Wert aus den 60gern als Grundlage dienen, sondern eines von drei Berechnungsmodellen:

    https://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/grundsteuerreform-es-wird-aufwaendig/22777348.html

    Eines davon würde die Grundsteuer um bis zu 700% steigen lassen. Bisher wird sie auf die Mieten umgelegt, das wäre also eher der Worst Case als eine Verbesserung.

    Dass es Ressentiments und Vorurteile gegen Vermieter gibt, weiß ich – es hat allerdings Gründe zu Hauf! Dass einzelne gutwillige Vermieter davon betroffen sind, ist natürlich nicht schön – und der Grund, warum auch du offenbar jetzt dazu neigst, das Mietrecht zu Gunsten der Eigentümer ändern zu wollen – mal angenommen, du würdest da noch etwas ändern wollen unterhalb des „Gesamtbetriebsystem“. 🙂

  14. Was wird denn aus den Flüchtlingen, die im Haus wohnten? Wurden die vom neuen Eigentümer übernommen?

  15. Die Flüchtlinge dürfen bleiben. Viele wollen aber lieber an einem Ort mit guter Bus- oder Bahnanbindung wohnen. Der neue Vermieter (die SauRiassl GmbH, die nach dem Mietshäusersyndikat funktioniert) übernimmt erstmal alle Mietverträge.

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