Auch das bin ich – Rundbrief Nr. 166 vom April/Mai

»Was ich gerade neu entdecke, so als hätte ich es vorher nicht gewusst, ist das Gewebe der Identitäten, die mir in der Gesellschaft begegnen, alle diese bin auch ich«—Wolf

Lerne ich? Was ist heute anders damals? Im Dezember 1975 hatte ich in der Stadtbibliothek von Singapur in einem der Bücher das Wort »Satchitananda« entdeckt. Allein dieses Wort, das ich mir als Wahrheit (sat), Bewusstsein (cit) und Glückseligkeit (ananda) übersetzte, hatte es mir angetan, und ich lief dann wie damit besoffen stundenlang in Ekstase durch die Straßen dieser chinesischen Stadt. »Es« hatte mich unverhofft erwischt, es, das nicht Herbeiführbare, die Gnade, der Flow. Das, wofür ich seitdem und bis heute lebe. Und heute?

Dieser Tage ist es eine andere Schlüssel-Sentenz, auch sie aus der indischen Philosophie, die mich ergreift: Tat tvam asi, übersetzt als: Auch das bis du. Der Spruch stammt aus den Upanishaden, und wieder verstehe ich neu und heute wieder anders genau dasselbe: Da zu sein, bewusst da zu sein, ist Glückseligkeit, denn auch das bin ich, auch das, was ich da gerade erlebe. Auch wenn es Widerstand ist, alles. Ich bin das. Und was ich gerade neu entdecke, so als hätte ich es vorher nicht gewusst, ist das Gewebe der Identitäten, aller Identitäten, die mir in der Gesellschaft begegnen, alle diese bin auch ich. Ich bin ein Teil davon, untrennbar. 

Gut möglich, dass einem mystik-fremden Leser das als durchgeknallt, abgehoben oder übertrieben vorkommt. Es ist keins von alledem. Es ist nur so, dass ich mich in alledem, was ich erlebe, wiederfinde. Wenn ich mich dem nicht verweigere, mich nicht davon absetze oder abtrenne als etwas Separates, dann leide ich unter dem nicht, was mir und mit mir geschieht, auch wenn es manchmal schmerzlich ist, es Angst auslösen kann oder Wut, Trauer, Liebe, Hingabe und sehr oft: Entzücken. 

Tragikomik

Grad las ich in der SZ, dass seit dem Schulmassaker an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut im Dezember 2012 bis Mitte März 2018 in den USA 7000 Kinder mit Schusswaffen getötet worden sind. Das sind mehr als jene 6929 US-Soldaten, die seit 11. September 2001 im Gefecht ums Leben gekommen sind (falls diese Angabe stimmt, wovon ich jetzt mal ausgehe). Uhhhh …. dennoch will Trump die bereits gewaltigen Militärausgaben der USA noch erhöhen und nun an den Schulen auch noch die Lehrer bewaffnen, die dann die Übeltäter unter den Schülern abknallen würden, ehe sie (weiter) töten könnten. Mehr Waffen würden mehr Schutz und Sicherheit bedeuten. Absurd? In Amiland nennt man das »fucking for virginity« – ficken für die Jungfräulichkeit. Ist das Realsatire? Ja, aber es ist nicht dieses Geschehen an sich komisch gegenüber dem angeblich ernst zu nehmenden Anderen, sondern es ist der Blick, der das Komische daran erkennt. Das Geschehen selbst kann man genauso gut tragisch nennen wie komisch. 

Globale WG

Und wie sieht es in meinem Alltag aus? Noch immer lebe ich im Connectionhaus mit Flüchtlingen zusammen. Grad sind es wieder mehr geworden – zu ‚meinen drei Jungs‘ aus Eritrea sind zwei weitere hinzugekommen, der jüngste ist 19 Jahre alt. Sie sprechen Tigrinja, eine Sprache, von der ich außer ein paar importierten Worten, wie die für Oliven (seitun) und Tee (tschai) nichts verstehe – doch, eines noch: Wenn ich mich auf arabisch bedanke (shukran), weil sie z.B. den Müll korrekt getrennt haben, dann grinsen sie. 

Eine Filmcrew aus München hat an einem Samstag im April (21.4.) meinen Tagesablauf mit ihnen aufgenommen und will das bald auf Spiegel TV zeigen (wann, erfahrt ihr im nächsten Rundbrief). Kernidee der auf 15 min geplanten Sequenz: die globale WG. Wir Menschen auf der Erde sind durch unsere Transport- und Kommunikationsmittel so eng zusammengewachsen, dass wir nicht mehr nur ein globales Dorf sind, sondern inzwischen sogar eine globale WG – mein Zusammenleben mit diesen Afrikanern steht dafür als Beispiel oder Symbol, inklusive aller Freuden und Schwierigkeiten.

Zweifel

Immer mehr fällt für mich dieser Tage, Wochen und Monate ins Lot, es fügt sich ein Verständnispartikel zum anderen und passt in ein Ganzes. Ich bin ja auch mittlerweile, hehe, alt genug, nicht mehr nur häppchenweise zu denken, nicht mehr nur Stückwerk. Zweifel? Wie schade, dass die Klugen an sich zweifeln, die Dummen dagegen sich ihrer selbst ziemlich sicher sind, besser wäre es umgekehrt, hat irgendein Philosoph mal gesagt. Stimmt. Aber es gibt doch etwas, das über ein lebenskluges Zweifeln und eine gereifte Skepsis hinausführt: das Ankommen bei sich selbst. Weltbilder entwickeln sich, der sie Gestaltende bin immer ich selbst, das brauche ich nicht mehr zu bezeifeln.

Religionsunterricht an den Schulen?

Der Economist brachte kürzlich einen einigermaßen fair den Stand der Dinge konstatierenden Artikel über religiöse Erziehung in England, mit Fakten, die tendenziell auch für die deutschsprachigen Länder gelten. Eine Umfrage über die Bedeutung von Religion in den britischen Schulen hatte ergeben, dass nur 12 % das Fach für sehr bedeutsam hielten, während 85 % z.B. Sex und Beziehung für sehr bedeutsam hielten. Sollten wir für den Religionsunterricht vielleicht lieber Tantra-Lehrer an die Schulen schicken als Theologen? Das müsste dann ein Unterricht in Liebe, Meditation und Beziehungsfähigkeit sein. Wobei ich keineswegs alle heutigen Tantralehrer als dafür geeignet bezeichnen würde, aber das wäre doch mal eine schöne Herausforderung für sie, auf Staatskosten Jugendliche zu errichten. Und ich meine, dass auch abgesehen von dem wichtigen Fach »Liebe, Sex und Beziehung« der Unterricht in »Religion, Meditation und Glaubenssysteme« an den Schulen einen Platz haben sollte, und dass das so präsentiert werden könnte, dass es die Schüler interessiert. Wenn wir doch nur mehr Lehrer hätten wie Robin Williams als John Keating in dem Film»Club der Toten Dichter«!  

Kostenlos U-Bahn- und Bus-Fahren 

Nach dem Tiefschürfenden jetzt mal was ganz Praktisches, Einfaches, Umweltschonendes und sozial Gerechtes, das bisher von der Lobby der Autoindustrie verhindert wird: Nach Berechnungen des Umweltdachverbands „Deutschen Naturschutzring“ (DNR) würde die Streichung des Dieselprivilegs bei der Mineralölsteuer jedes Jahr sieben Milliarden Euro in die Staatskassen spülen. Die Streichung der Entfernungspauschale für Pendler brächte fünf Milliarden Euro. Durch den Ticketverkauf beim ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) wurden bisher pro Jahr sechs Milliarden Euro eingenommen. (Quellen: sonnenseite.com und DNR). Wenn man dann noch die Ersparnis durch das Wegfallen der Automaten und der Kontrolleure berücksichtigt und die Einsparung des Zeitaufwands beim Kaufen der Tickets und dem Überlegen, welche Art des Tickets die günstigste ist, plus die Wartezeit am Automaten bei viel Verkehr (ich habe dabei schon einige S-Bahnen verpasst), was für eine Fülle!!!!! Allein der Wegfall der steuerlichen Begünstigung für Diesel-Autos würde einen kostenlosen ÖPVN in ganz Deutschland finanzieren. Wenn man dann noch die Steuervergünstigung für Pendler (die Entfernungspauschale) wegließe gäbe es einen Geldregen für die Staatskassen, der zum Ausbau der ÖPVN-Netze verwendet werden könnte – da kann doch keiner mehr sagen, ein bequemerer, einfacherer und gesünderer Transport sei in Deutschland nicht finanzierbar! 

Links 

Die ersten beiden zum Thema Manipulation. Zuerst Edward Bernays Klassiker von 1928 über Propaganda.

Dann eine Erklärung für die Zunahme von Verschwörungstheorien von dem Spiegel-Kolumnisten Sascha Lobo.

Nun ein Link zu einem sehr eindringlichen englischsprachigen Video (13 min) von der grandiosen Teal Swan: from Ego to connection, from the illusion of independence to the realisation of interdependence.

Veranstaltungen, an denen ich teilnehme

Vom 17. bis 21. Mai bin ich wieder im BeFree Pfingstseminar auf Gut Frohberg. 

Am 15.-19. August bin in Dozent im Modul IV der Anukan-Massage-Ausbildung. 

Am 24./25. November 2018 leite ich wieder mal einen Humorworkshop, diesmal in Heidelberg. Er geht am Sa von 10-18 h, So 9-16 h und kostet für Frühbucher bis 15. Sept 150 €, danach 190 €. Für Paare 320 €, bei Frühbuchern 260 €. Ort: Praxis für Physiotherapie und Yoga, Landhausstr. 17, 69117 Heidelberg. Weitere Infos auf bewusstseinserheiterung.info (wird gerade aktualisiert). Evtl. gibt es hierzu einen Vortrag von mir am 4. oder 5. Oktober in Heidelberg. Anmeldung für beides: ulmuta@gmx.de. Günstige Übernachtungsplätze bietet Steffis Hostel (Mehrbettzimmer für 23 €).

Auch am Tantra für Fortgeschrittene auf Gut Frohberg vom 28.9. bis 3.10. bin ich wieder dabei und dort ebenso am Silvester-Retreat.

 

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Diskussion zu: Auch das bin ich – Rundbrief Nr. 166 vom April/Mai

  1. Zunächst mal klingt
    „das Gewebe der Identitäten, aller Identitäten, die mir in der Gesellschaft begegnen, alle diese bin auch ich“ für mich nicht richtig. Es gibt sicher Menschen, in die man sich nicht einfühlen kann und auch nicht muß. Nicht alles ist in einem selbst möglich. Und daher auch nicht erklärbar/integrierbar.
    In einem weiteren Sinne mag stimmen, daß Wut, Verstocktheit, Grausamkeit, Vergebensfähigkeit, Resilienz, Zwanghaftigkeit, Weite…all das in einem selbst nachvollziehbar ist, aber wie gesagt nicht alle „Qualitäten“.

  2. Hallo Gerhard, was ich da beschreibe ist eine Art der Wahrnehmung anderer und meiner selbst im Gewebe der Gesellschaft, das wohl plus/minus auch der berühmten Sentenz des römischen Dichters Terenz entspricht: »Homo sum, humani nihil a me alienum puto – Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd.«

  3. Hier noch ein kurzes (mal sehen) leicht verspätetes Feedback zum RB 166, lieber Sugata.
    Du hast so recht: die Doofen (du drückst dich ja dezenter aus) sind zZt weltweit am Drücker, werden gerne zu Fuhrern (mit u, nicht ü) auserkoren, je geschmackloser desto besser…
    Was ist besser: eine Elite bestimmt die politischen Geschäfte, oder wir alle, also auch die Doofen? (Plato vs Aristoteles). Könnte jede Köchin in der Lage sein die Staatsgeschäfte zu führen, wenn sie sich nur dafür interessierte?
    Können wir heute überhaupt noch mitreden bei diesem rasanten Anstieg der Weltbevölkerung? Trägt dieser nicht auch sehr viel zum Klimawandel bei?
    Zur Naturzerstörung im großen Stil? Usw… Du schneidest ja auch das alles immer wieder an, wie gut!
    Herzlichst,
    Sabine

  4. Noch eben ein kurzes PS.
    Von den Dummen ausgenommen sind natürlich die Milliarden auf der Welt die nicht lernen können o. dürfen.
    Und der Vorteil der wachsenden Weltmenschenzahl: gute Ideen nehmen zu, zB in Sachen Städtebau in den asiatischen Megametropolen, aber auch in Europa, vertikale Parks usw.
    N´ayons pas peur, wie Manu Macron in AC meinte.

  5. Lieber Sugata

    Du beschäftigst Dich weiterhin mit Tantra. Weisst Du, ob es sich um ein persönliches Behaftetsein handelt?

    Mein Spüren hat mich über 14 Jahre lang in vielfältigste Themen eingeführt, womöglich dass ich gerade solche Fragen aus egoloser Sicht zu beantworten vermag.

    Parallel dazu hat es mein individuelles Leben völlig verändert, insbesondere was die Grundbedürfnisse betrifft. Alle meinen sexuellen Blockaden fielen damals in überraschend kurzer Zeit weg.

    Die spirituelle Herangehensweise an das menschliche Leben unterliegt einem grundsätzlichen Irrtum: nach tiefen spirituellen Einsichten, die durchaus real sind, schlussfolgern viele Menschen in ihrem Verstand, dass sie das „einzig Reale“ gefunden haben: Glücksempfinden, Läuterung, Einssein mit allem etc.

    Sie verleiten sich so selber zum Missverständnis, dass diese Tiefe oder Höhe realer ist als die andere Seite, die „Maya“.

    In Wahrheit ist Einssein eins, und nicht einseitig. Auch wenn Maya nicht genau das ist, was es zu sein scheint, ist es dennoch so real wie Einssein eben sein kann.

    Die Menschen mit tiefen spirituellen Erlebnissen deuten ihre Erfahrungen grösstenteils sehr eigenartig: sie beginnen, ihrem individuellen Dasein die Realität abzusprechen. Theoretisch wäre es ja möglich, dass sie recht haben. Faktisch ist allerdings nachweisbar: es gelingt keinem einzigen, „drüben“ zu bleiben. Jeder, ob selbstbezeichneter Guru, oder Meister oder Seminarleiter, ob Sannysin oder Schüler oder Seminarteilnehmer, wie tief auch immer die Erfahrung, sie alle kehren zurück, wachen morgens in ihrem Körper auf, brauchen Luft zum Atmen, Nahrung zum Essen, Wasser zum Trinken, Schutz vor zu grosser Kälte oder Hitze:

    Beinahe niemand hält die Idee aufrecht, hierauf zu verzichten, und wenn, dann sind es kurze und schmerzhafte Experimente. Zwei Extremfälle sind Buddha, der sich jahrelang einer härtesten Askese unterzog, und sich schliesslich ganz deutlich davon abwandte, oder heutige Menschen, die daran glauben, von Licht leben zu können, und es sogar zu beweisen versuchen, was selbstverständlich noch niemandem gelang.

    Doch die oben genannten Grundbedürfnisse sind noch nicht alle. Sie unterscheiden sich von den zusätzlichen Grundbedürfnisse dadurch, dass sie unverzichtbar sind, denn sie nicht zu leben bedeutet den Tod.

    Die nächsten menschlichen Bedürfnisse, die genauso vor wie nach jeder spirituellen Praxis da sind, sind Gesellschaft zum nicht einsam sein. und Sexualität um sich fortzupflanzen.

    Auch hier kommen Spirituelle zu eigenartigen Schlüssen: entweder frei gewählte Einsamkeit und/oder Enthaltung, oder aber sie machen sich ihre sexuellen Bedürfnisse zum Mittel auf ihrem spirituellen Weg. So naheliegend es auch scheinen mag, so befremdend ist es, wenn man es sachlich betrachtet.

    Sexualtität ist deswegen eine der schönsten Empfindungen, einzig aus dem biologischen Grund, weil Fortpflanzung für die Arterhaltung dermassen wichtig ist. Ohne Fortpflanzung stirbt die Linie aus, stirbt eine Art aus. Zum jeden oben genannten Bedürfnis gehört ein schönes Empfinden: Essen wenn man Hunger hat, Trinken wenn man durst hat, kuschlige Wärme fühlen wenn es kalt oder angenehme Kühle wenn es heiss ist, oder sich in angenehmer Gesellschaft aufhalten.

    Zum Überleben der Art ist Sexualität entsprechend ihrer Wichtigkeit nicht nur eine der schönsten Empfindungen, sondern auch eines der schwierigsten Themen. Parallel mit der Sexualität geht die „Konkurrenz der Gene“, denn über Jahrmillionen setzten sich jene Individuen durch, die sich in einem „sexuellen Konkurrenzkampf“ innerhalb der eigenen Art durchsetzten. Dies wurde in der menschlichen Spezies zu einem Balanceakt: ein Seitensprung ist richtig und falsch gleichzeitig. In der Sexualität sind Mitglieder der selben Gruppe, die sich und ihre Gruppe eigentlich gegenseitig gegen äussere Gefahren schützen und bei der Nahrungssuche unterstützen, gleichzeitig Freund/in und Konkurrent/in .

    Der Verstand verkompliziert diese natürliche Situation: im Tierreich besteht diese Konkurrenz auch, doch Tiere fechten dies in der Gegenwart aus, und dann ist es vorbei: ein Individuum hat sich durchgesetzt, das andere nicht, und man lebt weiter.
    Der Verstand macht mit den Menschen ganz anderes: die meisten Menschen sind nachtragend. Sie „verübeln“ es den andern, und machen aus einem Seitensprung ein Lebensdrama, spalten sich vom eigenen Nachwuchs ab etc etc etc. Das ist bekannt.

    Sexualität hat unter der Führung des Verstandes mehrere schwierige Komponenten:

    1. Der Verstand erlaubt einem Sexualität nicht, wenn sie eintritt. Egal ob aus der Sicht der Eltern oder der/des pubertierenden Jugendlichen: Du darfst nicht (bzw. ich darf nicht). Dies ist für den/die Jugendlichen sehr schmerzhaft und geht gegen die eigene Natur, und führt zu einem enormen Kompensationsverhalten, wobei die Situation des „Wartens“ sogar noch bis Jahrzehnte in die Länge gezogen wird. Denn unmittelbar mit der Sexualität ist in unserer Natur auch das Elternwerden verbunden. Sexuelle Aktivität können wir noch einigermassen kompensieren, nicht aber das Elternwerden. Heute ist dies schlimmer und schwieriger als je zuvor: „zuerst Schule, Lehre, Abschluss“. Doch das reicht heute nicht einmal mehr. Dann „selbständig das Leben verdienen, sparen, ein Eigenheim, Sicherheit.“ So vergehen Jahre bis Jahrzehnte des Handelns gegen die eigene Natur. Das führt soweit, dass insbesondere auch Frauen zum Schluss kommen, in Anbetracht ihrer inneren Unerfülltheit, dass sie nicht zum Mutterdasein geboren wurden, und sich in einer eigenen beruflichen Karriere beweisen wollen, um eeeendlich glücklich zu werden.

    2. Der Verstand erschwert auch die Partnersuche. Obwohl er sogut wie gar nichts darüber weiss, Es ist bekannt, Partnerfindung ist kompliziert. Selten wird der Verstand als diesbezüglicher Hauptverursacher genannt.

    3. Der Verstand und das mit ihm einhergehenden Konfliktverhalten erschwert die Partnerschaft. Auch hier eine gute Motivation, im gespürten Einssein mit allem zu agieren, und den Verstand unterzuordnen.

    4. Der Verstand erschwert meistens sogar die sexuelle Handlung selbst. Während der Verliebtheit erleben es die Menschen, dass der Verstand ausgeschaltet wird. Dann fühlen sie sich echt. Doch der Verstand meldet sich rascher zurück als gewünscht, und schon werden sexuelle Erlebnisse schwierig: kein Orgasmus, der Orgasmus kam zu schnell, unterschiedliche Ansichten über die Form der Sexualität, Prüdigkeit, Perversionen…

    Zurück zur Spiritualität: Tantra ist ein ganz spezielles Gebiet. Es gibt einige Gründe für Tantra: Bewertungsfreies Betrachten der eigenen Körperlichkeit und der eigenen sexuellen Empfindungen ist der natürlichste Ansatz. Hierbei können positive Erkenntnisse entstehen. Doch was bringen diese, wenn zurück im Leben der Verstand in den oben beschriebenen Schwierigkeiten weiter mitmischt? Unter dem Strich wenig bis rein gar nichts. Noch eine Motivation, sich zuerst von der Beeinflussung durch den Verstand zu lösen, um danach unter der Führung des Lebens eine natürliche Sexualität zu erfahren.

    Absurd ist jene Form von Tantra, die aus der reinen Beobachtung und dem Vergleich der Ähnlichkeit zwischen einem erleuchtenden Erlebnis und den Empfindungen sexueller Aktivität eine Parallele schliesst, und zu einer Praxis des Findens eine abschliessenden Wahrheit führt.
    Auch wenn dies gut gemeint ist, auch wenn reine und redliche Absichten dahinter liegen – es klappt einfach nicht.
    Was hierbei klappt ist eine Vertiefung der Erkenntnis dass alles Eins ist (aber das wissen wir ja schon) und das Leben der eigenen Sexualität in diesen Retreats (schön für den Körper, aber nicht nachhaltig, eher sogar abhängig machend):

    Real und wahr ist folgendes: Sexualität entspricht genauso wie Atmen, Essen, Trinken, Wärme/Kühle und Gesellschaftlichkeit unserem Leben. Entsprechend ihrer Wichtigkeit fühlt sie sich besonders schön an und ist besonders erstrebenswert. Sie steht in direktem Zusammenhang mit unserem gesellschaftlichen Bedürfnis einer eigenen Familie.

    Das ist schon alles. Nicht mehr und nicht weniger. Menschen unterdrücken sie, kompensieren sie und überhöhen ihre Bedeutung, je nach Interpretationsform, je nach Form des individuellen Missverständnisses.

    Dies alles so zu betrachten hat keinen Nutzen, es sei denn, da sei jemand, der glaubhaft berichten kann: „auch ich war in diesem Wirrwar gefangen. Nach jahrzehntejahrer mich hingebender Wahrheitssuche gingen mir die Optionen aus. So entschied ich mich, mich hinzustellen, und ich würde mich nur noch nach meinem Spüren richten: ob, wann, wie wohin. Ich würde meinen Gedanken zwar noch eine gewisse Beachtung schenken, sie aber zu keinem Zeitpunkt mehr als Entscheidungsebene zulassen. Mit erstaunen stellte ich fest: es funktionierte, im realen Leben, zwischen Menschen, auf der Strasse, überall. Doch nicht nur das: in meinem Fall waren die sexuellen Blockaden etwas vom raschesten was abfiel.“

    Ob jedem, der sich zu diesem entscheidet, wie bei mir die sexuelle Problemsituation ähnlich schnell aufgelöst wird, weiss ich nicht. Falls Du diesen Schritt ins Spüren schon getan hast, oder noch tun wirst, kannst Du es erfahren.

    Ganz liebe Grüsse

  6. Lieber Sugata,

    erfrischend, mal wieder von Dir zu lesen. Was den öffentlichen Nahverkehr angeht bin ich ganz Deiner Meinung. Er sollte natürlich kostenlos sein. Dass es so leicht finanzierbar wäre ist schon unglaublich. Danke, dass Du dies hier gepostet hast.
    Sowieso empfinde ich alles immer mehr als abstrus. Das ganze System. Wir brauchen einfach ein neues.
    Sei ganz lieb gegrüßt von einer früheren Praktikantin

    Michelle

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