Auf geht’s zur Weltrettung! (Rundbrief Nr. 152)

»Für Wilberianer: Das grüne Mem muss abwärtskompatibel werden – und zugleich aufsteigen zu Gelb und Türkis«—Wolf

Heute will ich mich mal der, äh …. Weltrettung widmen. Da werden jetzt einige schreiend davonlaufen. Na gut, ein paar Leser weniger. Allerdings finde auch ich es oft ziemlich komisch, wie wir Menschen die Welt retten wollen in unserem je eigenen Größenwahn.

Aber es ist auch tragisch, weil die Weltretter oft genug die Situation noch schlimmer machen als sie eh schon ist. In meinen Humorworkshops empfehle ich deshalb gerne eine Übung, die ich den »überschnappenden Missionar« nenne. Dort treiben wir unser eigenes Weltrettungspathos auf die Spitze, indem wir einem Gegenüber mit unserer Methode der Weltrettung auf invasive, aggressive, übergriffige Weise eins überbraten – wehe, wenn er/sie sich nicht überzeugen lässt und bei der Weltrettung nicht mitmacht! 

Gaia weint 

Doch es stimmt: Gaia weint, weil wir es nicht schaffen, unseren Biotop zu hüten, der uns Menschen seit Jahrtausenden auf wunderbare Weise trägt. Möglicherweise sind die Veränderungen, die das Antropozän bewirkt hat, irreversibel, und die Wunden, die wir Menschen Gaia zugefügt haben, nicht mehr heilbar. Oder doch? Gerade bin ich einem Heilungsprojekt beigetreten, dass eben dies mit gemeinsamer Kraft und Vernetzung versucht.

Vielen Menschen ist die seit Jahrzehnten weithin bekannte prekäre Lage unseres Biotops jetzt – in Zeiten, da Ökogegner wie Donald Trump an der Macht sind – bewusster denn je. Die politischen Ereignisse haben die Hoffnungen sinken lassen, dass unsere menschliche Zivilisation es schaffen wird, die Kurve zu kriegen, ehe die Titanic den Eisberg rammt. 

Ich will deshalb hier zwei Aspekte von Vordenkern einbringen, die mich in den vergangen Wochen trotz alledem ermutigt und mir Hoffnung gemacht haben: Daniel Pinchbeck, dessen Buch »How soon is now – wie lange wollen wir noch warten« ich in den vergangenen Monaten übersetzt habe. Und Ken Wilber, mit dem ich mich schon viel länger beschäftige; ihm habe ich als Connection-Macher 2013 ein ganzes Jahr gewidmet. Ken Wilber hat kürzlich in einem leidenschaftlichen Essay mit der Überschrift »Trump and a Post-Truth World« aus der Sicht seiner Philosophie die aktuelle poltische Lage kommentiert. 

Eine Landkarte »von allem«

Ken Wilbers Weltbild bzw. Entwurf einer Landkarte (»Eine Theorie von allem«) ist genial und weitreichend, aber für Outsider nicht auf Anhieb zu verstehen. Ich greife hier jetzt mal nur einen Teil heraus, den er in seiner Urfassung von Beck und Rowan übernommen hat, die »Spiral Dynamics« oder spiralische Entwicklung des Menschen und seiner Gesellschaft, angefangen von der gröbsten Urform des Fressen-oder-gefressen-Werden bis zu den höchsten Formen der Weisheit und Liebe. Beck, Rowan und Wilber geben den einzelnen Stufen Farben, von denen etwa Blau (neuerdings von Wilber als »amber« neu koloriert) dem Nationalismus und Ethnizismus entspricht, dem Bedürfnis Grenzen zu ziehen und sie zu verteidigen; Orange dem Weltbild z.B. der kosmopolitischen, liberalen Sozialdemokraten; das in der Entwicklung darauf folgende Grün entspricht dem heute unter Intellektuellen, Künstlern, Ökos und Spiris vorherrschenden Weltbild der Egalitären, die Bewertungen und Hierarchien verabscheuen, obwohl sie selbst ausgiebig bewerten und es auch unter ihnen Gurus gibt. Danach kommen auf dem nächsthöheren Level, dem »second tier«, die Farben Gelb, Türkis und Koralle, wo ich selbst mich verorte und wohl auch Ken Wilber und mein Mitblogger Torsten Brügge. 

Historisches Signal

Eine so »hohe« Selbstbewertung von mir wird schon mal einigen meiner Leser aufstoßen, denn: Sind wir nicht alle gleich? Ja und Nein. Menschen, die im grünen Mem beheimatet sind, mögen Wartehierarchien nicht, sondern versuchen, alle Menschen und sozialen Strukturen als irgendwie gleichwertig zu betrachten. Wer das nicht tut, wird von ihnen gerne als eingebildet betrachtet und oft genug bekämpft. Für Grüne muss alles auf Augenhöhe abgehandelt werden. Wehe, einer hält sich für weiter entwickelt als jemand anders! Ken Wilber nennt das die »aperspektivische Verrücktheit« der Grünen mit ihrer Neigung zu Nihilismus (»Alle Werte sind gleich« was ja bedeutet, dass kein Wert gilt) und Narzissmus (Wenn nichts einen Wert hat, dann bin ich der Wert). Das aktuell Interessante an Wilbers Analyse ist nun, dass er den Auftstieg von Trump und dem Rechtspopulismus als krudes, historisch überfälliges Signal bewertet, dass Grün sich weiterentwickeln muss, hin zu Gelb, Türkis und Koralle. Und dass Grün, wie alle Meme, »abwärtskompatibel« sein muss, sonst rächen sich die abgewerteten unteren Meme, wie eben jetzt in den diversen Aufständen der Wutbürger. Niedere Stufen rächen sich an den höheren, wenn diese die niederen auf ihrem Weg ablehnen, sie also nicht wirklich integriert und damit nicht wirklich überwunden haben.

»Abwärtskompatibel« bleiben

Vereinfacht und reduziert auf das Thema der Grenzen: Grün liebt die Grenzenlosigkeit, Blau die Grenzen. Folglich befeinden sich beide. Es sei denn, Grün hat Blau wirklich integriert, was bedeuten würde, dass das Setzen und Verteidigen von Grenzen von den Grünen als wichtiger Teil des Menschseins bewertet würde, sowohl im Individuellen wie im Kollektiven. Die Mauer, mit der Trump sein Land nun von Mexiko abgrenzen will, ebenso wie der Fremdenhass in Europa, beide Reaktionen sind für das Grüne Mem schockierend und unverständlich. Wilber nennt die Revolte des Ego (»Hier komme ich«), des Nationalismus (»Amerika first!«) und Ethnizismus ein Signal, dass die Grünen die niederen Meme nicht wirklich integriert haben. Sie sind insofern nicht »abwärtskompatibel«, mit diesem Begriff aus der Computersprache möchte ich hier die Eigenschaft benennen, die bereits transzendierten Stufen weiterhin in sich zu tragen und zu würdigen. So wie bei einem Betriebssystem oder Pogramm sich die Dateien nur bis zu einer gewissen früheren Stufe noch öffnen und lesen lassen, bei sehr frühen Stufen geht das nicht mehr. Die fötale Entwicklung des Menschen ist in der Hinsicht vollständiger (die biologische Ontogenese also ‚abwärtskompatibel‘): Kurz nach der Zeugung hatten wir, du und ich, noch keine Wirbelsäule, irgendwann dann kam der Fischschwanz, und nach neun Monaten begann mit der Atmung und dem Schnitt durch die Nabelschnur unser Landleben.

Erleuchtung oder Ernüchterung?

Obwohl ich mich seit Jahren in spirituellen Kreisen eher für Ernüchterung als für Erleuchtung einsetze, so auch in dem RTL-Film über Esoterik von Anfang Februar, in dem ich der bestellte »Faktenchecker« bin, der den Leuten sagt, was von dem Hokuspokus (das Wort kommt übrigens von »hoc est corpus meum« aus der katholischen Liturgie) zu halten ist, wurde ich kürzlich eingelanden, den Erleuchtungskongress in Nürnberg zu moderieren. Da ich mich jedoch nicht als spiritueller Lehrer verstehe, sondern als Autor, Redakteur, Moderator und gelegentlicher Kabarettist, ich muss also von meinen Honoraren leben, nicht von den Spenden oder Seminargebühren meiner Schüler, wurden wir uns bezüglich der Konditionen für die Moderation nicht einig. Trotzdem bedanke ich mich hiermit für die Ehre, dass ich dort hätte Moderator sein dürfen und bewerbe den Kongress hiermit, obwohl ich nicht daran teilnehme. Das Thema dort ist »Erwachen & Erleuchtung – MenschSein und Alltag«. 

Hier noch mal der Link zu der von Raphael Bolius (und mir) initiierten Seite zur Erdheilung, die eine Drehscheibe für ähnliche Heilungs- und Vernetzungs-Projekte sein will: Gemeinsam meditieren, beten, gute Gedanken schicken für den Frieden und die Heilung der Erde. 

Und hier nochmal die RTL-Seite mit dem Faktenchecker-Film über Esoterik

Termine

Anlässlich des Erscheinens seines Buchs auf Deutsch ist Daniel Pinchbeck aktuell auf Deutschlandtour, auf die ich schon im vorigen Newsletter hinwies. Er war damit gerade in Hamburg sein, ist heute in Berlin, am 16. 2. in München und am 18. 2. in Basel. Thomas Schmelzer von Mystica-TV hat mich aus Anlass dieser Tour zum Thema von Pinchbecks Buch interviewt.

Das BecomeLove Festival, das vom 7. bis 9. April in Berlin stattfindet, beschäftigt sich mit der Kokreativität der Liebe. Ich gebe dort einen Kurzworkshop über das Thema meines Buchs »Ohne dich wäre ich ein anderer«: Wie wir in der Liebesbeziehung nicht nur eine Wir-Identität kreieren, sondern dabei auf der Heldenreise unseres Lebens auch gegenseitig kokreativ einander unsere Ichs mitgestalten. 

Auf dem Osterfestival des BeFree Instituts (13. bis 18. 4. auf Gut Frohberg bei Meißen) gebe ich einen Humorworkshop über die »Kreuzigungen und Wiederauferstehungen« in der Liebe, außerdem voraussichtlich noch einen Kommunikationsworkshop (»Schweigen kann das Problem sein, aber auch die Lösung«) und etwas zum Thema des Spiels (»Leela«) oder der Spiele, der Wandlungen unserer Identität, die wir auf den Brettern aufführen, die die Welt bedeuten.

Wie werde ich glücklich? Das ist der Artikel von mir im aktuellen KGS-Berlin, einem der beiden spirituellen Stadtmagazine dort, für das ich seit fünf Jahren eine Art Einleitung zum jeweils aktuellen Schwerpunkt schreibe.

Weitere Termine im nächsten Newsletter.

Mit herzlichem Gruß

Wolf

schneider@connection.de

RSS abonnieren

Diskussion zu: Auf geht’s zur Weltrettung! (Rundbrief Nr. 152)

  1. herzliche grüsse, lieber wolf.
    hast du schon mal vom heartcamp auf monte basso gehört?
    habe es besucht und bin sehr beeindruckt zurückgekehrt.
    dir all the best und salam-shalom, chlous

  2. Mit dem Projekttitel „auf gehts zur Weltrettung!“ wird suggeriert, dass man etwas Positives zur Weltrettung beitragen könnte! Das ist eine grundstürzend falsche Botschaft. Wenn die Welt, und damit ist ja zuerst mal die Erde gemeint, wenn die Erde also überhaupt zu retten ist, ist das nur durch Unterlassungshandlungen „machbar“! Dazu ist die Menschheit insgesamt wohl nicht fähig! Aus welchen Gründen liegt auf der Hand. Sie haben keine Zeit richtig fertig zu denken, weil sie Geld machen müssen um leben zu können. Wie wir alle schliesslich.
    Nur Wenigen ist vergönnt, zu Ende denken zu können. Und sie alle sagen: „Besser wäre zu lernen wie man das Nichtstun richtig tut… und darin immer besser zu werden…“

  3. Lieber Sugata,
    du weißt, wie lange ich mich mit Wilber beschäftigt habe. Auch seinen letzten Essay habe ich gelesen und muß feststellen, wiederum, dass er ein Supererklärer ist, aber das war’s dann auch. Extrem abstrakt – ohne differenzierte Wahrnehmungen zu so komplexen Themen wie Politk, Wirtschaft etc., die er schlicht psychologisiert. Ohne jeden Geschmack einer Empathie handelt er schlichtweg sein System ab. Das nenne ich Ideologie. Sein System stimmt, so seine These, die Welt handelt leider nicht danach. Sorry, so geht’s nicht; das Integrale – so habe ich es auch in den USA gesehen – scheitert an diesen Farb-Bewußtheitsspielchen; ein echtes Engagement hat das nie hervorgebracht.
    Beste Grüße,
    Peter

  4. WIE um HIMMELS WILLEN kann ICH dazu beitragen die Welt zu retten?
    „Immer“ wieder spüre ich einablehnen und verurteilen, das nimmt uns definitiv die Freude.
    Rausgehen, tief das Grün des lichtvollen Waldes einatmen und wissen, nichts ist selbstverständlich.
    Halleluja

    Namastè
    Padma

  5. Wilber ist ein Hirn-Spiel für Männer.
    Für Frauen, die nicht unbedingt ein Erklärungsmodell für die Welt brauchen (siehe auch Gerald Hüther „Männer. Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“) eher ermüdend… ist meine Beobachtung.
    🙂

  6. Warum nur fällt mir Paracelsus beim Lesen ein: „Die es gut meinen, das sind die schlimmsten.“ ―Paracelsus
    http://gutezitate.com/zitat/197005

    Oder auch Friedrich Nietzsche:

    Die Guten – die waren immer der Anfang vom Ende …
    Und was auch für Schaden die Welt-Verleumder tun mögen, der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden.“

    Ecce Homo – Warum ich ein Schicksal bin. #4

  7. In Science-Fiction-Erzählungen sind es nicht immer die höher-entwickelten Wesen, die die Welt retten, oft haben die ziemlich destruktiv-einseitige Züge.
    Es gibt lineare und zyklische Entwicklungsmodelle. Mir gefallen die zyklischen besser: Am Ende kehrt immer alles wieder zu seinem Ursprung zurück.
    http://connection.de/stufenmodelle/

  8. Die Idee mit dem Meditieren zu einer bestimmten Zeit praktizieren andere Gruppen weltweit doch schon. Alsoeigentlich nichts Neues.

  9. Lieber Sugata,
    auch ich sehe Ken Wilber inzwischen skeptisch, vor allem wegen seinem Größenwahn, aber in diesem Punkt gibt er eine ganz konkrete und relevante Anregung: Wenn wir das Bedürfnis nach Grenzen grundsätzlich verleugnen, spielen wir denen in die Hände, die Mauern bauen wollen.
    In diesem Punkt finde ich auch die Analogie von Individualpsychologie und Politik durchaus zutreffend: Wer gezwungen wird, seine Grenzen aufzugeben, wird umso heftiger darum kämpfen.
    Und dennoch sind die politischen Zusammenhänge rund um das Thema Grenzen weit komplexer und ich will sie nicht auf diese Analogie reduzieren.
    Und zum Thema „Die Welt retten“: Geht es nicht eher darum, das Überleben der Menschheit auf der Erde, das ganz sicher nicht ewig dauern wird, noch ein wenig auszudehnen?
    Die Welt wird von unserem kollektiven Selbstmord nicht untergehen. Vielleicht hilft diese Erkenntnis, mit etwas weniger missionarischem Eifer an das Thema heran zu gehen.
    Lg Saleem

  10. @Gerhard

    Ein Regentropfen steckte einmal seine Mitregentropfen mit seinem Gähnen an, als er meinte:
    „Die Idee mit dem Ozean praktizierten andere Regentropfen weltweit schon. Also eigentlich nichts Neues.“
    Und die Mitregentropfen steckten andere Regentropfengruppen an, so blieben die einen hocken und gähnten … und verdampften.
    Und die anderen kullerten in hundert Richtungen davon, auf der Suche nach den aufregenden, den neuen Formen der Erde. Die nicht in der längst bekannten See- oder Flußform hängenblieben, verdampften: noch schneller.
    Es ist das die Version der Geschichte, in der zu viel Wüste entstand und zu wenig Ozean, und die Erde ging schief.

    VIELES, was derzeit not tut, ist nicht neu, ist kein Reißer, ist nicht laut. (Vielleicht fast alles?)

    Aber weltweite Massenmeditation wird in den nächsten zehn Jahren ein Phänomen werden – als Antwort auf das, was noch kommt.
    Da bin ich sicher 🙂

  11. Dieses Mem „Gaja weint“ kann ich nicht nachvollziehen.
    Wer weint, sind liebevolle Menschen, die die (aktuelle) Artenvielfalt schützen wollen – und doch erleben müssen, wie immer mehr Palmöl-Plantagen den Urwald verdrängen, die Meere vermüllt werden und vieles mehr.

    Vielleicht kennt Ihr auch diese oft wiederholten Dokus über die Katastrophen der Erdgeschichte, die der Entwicklung des Lebens auf diesem Planeten schon zugestoßen sind. Da wurden schon mal 80 bis 90% der Arten dahin gerafft – Klimawandel, Vereisung, Einschläge anderer Himmelskörper, Supervulkane….
    Aber auch in historischen Zeiten sind Zivilisationen untergegangen, wie etwa jene der Bronzezeit vor 3000 Jahren, die binnen 100 Jahren verschwunden sind.

    Hat Gaja bei alledem geweint? Warum sollte sie? Anscheinend reicht es, wenn ein Bruchteil der einst lebenden Wesen irgendwo überlebt, um eine neue Entwicklung mit wiederum riesiger Vielfalt zu ermöglichen.
    Man könnte solche Verluste auch als „Reinigungen“ deuten, wenn man schon darauf besteht, in die Erde ein Bewusstsein hinein zu geheimnissen – so nach dem Motto: „Ich hab‘ Homo Sapiens“ / „Keine Sorge, das geht vorbei!“.

    Was ich damit sagen will: Es sind WIR SELBST, die ein Interesse an der Erhaltung eines FÜR UNS lebenswerten Biotops haben (sollten). Warum das externalisieren und personalisieren? Die Erde wird sowieso am Ende von der Sonne verschluckt, bevor diese komplett ausgebrannt ist.

    Was für ein gefühlsmäßig kontraproduktive Sicht, alledem Leidensfähigkeit zuzusprechen!

  12. Danke für die vielen guten, ergänzenden und Widerstand bietenden Kommentare zu meinem »Weltrettungsblog«!

    @ Wolfgang (und andere): Ich sehe Ken Wilber überwiegend positiv, mit großer Wertschätzung und bin immer noch geneigt, in ihm den ‚größten lebenden Gelehrten‘ oder wenigstens einen Kandidaten für diesen Titel zu sehen. Einwand: Er ist zu schwer verständlich, er bewegt sich zu sehr im eigenen Jargon. Inwieweit er (von Position Koralle aus?) abwärtskompatibel ist, frage ich mich inzwischen, bei seinen diversen Pamphlets gegen das grüne Mem (die ich andererseits selbst gut nachfühlen kann, da habe offenbar auch ich noch einiges zu ‚integrieren‘). Wilber nur für Männer? Auch nicht ganz falsch. Und wenn das so ist, wo ist dann der Leuchtturm für die Frauen?

    @ Weltretter und Anti-Weltretter – ein klarer Fall von Jein, finde ich. In gewisser Hinsicht »sind wir die Welt« – als subjektive Wesen sind wir das. Und doch haben wir Verantwortung für die Wirkungen, die wir »in der Außenwelt« hinterlassen, individuell wie kollektiv. Wer würde schon nach einem Picknick in einem Naturschutzpark unkompostierbare Plastiktüten am Rastplatz hinterlassen wollen? Und das gilt im Großen auch für die Weltmeere.

    @ Claudia: Gaia zu vermenscheln finde ich nicht grundsätzlich schlecht. Wenn uns bewusst ist, dass wir da was auf ’sie’ (auf den Biotop) raufprojizieren. Das ist sowas wie die Personifizierung von Gott oder der Animismus (»alles hat eine Seele«). Klar wird die Sonne irgendwann aufhören zu brennen und die Erde dann kalt werden! Trotzdem bin ich so menschlich (was definitiv ein bias ist, eine Voreingenommenheit), das Ende von homo sapiens hinauszögern zu wollen, und sogar auch das: Ich will, dass es uns gut geht auf der Erde!

  13. @Selja,
    ich hatte das nur erwähnt, weil das keinesfalls neu ist. Habe ich für Dich mit einem Wort gesagt, daß ich die Idee nicht gut finde?
    Wenn, dann müssten alle zusammenkommen, die so etwas praktizieren. Das wäre wirkungsvoller.

  14. Ich habe „Gaia“ immer so verstanden wie einen Organismus, und dabei einen nicht bewussten. Gaia ist ein grosser Organismus. Was daran könnte verkehrt sein?

  15. @Wolf
    Dein Argument Müll einsammeln sei eine weltrettende Handlung entspringt deinem nicht zu Ende denken wollen. Das Argument ist unehrlich, weil du damit nur den von mir kritisierten positiven Begriff des Weltrettens schützen willst. NICHT wegwerfen ist die richtige Handlung, also eine Unterlassungshandlung… Bitte weiterdenken…

  16. @ Bürgin, was du da sagst ist mir eh klar und von mir längst weitergedacht. Da ist nix ‚unehrliches‘ dran. Bitte mitdenken! Zusammen, kokreativ denkend, kommen wir viel weiter als allein. 😇

  17. @ Gerhard: Auch ich verstehe Gaia als einen großen Organismus. Ist ja nur eine Idee, aber eine attraktive, finde ich. Siehe z.B. gaia-transformation.net, eine Webseite, an der ich gerade, zusammen mit Raphael Bolius, bastle. Hat Gaia Bewusstsein? Haben wir selbst Bewusstsein? Auch das bezweifle ich manchmal. Was soll das überhaupt heißen, dass wir Bewusstsein haben? So vieles ist mir unbewusst. Und die alte Idee des Animismus, dass alles beseelt ist, die ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen, meine ich.

  18. Gaia hat kein Bewusstsein, Wolf. Dennoch ist es ein Organismus.

    „Bewusstsein“ ist ein Trick unseres Gehirns, ebenso wie das „Ich“. So die gängige Meinung.
    „alles beseelt „? Schon allein deshalb, weil aus einfachen Bausteinen einst Leben entstand. Irgendetwas drängte hin zum Leben – und wenn es nur Chemie war.
    🙂
    Die Webseite hatte ich schon besucht, was glaubst Du denn? 🙂

  19. @wolf
    Das ist in Ordnung, Wolf. Ich wollte eigentlich das Wort „illusionär“ benutzen, nicht „unehrlich“. Danke für den Austausch.
    Ich möchte einfach noch einmal bekräftigen, dass mein Statement ernst gemeint war, nicht spirituell oder esoterisch: „Nur aus dem immer besseren Tun des Nichttuns entsteht das, was du Weltrettung nennst“. Es braucht eine „Ethik des Unterlassens“.

  20. Leuchtturm für die Frauen?
    Frauen kommen sehr gut ohne Leuchtturm aus. Jedem Morgen denke ich mir: „Be a Leuchtturm onto yourself!“ Funktioniert gut und spart jede Menge Zeit 🙂

  21. »Gaia weint«, das kann entweder metaphorisch gemeint sein – dann ist es Kitsch; oder wörtlich, dann ist es Esoterik.

  22. @Avinasho: Danke für die Klarstellung!

  23. @ Avinasho und Barbara: »Be a lighthouse unto yourself« ist ein schönes Konzept. Mehr für Frauen als für Männer? Das glaube ich nicht. Das gilt doch für alle.

    Und wenn das so ist, dann könnten doch wir alle, Männer wie Frauen, für dieses Konzept leuchten – unto ourself and others. Das tue ich, nach besten Kräften, und mein Eindruck von euch ist, dass ihr das ebenso tut.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass Männer für die Verirrung, sich nach einer äußeren Lichtgestalt auszurichten anstatt nach dem eigenen inneren Licht, eher anfällig sind als Frauen.

  24. @Avinasho – Danke für deine Worte. So sehe ich das mittlerweile auch.

  25. @Wolf: Es selber vormachen? Etwas (vor)leben, damit andere motiviert sind, ihre Dinge anzupacken?

Dein Kommentar zu: Auf geht’s zur Weltrettung! (Rundbrief Nr. 152)

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht